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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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8 Unschärfen & Irrtümer in der Lawinenkunde

Wenn wir als Experten, Ausbilder und Wissensvermittler glaubwürdig bleiben wollen, ist es notwendig, dass wir in der Sprache exakt sind und inhaltlich korrekt bleiben. Nur dann werden unsere „Beiträge“ auch weiterhin Einfluss auf die angewendete Lawinenkunde haben. Denn „da draußen“ (bei den Anwendern oder Nichtanwendern jedweder Methode oder Herangehensweise) geht die Entwicklung rasant weiter und unsere „Spitzfindigkeiten“ und Diskussionen sind eventuell immer weniger relevant. Stattdessen orientiert man sich an Outdoor-Apps, Beiträgen in sozialen Netzwerken oder was und wem auch immer. Mit dem Artikel gibt es außerdem ein Update der Statistik zur Unfallanalyse SnowCard und Lawinen.

1. Schneephysik, Thermodynamik und Grundlagenforschung bringen die praktische Lawinenkunde seit 20 Jahren und auch in näherer Zukunft nicht weiter

Das sehen wir nicht so, denn aus der Schneeforschung wissen wir zum Beispiel, dass …

Das sind nur einige Beispiele, wie Erkenntnisse aus der Schneeforschung durchaus unser Denken und Handeln bestimmen. Von der Nutzung durch die Lawinenwarndienste, die zunehmend auch physikalische Schneemodelle nutzen oder damit experimentieren, mal ganz abgesehen. Ob uns das bewusst ist oder nicht: Gerade in der analytischen Lawinenkunde haben wir immer ein Modell im Kopf, wie ein Schneebrett funktioniert. Systematische und nach vollziehbare (also wissenschaftliche) Erkenntnisse aus der Schneeforschung können uns wesentlich dabei helfen, einfache, unvollständige oder falsche Modellvorstellungen zu hinterfragen.

2. Risikobegriff

Der Begriff „Risiko“ wird immer wieder unterschiedlich verwendet. Das führt häufig zu Verwirrung und Missverständnissen. Risiko kann verschiedene Aspekte haben, kann sehr unterschiedlich definiert werden und Risiko ist oft auch faktisch „Ansichtssache“:

Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit X Schadensausmaß. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen Lawinenunfall, also eine Auslösung mit Personenbeteiligung, ist relativ gering, wenn es dann aber zum Unfall kommt, ist das mögliche Schadensausmaß relativ hoch. Bis hin zum Tod der Beteiligten.

Auch bei Anwendung der analytischen Lawinenkunde machen wir eine Risikobeurteilung. Dabei geht es vor allem (und erstmal nur) um die Auslösewahrscheinlichkeit einer Lawine und die mögliche Größe der Lawine. Wir gehen also der Frage nach: „Der Hang ist sicher, weil…“ Das unterscheidet sie von den …

Diese machen eine Aussage zur Wahrscheinlichkeit für Lawinentote in Abhängigkeit zu Gefahrenstufe und Geländeparametern (Lawinenlagebericht) auf Basis langjähriger Unfalldaten (letztendlich Konsequenzen im Nachhinein). Es geht also nicht nur um die Wahrscheinlichkeit einer Lawinenauslösung (wie in der analytischen Lawinenkunde), sondern um die Verdeutlichung der Eintrittswahrscheinlichkeit für einen tödlichen Lawinenunfall. Am Ende steht also: „Das Risiko hier ist so oder so groß“. Dies schließt eine ganz wesentliche Lücke im Vergleich zu einer rein analytischen Betrachtung, denn eine wie auch immer analytisch ermittelte Auslösewahrscheinlichkeit – so treffsicher jemand darin auch immer sein mag – kann in Abhängigkeit von risikoreduzierenden Maßnahmen (zum Beispiel Abstände), Schneemenge und verschiedensten Hangparametern (alles Dinge, die nur eine probabilistische Methode berücksichtigt oder die in einer integrativen Strategie zusammengefasst werden) ein vollkommen anderes Unfall- und Sterberisiko bedeuten.

