COVID-19 #9: Foto-Webcam
Headerfoto oben > 6. April 2020 um 00:00: Foto-Webcam Blick vom Freiwandeck zu Pasterze und Großglockner. Fotolink. Foto: foto-webcam.eu
Webcams gibt es viele und in unterschiedlichen Qualitäten. Vor allem wegen der unglaublich guten Qualität ihrer Aufnahmen hat sich foto-webcam.eu unter Bergsteigern einen Namen gemacht.
Betrieben wird dieser Service von Gerhard Keuschnig und Florian Radlherr. Wir haben bei Gerhard nachgefragt:
Wir bauen und betreiben sogenannte Foto-Webcams, wobei der große Unterschied unserer Kameras zu „normalen“ Webcams die hohe Bildqualität ist. Deshalb setzen wir auf die Spiegelreflextechnik (DSLR, digital single-lens reflex), mit der es möglich ist, rund um die Uhr solche hochwertigen Bilder zu liefern.
Dabei bedienen wir sehr viele Standorte im hochalpinen Bereich und haben uns darauf spezialisiert, diese Kameras autark zu betreiben.
Unsere Hauptkunden sind in der Tourismusbranche angesiedelt: Skigebiete, Tourismusverbände, Gemeinden, Alpenvereine, Hotels usw. Außerdem arbeiten wir mit verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen zusammen, d.h. mehrere Unis, die ZAMG (Österr. Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) und einige Lawinenwarndienste verwenden ebenso unsere Kameratechnik. In letzter Zeit häufen sich aber auch die Projekte zur Baudokumentation.
In Summe betreiben wir derzeit ca. 290 Kameras. Nicht alle sind öffentlich zugänglich, jedoch die meisten und vor allem die mit den schönsten Blicken.
Die Kameras sind in erster Linie über unsere Webseite www.foto-webcam.eu zu finden und werden auch von diversen Drittanbietern genutzt.
Eine Webcam ist eine Kamera, die in periodischen Abständen Bilder produziert, die dann über das Internet abrufbar sind. Für herkömmliche Webcams werden dafür meist IP-Kameras (Internet Protocol Camera = Netzwerkkamera) verwendet, die nicht für Landschaftsaufnahmen, sondern für den Einsatz als Überwachungskameras entwickelt wurden. Das Herzstück einer Foto-Webcam hingegen ist eine Spiegelreflexkamera, die hinsichtlich Lichtstärke, Dynamikumfang, Farbtreue und auch Schärfe alle herkömmlichen IP-Kameras weit hinter sich lässt. Doch oft findet sich gerade dort, wo ein grandioser Blick mit einem potenziellen Kamerastandort wäre, weder ein Stromanschluss noch eine Möglichkeit zur Anbindung ans Internet.
Mit unserem autarken System ist es möglich, auch diese Standorte abzudecken: Mit Hilfe einer kleinen Photovoltaikanlage wird die nötige Energie bereitgestellt, welche die Komponenten mit 12 V versorgt und die Anlage wird auch mit einem ausreichend großen Akku als Puffer ausgerüstet. Somit ist gewährleistet, dass das gesamte System auch bei längeren Schlechtwetterphasen durchgehend betrieben werden kann.
Die Anbindung an das Internet wird in solchen Fällen mittels WLAN-Richtfunk zu einem entfernten Standort mit Internetanschluss oder über eine Mobilfunkverbindung realisiert.
Unser Standardintervall ist eine Aufnahme alle 10 Minuten rund um die Uhr, wobei jedes beliebige Intervall eingestellt werden kann.
Zusätzlich zu den Bildern können auch Videoclips in HD-Qualität gespeichert werden. Das macht aber nur an Standorten Sinn, wo sich auch tatsächlich etwas bewegt …

Wie schon erwähnt sind noch sehr viele Überwachungskameras im Umlauf, die als Webcam „missbraucht“ werden und somit das gewünschte Ergebnis einfach nicht liefern können. Wir setzen ausschließlich auf die Spiegelreflextechnik, damit entstehen auch bei schlechten Lichtverhältnissen und vor allem auch in der Nacht qualitativ hochwertige Bilder. Mit der Möglichkeit der Langzeitbelichtung und mit verschiedenen ausgeklügelten Verfahren, die wir über unsere Software steuern, sind solche Ergebnisse möglich.
Zum einen sieht man auf den ersten Blick, wie die Witterungslage vor Ort aussieht, und zum anderen kann man – aufgrund der hochauflösenden Bilder – auch aktuelle Verhältnisse wie Schneelage, Wegbeschaffenheit usw. am Berg recht gut beurteilen. Daneben sind die Lufttemperatur und teilweise – wenn Messstationen in der Nähe sind – auch weitere Wetterdaten wie Luftfeuchtigkeit und Windstärke/-richtung in die Aufnahme eingeblendet.
Da gibt es ganz, ganz viele … Sehr beeindruckend sind natürlich immer die Blitzfotos, hier ein paar Beispiele:
Die Kamera im Edelstahlgehäuse kostet 2.600 Euro und der Betrieb monatlich 35 Euro. Je nach Standort können aber noch verschiedene zusätzliche Komponenten (Mechanik, Verkabelung usw.) notwendig sein.
Unsere Technik wird ständig optimiert und weiterentwickelt. Zum Beispiel haben wir kürzlich eine Low-Power-Version der Foto-Webcam entwickelt, die sich derzeit aber noch im Testbetrieb befindet: Bei ihr findet die gesamte Technik in unserem Standardgehäuse Platz und es wird nur ein ganz kleines Solarmodul für die Stromerzeugung benötigt.