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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Algorithmen in der Lawinen-Risikobeurteilung

Konsens in der Lawinenkunde: Die 3×3-Regel

Werner Munter hat eine Skitour in drei aufeinanderfolgende Phasen eingeteilt: Planung zu Hause, Evaluation vor Ort und Einzelhangbeurteilung während der Tour. In jeder Phase entscheidet der Wintersportler in Abhängigkeit von verfügbarer und aussagekräftiger Information. Während die Information in der Regel von Phase zu Phase umfassender, genauer und aussagekräftiger wird, nehmen die möglichen Handlungsoptionen ab (Abb. 1).

Möchten wir dieses Modell vereinfacht darstellen, können wir eine Skitour in eine Indoor-Phase (Planung) und in eine Outdoor-Phase (Durchführung) einteilen:

Im Folgenden möchten wir die Frage aufwerfen, inwiefern „Algorithmen“ einen Beitrag zur Überwindung der geschilderten Probleme leisten können.

Skitourenguru heute

Skitourenguru ist eine Web-Seite, die täglich für tausende Skitouren des Alpenraumes eine Ampel auf grün (tiefes Risiko), orange (erhöhtes Risiko) oder rot (hohes Risiko) stellt. So gelangen Wintersportler schnell und unkompliziert zu einer Liste von geeigneten Skitouren mit tiefem Lawinenrisiko. Die Bewertung bezieht sich dabei auf im Planungsstadium verfügbaren und aussagekräftigen Informationen. Darunter fallen der Lawinenlagebericht und das Gelände.

Während sich klassische probabilistische Methoden auf die Hangneigung, die Gefahrenstufe und teils auch auf die Kernzone (kritische Höhenstufen und kritische Expositionen) stützen, geht Skitourenguru drei entscheidende Schritte weiter:

Klassische probabilistische Methoden stützen sich teilweise auf Stabilitätstests, grösstenteils aber auf Unfallzahlen. Wintersportler suchen das Gelände jedoch sehr selektiv auf. Die Unfallhäufigkeit ist deshalb entscheidend durch die Begehungshäufigkeit der Wintersportler geprägt.

Ein Beispiel: Ab 38° nimmt die Unfallhäufigkeit ab. Aus diesem Sachverhalt wurde fälschlicherweise auch schon abgeleitet, dass Hänge über 40° weniger kritisch seien, als solche, die um 35° steil sind. Die Abnahme hängt jedoch in erster Linie damit zusammen, dass sehr steiles Gelände seltener befahren wird (Abb. 2). Die Unfallhäufigkeit muss deshalb zwingend in Relation zur Begehungshäufigkeit der Wintersportler gesetzt werden. Arbeiten, die nur Lawinenabgänge zählen, weisen immer einen systematischen Fehler auf. Skitourenguru hat deshalb mit Hilfe von modernen statistischen Methoden aus ca. 1600 Lawinenunfällen und 48‘000 km GPS-Tracks eine neue probabilistische Methode, die Quantitative Reduktionsmethode (QRM) abgeleitet (Schmudlach et al., 20186 und Schmudlach, 20197).

Skitourenguru unterstützt ein konservatives Verhalten das – bei einem geringen Preis in Form von gezieltem Verzicht – zu einer Vermeidung von bis zu 80 % der Lawinenunfälle führen kann. Es ist deshalb folgerichtig, wenn das Projekt durch die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) und die Petzl Foundation unterstützt, vom Schweizer Alpenclub (SAC) empfohlen sowie im Schweizer Faltblatt „Achtung Lawine“ erwähnt wird.

Zusätzlich erleichtern markierte Schlüsselstellen die Risikobeurteilung in der Outdoor-Phase. Skitourenguru ist jedoch nicht in der Lage jene Informationen zu verarbeiten, die typischerweise erst in der Outdoor-Phase anfallen (z.B. lokale Schnee- und Lawinenverhältnisse im Einzelhang). Skitourenguru sollte deshalb, wie jede andere „von Hand“ erfolgte Tourenplanung auch, nicht das einzige Kriterium zur Begehung eines Einzelhanges sein. Damit stellt sich ein Kommunikationsproblem: Dem hohen Nutzen in der Indoor-Phase stehen klare Grenzen in der Outdoor-Phase gegenüber. Diesen Sachverhalt dem Publikum verständlich zu machen, ist eine der grossen Herausforderungen in der Lawinenunfallprävention generell.

Skitourenguru morgen – ein neues Modell

Das Herzstück von Skitourenguru, die Quantitative Reduktionsmethode (QRM), basiert auf zwei Eigenschaften:

Diese beiden Werte (TI und DI) wurden für jeden bekannten Lawinenunfall und für jeden einzelnen Punkt einer grossen Menge GPS-Tracks von Skitouren berechnet. Wenn man nun das Wissen über die Unfälle in Bezug setzt zum Wissen über die Begehungen, kann man daraus die QRM ableiten (Abb. 3). Die QRM zeigt bei gegebener Gefahrenstufe und gegebenem Gelände das relative Risiko, eine Lawine auszulösen.