Hier steht das Schadensausmaß im Vordergrund. Hanggröße und Hangauslauf, Steilheit, Abbrüche, Geländefallen, Anzahl und Art der Personen im Hang (Aufstieg / Abfahrt, gute / schlechte Skifahrer), Hindernisse (Bäume) – das alles beeinflusst das effektive Risiko bei einer Befahrung oder Begehung entscheidend.

Erst durch unser Handeln werden Naturgefahren zu Risiken für uns – Lawinengefahr ist zu Hause auf der Couch kein Risiko. Fähigkeiten und Können, Erfahrungen, Gruppenfaktoren, Werthaltungen, Motive und Bauchgefühl (Intuition) beeinflussen unser Risiko vermutlich in einem viel größeren Umfang als wir uns das eingestehen wollen.

Risiken können durch Maßnahmen reduziert werden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten: Vermeidung (den Hang gar nicht befahren), Reduzierung der Auslösewahrscheinlichkeit (Entlastungsabstände oder geschickte Routenwahl) oder des Schadensausmaßes(einzeln fahren). Risiken auszulagern ist eine weitere theoretische Möglichkeit, die auch aus anderen Risikobereichen bekannt ist: zum Beispiel werden in Projekten durch „Outsourcing“ oder Auftragsvergabe Risiken nicht selten weitergegeben. In unserem Fall kann das ebenso der Fall sein, wenn wir die Verantwortung an einen Bergführer oder Tourenleiter abgeben, sprich uns führen lassen …

Insbesondere eine rein analytische Beurteilung sollte um die oben erwähnten Punkte „Konsequenzen“, „Faktor Mensch“ und „risikoreduzierende Maßnahmen“ ergänzt werden. Die probabilistische Methode Snow Card „liefert“ diese Aspekte aber sozusagen bereits mit. In beiden Fällen ist das Ziel, erst gar nicht wie Baron Münchhausen versuchen zu müssen, auf einer Kanonenkugel zu reiten.

3. Regelbasierte, strategische, statistische und probabilistische Methoden – Alles das Gleiche?

Regelbasierte Methoden sind gleichzusetzen mit statistischen – richtigerweise probabilistischen – Methoden. Beispiele sind die gerechnete Reduktionsmethode, die elementare Reduktionsmethode (= Filter 1 im Stop-or-Go), die SnowCard oder die Grafische Reduktionsmethode (GRM). Hier geht es um die Abschätzung der Wahr- scheinlichkeit, in einem Hang zu Tode zu kommen.

Diese Methoden basieren auf Unfallstatistiken. Aber auch die analytische Lawinenkunde spielt letztlich eine gewisse Rolle. Denn je steiler ein Hang, desto größer die Auslösewahrscheinlichkeit und meist auch desto größer das Schadensausmaß. Und je höher die Gefahrenstufe, desto verbreiteter sind auslösebereite Geländestellen und desto wahrscheinlicher sind Lawinenauslösungen.

Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass nicht alle probabilistischen Methoden gleich sind. Es gibt einige Unterschiede in der Komplexität: die Elementare Reduktionsmethode belässt es bei der Hangsteilheit und der Gefahrenstufe. Die SnowCard wird dadurch richtig interessant, dass sie Detailinformationen aus dem Lawinenlagebericht berücksichtigt und dadurch sehr differenzierte Abschätzungen erlaubt. Einige Methoden sind also feiner und treffsicherer als andere.

