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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Beinahe schiefgegangen: Das Unfallpotenzial beim Bergwandern

Von Michaela Brugger, Julia Janotte, Ragna Krückels, Martin Schwiersch, Bernhard Streicher und Stefan Winter (Forschungsgruppe Bergwandern der DAV-Sicherheitsforschung)

Bergwandern: Definition, Risiko und Präventionsbedarf

Bergwandern wird in der DAV-Bergunfallstatistik als das Begehen von markierten Wegen und Steigen (auch mit kurzen, leichten drahtseilgesicherten Passagen) bis zum Schwierigkeitsgrad T5 sowie Klettersteigpassagen im Schwierigkeitsgrad A (DAV Bergunfallstatistik 2018/2019, S. 12) definiert. Damit beinhaltet es die gesamte Bandbreite des (sommerlichen) Bergsteigens außerhalb des Kletterns, des Klettersteiggehens und der Hochtouren.

Abb. 1: Risikobewertung Bergwandern.Quelle: DAV-Bergunfallstatistik 2018/19, S. 27

Auch wenn Bergwandernde durchaus anspruchsvolles Berggelände begehen, schneidet das Bergwandern bei einer Risikobewertung gut ab: Bezieht man die Unfallmeldungen, die in die DAV- Bergunfallstatistik eingehen, auf eine Hochrechnung der Tourentage pro DAV-Mitglied (gemäß einer Mitgliederbefragung 2017), so werden pro 100 Tourentage ca. 0,0025 Betroffene der Versicherung gemeldet. In diese Zahl gehen sowohl Unfälle als auch Notlagen ohne Verletzungen, bei denen aber eine Bergrettung erfolgte, ein (Abb. 1).

Trotz geringem Risiko stellen bergwanderbezogene Unfälle knapp ein Drittel aller Meldungen

Auch ein geringes Risiko kann zu hohen absoluten Häufigkeiten von Unfällen und Notlagen führen, wenn es genügend Bergwandernde gibt, was der Fall ist. Bergwanderbezogene Unfälle und Notlagen stellen knapp ein Drittel und damit den größten Anteil aller Meldungen (DAV-Bergunfallstatistik, S. 26) dar.

Gemeldete Unfälle und Notlagen bilden nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.DAV-Sicherheitsforschung


Gemeldete Unfälle und Notlagen bilden allerdings nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Medienwirksam sind solche Fälle, wo Menschen im Gebirge die Bergrettung anfordern, um sich aus einer Notlage befreien zu lassen, die sie mit ihren Mitteln selbst zu einem guten Ende hätten bringen können. Nicht bekannt werden dagegen die Bedrängnisse und Notlagen, in denen sich Bergwandernde selbst oder wechselseitig geholfen haben oder die schlicht gerade noch mal gut gegangen sind. Dieser verborgene Teil des Eisbergs stellt das eigentliche Unfallpotenzial dar.

Dem Unfallgeschehen voraus sein

Die DAV-Sicherheitsforschung möchte mit ihrem Projekt „Schief – gegangen“ diese Lücke schließen. Die Idee ist: Wenn das Unfallpotenzial beim Bergwandern nach Art und Häufigkeit besser verstanden wird, dann verfügt man über bessere „Marker“, um Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. Unfallmeldungen oder Unfallanalysen – so notwendig diese sind – allein reichen nicht aus, denn das Ziel ist es, dem Unfallgeschehen voraus zu sein – also nicht erst darauf zu warten, bis sich Unfälle und Notlagen ereignen.

Tabelle 1: Erfragte Bedrängnissituationen

Das Projekt „Schiefgegangen“: Fragestellungen und Methodik

Drei Fragestellungen lagen der Studie zugrunde:

Lässt sich die Auftretungshäufigkeit abschätzen?

Methodisch zielte die Studie darauf ab, die Prävalenz (Auftretenshäufigkeit) von Bedrängnissituationen beim Bergwandern abzuschätzen. Für die Befragung wurde ein Zeitfenster der letzten 10 Jahre gewählt. Zur Erstellung der Umfrage sammelte und formulierte das Projektteam möglichst vollständig unfall- bzw. notfallträchtige Vorkommnisse beim Bergwandern und orientierte sich dabei an alpinkundlichen Fachpublikationen und Lehrplänen, integrierte Erfahrungen von Fachpersonen (Berg- und Bergwanderführer*innen, Alpinausbilder*innen, Bergrettungsärzt*innen) und sichtete Fragebogenentwicklungen der Bergwanderstudie 2020 der bfu, Schweiz (Flavia et al., 2020).