Die Methode zur Berechnung der QRM kann in Zukunft noch erweitert werden. Zunächst definieren wir eine Reihe von Eigenschaften für jeden einzelnen Geländepunkt, bspw: Neigung, Höhe, Kammnähe, Geländekurvatur, Terrain-Indicator (TI), Walddichte, Distanz zur nächsten SAC-Route, Absturzgefährdung usw. Bei den Verhältnissen werden alle nur erdenklichen Daten aus dem aktuellen Lawinenlagebericht verwendet, bspw: Gefahrenstufe, Höhenunterschied zur kritischen Höhe, innerhalb/ausserhalb kritischer Expositionen, Lawinenproblem, Danger-Indicator (DI) usw. So experimentiert Skitourenguru mittlerweile mit über 40 Eigenschaften8.

Mit diesen Daten füllen wir eine riesige Tabelle. Jeder Geländepunkt erhält eine Zeile, auf der alle seine Eigenschaften stehen. In der letzten Kolonne tragen wir ein, ob es sich um einen Unfallpunkt oder einen Nicht-Unfallpunkt handelt. Dabei stammen die Unfallpunkte aus der Unfalldatenbank des SLF, die Nicht-Unfallpunkte stammen von den GPS-Tracks. Wir haben so einen sogenannten Trainingsdatensatz erzeugt (Abb. 4).

Mit Hilfe von modernen statistischen Methoden können wir im letzten Schritt aus dem Trainingsdatensatz ein Modell ableiten. Das Modell gibt an, welche Geländeeigenschaften und welche Faktoren aus dem Lawinenlagebericht das Lawinenrisiko wie stark beeinflussen. Neu ist dabei, dass wir nicht jede Einflussgrösse einzeln betrachten, sondern alle miteinander. Schlussendlich enthält das Modell in konzentrierter Form die Erfahrungen, die im Trainingsdatensatz enthalten sind und liefert uns die bestmögliche Berechnung des Risikos.

Ein Algorithmus kommt selten allein

Algorithmen können nicht nur Risiken berechnen, sondern Wintersportler in vielerlei Hinsicht unterstützen. Die folgenden Features sind in Entwicklung oder bereits online:

Der grosse Traum

Lawinenvorhersage bedarf Informationen zur vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Schneedecke. Die Lageberichte werden auch heute noch weitgehend manuell erstellt. D.h. Lawinenexperten sammeln, sichten und bewerten in Kopfarbeit eine Fülle von Informationen unterschiedlicher Provenienz. Dieses Vorgehen bringt es mit sich, dass derselbe Input nicht gezwungenermassen zu demselben Output führt (Lazar et al., 201612). Seit einer guten Dekade arbeitet die Lawinenforschung deshalb intensiv an der Vision einer vollautomatischen Modellkette. Am Eingang stehen Wetterdaten, am Ausgang steht eine hochaufgelöste, dynamische Schneedeckenstabilitätskarte. Konkret handelt es sich dabei um verschiedene sequenziell kombinierte Modelle (Abb. 7).

Abb. 6 Automatisch generierte Skitourenkarte von A. Eisenhut (Basiskarte: © Swisstopo).

Aus der Modellkette könnte eine Schneedeckenstabilitätskarte abgeleitet werden. Diese bezieht sich auf die Vergangenheit (nowcast) oder auf die Zukunft (forecast). Sie könnte entweder den Lawinenwarnern als Vorprodukt zum Lawinenlagebericht dienen oder direkt in einen Algorithmus wie Skitourenguru eingespeist werden.

Mit einer solchen Modellkette werden Informationen verarbeitet, die bis anhin erst in der Outdoor-Phase zur Verfügung stehen. Es stellen sich jedoch ein paar schwerwiegende Probleme:

Morin et al. (2019) gibt einen Überblick zum Stand der aktuellen Entwicklung. Zurzeit befinden sich die Modellketten immer noch in einem Experimentierstadium. Richter et al. (2019)19 fasst den Stand der Wissenschaft folgendermassen zusammen: „Offensichtlich ist das komplexe Problem der automatischen Identifizierung von Schwachschichten und der Bewertung der Schneestabilität in simulierten Schneeprofilen noch nicht gelöst.“ Morin et al. (2019) ist ebenfalls zurückhaltend: „Die Möglichkeit, automatisch Lawinenwarnhinweise zu erstellen, bleibt eine langfristige, möglicherweise schwer fassbare Herausforderung.“ Dem entsprechend spielen bis zum heutigen Tage die Modellketten in der täglichen Arbeit der Lawinenwarner keine oder eine marginale Rolle (Morin et al., 2019)20.