Strategien oder strategische Methoden versuchen, verschiedene Aspekte, Informationen, Hilfsmittel und Maßnahmen von der Planung bis zur Durchführung einer Tour unter dem Aspekt der Lawinengefahr zu vereinen. Das DAV Lawinen-Mantra ist zum Beispiel so eine Strategie, in der unterschiedliche Risiko-Ansätze zum Einsatz kommen und eine Ablaufstruktur vorgegeben wird, in der alle fünf Bausteine – Probabilistik, Analytik, Faktor Mensch, Konsequenzen, Vorsichtsmaßnahmen – sinnvoll miteinander verknüpft werden. Auch beim Konzept Stop-or-Go kann man unterschiedliche Hilfsmittel und einen Ablaufplan erkennen. Das klassische 3×3 Gebäude hingegen gliedert nur die jeweils möglichen Fragen, gibt aber keinen Ablauf und auch keine Entscheidungsstruktur vor. 3×3 dient also vor allem der Informationssammlung, stellt aber keine Strategie dar.

Am Einzelhang gilt die regionale Lawinengefahrenstufe per Definition nicht, dennoch ist sie v.a. für weniger Erfahrene im Rahmen einer probabilistischen Methode oft die beste Informationsgrundlage. Foto: Christoph Mitterer

4. Anwendbarkeit probabilistischer Methoden im Einzelhang

Die Anwendung einer Methode wie zum Beispiel der SnowCard oder der GRM bei der Risikoabschätzung, um einen bestimmten Hang zu begehen oder zu befahren, wird (fast schon notorisch) immer wieder in Frage gestellt. Dabei wird das Argument gebracht, der Lawinenlagebericht (dessen Informationen ja bei allen probabilistischen Methoden als Eingangswerte mehr oder weniger detailliert benutzt werden) würde nicht für einen einzelnen Hang, sondern eine ganze Region erstellt.

Das ist natürlich richtig, aber die Aussage zu einer Gefahrenstufe und einer Gefahrensituation(Lawinenprobleme) für eine Region kann ja andererseits auch nicht vollkommen unabhängig von den Verhältnissen in den Einzelhängen der Region getroffen werden. Sprich die Verhältnisse, der Schneedeckenaufbau, die meteorologische Vergangenheit, die aktuellen Lawinenprobleme, die Gefahrenstufe für eine Region sind natürlich grundsätzlich auch für alle Einzelhänge in einer Region bedeutsam. Zumal ja die Zusammenstellung der Regionen, für die eine Gefahrenstufe und die Gefahrenbeschreibung gilt, zunehmend flexibel und immer kleinräumiger gehandhabt wird (siehe zum Beispiel LLB Schweiz oder Tirol). Insofern glauben wir, dass die Informationen und Aussagen des Lageberichts sowohl für die Risikoabschätzung mit Probabilistik als auch für eine analytische Beurteilung im Einzelhang erstmal die bestmögliche primäre Informationsgrundlage darstellen. Natürlich muss diese Grundlage dann mit der Realität abgeglichen und – ja – manchmal korrigiert werden, sofern ich dazu befähigt bin. Aber in aller Regel passt die Beschreibung der Schneedecke und der Gefahrenstellen recht gut unserer Erfahrung nach und stellt gerade für wenig Erfahrene einen sinnvollen Weg im Umgang mit der Lawinengefahr dar.

Daher ist eine Risikoabschätzung und Entscheidung im Einzelhang nur auf Basis einer probabilistischen Methodevertretbar, insbesondere wenn eine analytische Betrachtung schlichtweg nicht weiterführt oder im Graubereich („3 Punkte halb dafür, 3 halb dagegen“) endet, wie es nun mal nicht allzu selten der Fall ist. Entscheidungen auf Basis einer allgemeinen und statistischen Methode werden auch in vielen anderen Risikobereichen getroffen, wenn eine weitergehende (analytische) Betrachtung nicht möglich ist oder zu keinem klareren Ergebnis führt und damit nicht nachvollziehbar ist. Das ist in vielen Bereichen sogar eher die Regel und nicht die Ausnahme! Denken wir an die Medizin (Leitlinien für die Behandlung von Krankheiten), Luftverkehr (Algorithmen und Regeln zur Auswertung von Sensoren bei unterschiedlichen Messungen, zum Beispiel der Außentemperatur), Finanzwesen (Kreditentscheidungen) oder an den Betrieb von Großanlagen. Abweichungen von Regelvorgaben sind Ausnahmefälle und immer sehr gut zu begründen. Das ist das Standardparadigma im Risikomanagement heutzutage!

5. Hangsteilheit und Beurteilungsradius vs. Einzugsbereich

Probabilistische Methoden reduzieren das Risiko über eine Reduzierung der Hangsteilheit zusammen mit dem größeren Beurteilungsradius bei steigender Gefahrenstufe. Beides macht Sinn:

6. Probabilistische Methode und das Altschneeproblem

Immer wieder lesen und hören wir, dass GRM (grafische Reduktionsmethode), SnowCard und Co. bei einem „Altschneeproblem“ nicht anwendbar seien. Da widersprechen wir (nochmals) ganz deutlich. Unsere langjährige Unfallanalyse (siehe Kasten unten) ergibt recht klar und stabil über die verschiedenen Winter: Die „Vermeidbarkeitsquote“ der tödlichen Unfälle bei einem vorherrschenden Altschneeproblem ist auf Basis einer fortgeschrittenen probabilistischen Methode wieder SnowCard sogar am überdurchschnittlichsten, siehe Kasten..

Zudem: Dass die Alternative einer Schneedeckenuntersuchung (Schneedeckentests) vor Ort bei einem ausgeprägten Altschneeproblem besser sei, ist nirgends nachgewiesen, sprich reine Behauptung ohne nachvollziehbare Grundlage. Im Gegenteil: im Rahmen der Unfallanalyse und dem Studium aller einzelnen Unfallberichte sind uns mehrere tödliche Unfälle (gerade bei „Altschnee“) im Kopf geblieben, bei denen kurz vor dem Unfall ein Schneedeckentest gemacht wurde. Man mag es trotzdem tun – aber ohne tiefgreifendes Prozessdenken, Wissen über den Witterungsverlauf im Gebiet und sehr viel physikalisches Hintergrundwissen scheint uns das doch oft eher ein wenig Kaffesatzleserei zu sein.

7. Anwendergruppen

Immer wieder muss auf die ganz unterschiedlichen Anwendergruppen hingewiesen werden: Es gibt Anfänger, Fortgeschrittene und Experten5 und selbst letztere Gruppe ist nicht einheitlich (Bergführer, Gutachter, Lawinenprognostiker, Lawinenkommission, Schneeforscher …). Und je nach Anwendergruppe müssen auch unterschiedliche Methoden benutzt und diskutiert werden. Der Lawinenwarner wird mit seinen Blocktests, die er den ganzen Winter über in mehr oder weniger derselben Region täglich mehrmals durchführt, bestens bedient sein, einem Gelegenheits-Skitourengeher bringt ein Blocktest eher überhaupt nichts. Für den Großteil der Skitourengeher da draußen geht es doch darum, eine Skitour bei akzeptablem Risiko zu unternehmen und nicht darum, tagelange Recherche zu betreiben, mehrere Schneedeckenuntersuchungen durchzuführen – nur um die letzte vielleicht doch mögliche Steilrinne zu probieren. Und für Bergführer und Tourenleiter kann es andererseits ja nun auch nicht darum gehen, das letzte Bisschen an unverspurter und steiler Möglichkeit für ihre Teilnehmer rauszukitzeln, sondern da muss es doch um ein verantwortungsvolles Gesamterlebnis im Rahmen der Bedingungen und Möglichkeiten gehen.