Neben den vielen Herausforderungen verbunden mit der Repräsentation der physikalischen Phänomene ist unserer Meinung nach die konsistente Berücksichtigung von Unsicherheiten hierbei von herausgehobener Wichtigkeit. Dies entspräche einem Brückenschlag zwischen physikalischen und empirisch-statistischen (probabilistischen) Methoden.

Die Zukunft liegt in jedem Fall in einer weiteren Standardisierung und Automatisierung des Prozesses zur Erzeugung des täglichen Lawinenlageberichtes. Deshalb ist es sinnvoll die Entwicklung der Modellkette mit Elan weiterzuverfolgen. Die Zukunft wird kommen, irgendwann.

Fazit

Algorithmen helfen, in der Lawinen-Risikobeurteilung komplexe und umfangreiche Daten-Zusammenhänge zu verarbeiten und für die Entscheidungshilfe zur Verfügung zu stellen.

Für die Indoor-Phase stehen bereits heute brauchbare Entscheidungsmodelle zur Verfügung, sie werden aber selten angewandt. Algorithmen sind in der Lage, diese Entscheidungsmodelle zu verfeinern und auf eine solide Grundlage zu stellen. Die automatische Bewertung von Skitouren macht sie aber vor allem einem grossen Publikum zugänglich. Daraus ergibt sich ein grosses Potential für die Lawinenunfallprävention. Herausforderungen stellen sich weniger in den Tools selbst, als hinsichtlich der Kommunizierbarkeit ihres Nutzens und ihrer Grenzen. Denn so gut die Tools auch sind, sie sind immer nur der erste Schritt des Risikomanagements und ersetzen nicht die Beurteilung vor Ort.

Eine Skitour erfordert eine Sequenz von Entscheidungen, die unter großen Unsicherheiten getroffen werden müssen. Informationen können die Unsicherheiten reduzieren. Hierzu müssen die Informationen nicht nur aussagekräftig, sondern auch verfügbar sein. Der Lawinenlagebericht enthält aussagekräftige Informationen zu den Schnee- und Lawinenverhältnissen und kann somit die Unsicherheiten in der Planungsphase reduzieren. Obwohl die Informationen aus dem Lawinenlagebericht generalisiert (grossflächig gemittelt) und zudem fehlerbehaftet sind, nutzen sie zur Reduktion der Unsicherheit im Einzelhang. Der gleiche Hang ist tendenziell gefährlicher mit steigender Gefahrenstufe. Dieser Zusammenhang wird unter Fachleuten oft kontrovers diskutiert. So lange aber nachgewiesen werden kann, dass die Gefahrenstufe und die Kernzone ein guter Einflussfaktor für das Lawinenrisiko darstellen, muss ein rationaler Wintersportler zwingend den Lagebericht (und insbesondere die Gefahrenstufe und die Kernzone) in seine Risikoabschätzung miteinbeziehen.

Dies gilt auch für den Einzelhang. Nicht ohne Grund sind die Gefahrenstufe und die Kernzone ganz oben in der Informationspyramide21 angesiedelt. Russel & Norvig (2016)22 schreiben in ihrem Standardwerk zur „Künstlichen Intelligenz“: „Bei der Entscheidungsfindung muss sich ein Agent auf alle Informationen stützen, die er beobachtet hat“. Sollte sich herausstellen, dass die Gefahrenstufe keinen guten Einflussfaktor für das Lawinenrisiko darstellt, dann gehört sie auf den Müllhaufen der Geschichte. Auf jeden Fall können wir Wintersportler eine Gefahrenstufe, die wir nicht auf den Einzelhang projizieren dürfen, nicht gebrauchen. Schliesslich finden unsere Skitouren im Einzelhang und nicht in einer abstrakten Warnregion statt.

In der Outdoor-Phase brauche es nach Lehrmeinung viel „Erfahrung und Intuition“. Das ist eine nette Beschreibung des herrschenden Wildwuchses. Die gelehrten Methoden zeichnen sich v.a. durch ihre Subjektivität, fehlende Reproduzierbarkeit und mangelhafte Grundlage aus. Die Lawinenkunde ist weit von einem gemeinsamen Verständnis entfernt, wie man im Gelände zu einem robusten Go/NoGo-Entscheid kommt. Es kommt hinzu, dass es eine grosse Diskrepanz gibt zwischen dem, was gelehrt, und dem, was in der Realität effektiv angewandt wird. Diese Distanz betrifft längst nicht nur Einsteiger und Fortgeschrittene, sondern ebenso Experten. Entsprechend beliebig fallen die Entscheide im Einzelhang aus. Dass das oft gut geht, hängt in erster Linie damit zusammen, dass Lawinenunfälle sehr seltene Ereignisse sind. Eine grundlegende Verbesserung der Situation ist derzeit leider nicht in Sicht.

Im Zusammenhang mit dem Entscheid im Einzelhang wird gerne auf das Potential der „erfahrungsbasierten Intuition“ verwiesen. Ohne eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Begriff ist der Verweis wenig hilfreich. Daniel Kahneman23 (immerhin ein Nobelpreisträger) hat zwei Kriterien benannt, die gegeben sein müssen, damit der Homo-Sapiens „ erfahrungsbasierte Intuition“ aufbauen kann: Erstens eine Umgebung, die hinreichend regelmässig ist, um vorhersagbar zu sein. Zweitens eine Gelegenheit, diese Regelmässigkeit durch langjährige Übung zu erlernen. Beide Kriterien sind bei der Lawinen-Risikobeurteilung nur mangelhaft erfüllt.

Der Einsatz von Algorithmen bleibt damit vorderhand auf die Indoor-Phase beschränkt. Den einen mag dies betrüben, den anderen wird’s freuen. Die Chancen, dass die alpine Winterlandschaft ein Refugium bleibt, in dem eigenverantwortlichem Handeln ein hoher Stellenwert zukommt, stehen gut.

Quellen:

1 Harvey, S., Rhyner, H., Schweizer, J., 2012. Lawinenkunde. Praxiswissen für Einsteiger und Profis zu Gefahren, Risiken und Strategien.
2 Engler, M., 2001: Die weisse Gefahr: Schnee und Lawinen. Erfahrungen – Mechanismen – Risikomanagement, Sulzberg, Verlag Martin Engler.
3 Larcher, M., 1999: Stop or Go: Entscheidungsstrategie für Tourengeher. Berg&Steigen, pp. 18–23.
4 Landrø, M., Hetland, A., Verpe Engeset, R., Pfuhl, G, 2020: Avalanche decision-making frameworks: Factors and methods used by experts, Cold Regions Science and Technology.
5 Landrø, M., R., Pfuhl, Verpe Engeset, G, Jackson, M., Hetland, A., 2019: Avalanche decision-making frameworks: Classification and description of underlying factors, Cold Regions Science and Technology.
6 Schmudlach, G., Winkler, K., Köhler, J., 2018: Quantitative Risk Reduction Method (QRM), a data-driven avalanche risk estimator, ISSW, Innsbruck.
7 Schmudlach, G., 2019: Quantitative Reduktionsmethode (QRM) – Eine datenbasierte Methode zur Berechnung des Lawinenrisikos für Wintersportler, BergUndSteigen 1/2019 (Nr. 106)
8 Liste potentieller Prädiktoren für das Lawinenrisiko: https://www.skitourenguru.ch/download/data/ARPD.xls
9 Beispielhafte Risikokarten der Schweiz: https://www.skitourenguru.ch/index.php/services/172-riskmap
10 Bachmann, A., 2020: Der Computer als Skitourenautor – Automatisch generierte Skitourenkarte, Die Alpen 2/2020.
11 Link zur vollautomatisch generierten Skitour der Schweiz: https://www.skitourenguru.ch/index.php/services/208-services-corridors
12 Lazar, B., Trautman, S., Cooperstein, M., Greene, E., Birkeland, K., 2016: North American Avalanche Danger Scale: do backcountry forecasters apply it consistently? ISSW, Breckenridge.
13 https://www.slf.ch/de/services-und-produkte/snowpack.html
14 https://www.umr-cnrm.fr/spip.php?article555&lang=fr
15 Richter, Van Herwijnen, A., B., Rotach, M.W., Schweizer, J., 2020: Sensitivity of modeled snow stability data to meteorological input uncertainty, Natural Hazards and Earth System Sciences.
16 Nitu, R., und viele mehr, 2018: WMO Solid Precipitation Intercomparison Experiment (SPICE) (2012–2015), Instruments and Observing Methods Report No. 131. Tech. Rep., World Meteorological Organization, Geneva.
17 Monti, F., Schweizer, J., Fierz, C., 2014. Hardness estimation and weak layer detection in simulated snow stratigraphy. CRST.
18 Morin, S., …, 2019: Application of physical snowpack models in support of operational avalanche hazard forecasting: A status report on current implementationsand prospects for the future, CRST.
19 Richter, B., Schweizer, J., Rotach, M.W., Van Herwijnen, A., 2019: Validating modeled critical crack length for crack propagation in the snow cover model SNOWPACK, The cryrosphere.
20 Morin, S., und viele mehr, 2019: Application of physical snowpack models in support of operational avalanche hazard forecasting
21 https://www.avalanches.org/standards/information-pyramid/
22 Russel, S., Norvig, P., 2016: Artificial Intelligence. Pearson, Harlow, pp. 485.
23 Kahneman, D., 2012: Schnelles Denken, Langsames Denken.