8. Lawinenprobleme und Muster, Begriffe und Historie und „wer hat‘s erfunden“?

Ja, die aktuellen EAWS Lawinenprobleme (ehemals Schweizer Muster) und die Tiroler Gefahrenmuster6 haben uns vor allem in unserer analytischen Herangehensweise und Hangbeurteilung weitergebracht, weil sie einen weiteren Blickwinkel aufzeigen und den richtigen didaktischen Weg in einer komplexen Materie anbieten. Falsch ist, dass das alles so neu ist. Der „Faktorencheck“ von Martin Engler war bereits in den späten 1980er-Jahren in Anwendung und wurde vor 20 Jahren publiziert7. Da haben wir die „Mutter aller Muster“, wie der kongeniale Bergführer-Ausbilder Caspar Güntsch einmal treffend bemerkte, denn im Faktorencheck sind die Lawinenprobleme (aka Schweizer Muster) schon inkludiert: Neuschnee, Temperatur, Wind, Altschneeoberfläche, Altschneetiefe waren die Faktoren. Kommt uns bekannt vor – oder nicht? Da waren alle Einzelzutaten bereits abzuarbeiten – ganz ähnlich, wie das heute beim „Muster-Analyser“ in der Schweiz auch vorgeschlagen wird, um die heutigen Lawinenprobleme zu bewerten8. Damals war am Ende das Problem erkennbar und bewertbar. Heute steht das (Lawinen-) Problem am Anfang und wird dann analysiert.

Über Lawinenkunde differenziert zu denken verdanken wir Werner Munter, der uns zu Ende des letzten Jahrtausends den Paradigmenwechsel („die Erde ist keine Scheibe“) in der Lawinenkunde brachte. Die Lektüre des Standardwerks „3×3 Lawinen“9 sei ans Herz gelegt, und man wird sich wundern, welche Denkansätze und Erkenntnisse hier bereits vor 20 Jahren veröffentlicht wurden und heute allzu oft „neu erfunden“ werden.

Und, zu guter Letzt: Die SnowCard von Engler & Mersch ist die älteste grafische Reduktionsmethode, ein halbes Jahr vor der GRM der Schweiz, und ist inzwischen 20 Jahre jung, in der vierten aktualisierten und angepassten Auflage10. Irrtümer sind, nach dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, nur „Momente in der Entwicklung der Wahrheit“. Ganz in diesem Sinne ist dieser Beitrag zu verstehen.

Quellen:

Unverspurt. „Muss es immer unverspurt und steil sein?“ Foto: Pauli Trenkwalder

There is no glory for prevention!

Wir haben die Datengrundlage unserer Unfallanalyse zur Wirksamkeit der Probabilistik (insbesondere der SnowCard) erweitert. Sie umfasst weitere 46 tödliche Lawinenunfälle aus jetzt sieben Wintern (2013/14 bis 2019/20) mit jetzt insgesamt 231 Todesopfern. Als „vermeidbar“ werden dabei alle Todesfälle kategorisiert, die im orangen oder roten Bereich der SnowCard passiert sind. Insgesamt bestätigen sich die bisherigen11 Quoten und Aussagen im Grundsatz. Der mögliche statistische Fehler reduziert sich dadurch weiter.

Annahme für alle nachfolgenden Daten ist, dass ein Unfall im orangen oder roten Bereich der SnowCard „vermeidbar“ gewesen wäre:

Noch deutlicher wie im bisherigen Datensatz unterscheidet sich die „geschätzte Steilheit am Auslösepunkt“: sie beträgt durchschnittlich 36,4° für die Nutzer und 33,2° für die Nicht-Nutzer. Damit verdichtet sich die Vermutung, belegt durch Daten anstelle von nicht belegbaren Vermutungen und „Unterstellungen“, dass Airbag-Nutzer größere Risiken (im Sinne steilere Hänge) eingehen als Nicht-Nutzer.

Allerdings: die Vermeidbarkeitsquote bei beiden (Nutzer und Nicht-Nutzer) ist trotzdem fast gleich: 89 % für die Nutzer eines Airbags und 90 % für die Nicht-Nutzer, aber höher als bei den Toten, für die eine Nutzung nicht bekannt ist.

Auch wenn also die Vermeidbarkeitsquote ähnlich ist, gehen die Airbagnutzer noch weiter über die Limits hinaus.

Wie auch bisher schon ist die geschätzte Steilheit am Auslösepunkt höher, je niedriger die Gefahrenstufe ist (Abb. 5).