Es ergaben sich 59 Bedrängnissituationen (Tabelle 1). Jede Bedrängnis wurde konkret beschrieben und mit einer standardisierten Frage eingeleitet. Die Aspekte Überraschung, Gefahr und Handlungsfähigkeit wurden vor Beginn der Befragung mit Beispielen beschrieben (Abb. 2) und für den Fall, dass eine Bedrängnissituation mindestens einmal aufgetreten war, erfragt (Abb. 3). Neben den Bedrängnissen wurden soziodemographische und gruppenspezifische Merkmale erhoben. Die Studie wurde als Onlineerhebung von Mai bis Juni 2021 durchgeführt und über diverse Online-Portale beworben (sämtliche deutschsprachige Alpenvereins-Medien, Online-Magazine und eine Online-Kampagne im Webportal des Münchner Merkurs). Den gesamten Fragebogen füllten N = 1235 Personen vollständig aus.

Abb. 2: Beschreibung der Aspekte Überraschung, Gefahr und Handlungsfähigkeit

Zuerst wurde nach der Häufigkeit des erlebten Ereignisses gefragt (Teil 1)

Personenmerkmale der Bergwander*innen:
erfahren und seit 20 Jahren in den Bergen unterwegs

Die Studienteilnehmer*innen können überwiegend als erfahrene Bergwander*innen angesehen werden, die auch längere Wanderungen durchführten (Näheres Tabelle 2). Fast 70 % der Teilnehmer*innen waren zwischen 30 und 60 Jahren alt. Das Durchschnittsalter war mit 44 Jahren etwas niedriger als in der bfu-Studie (Flavia et al., 2020) und deckte sich mit den Zahlen der Wandertourismusstudie Tirol (Ortner et al., 2020). 57 % der Befragten gaben einen Universitätsabschluss als höchsten Bildungsgrad an. 69 % waren Mitglied des Deutschen Alpenvereins, 13 % Mitglied im OEAV, AVS oder SAC.

Tabelle 2: Relative Häufigkeiten zu Merkmalen der Studienteilnehmer*innenAnmerkung: Es wurden alle Personen berücksichtigt, die die jeweilige Frage beantworteten, daher unterscheiden sich die Stichprobengrößen. Die Summe der Prozentwerte bei Tage Bergwandern/Jahr ergibt 101%, dies ist der kaufmännischen Rundung der Einzelwerte geschuldet.

Ergebnisse: die häufigsten Bedrängnisse

Im Durchschnitt erlebten die Befragten 13 (SD = 8.88) der 59 Bedrängnisse am Berg einmal bis öfter. Das Bedrängnis mit der häufigsten absoluten Nennung war, sich an einer Wegpassage unwohl oder unsicher zu fühlen; eng gefolgt davon, schon einmal ausgerutscht oder an einer Stelle gestolpert zu sein. Die überwiegende Mehrheit (77 % bzw. 82 %; siehe Abb. 4) der Befragten gab an, diese Bedrängnisse erlebt zu haben. Und dies nicht nur einmal: 35 % der Befragten gaben an, sich zwei- bis dreimal unwohl gefühlt zu haben, weitere 22 % bejahten ein noch öfteres Auftreten. Bzgl. Rutschen und Stolpern zeigte sich ein ähnliches Bild bei der Häufigkeit des Auftretens (2- bis 3-mal: 30 %, öfter: 33 %).

Abb. 4: Rangreihe der häufigsten BedrängnisseAnmerkung: Die Rangreihe wurde nach der Anzahl der absoluten Nennungen (mindestens einmal bis öfter) gebildet. Die Prozentzahl bezieht sich auf die Anzahl der Beantwortungen des Items. Beispiel für „Weg unwohl fühlen“: N = 1676 beantworteten die Frage; N = 1292 gaben an, dieses Bedrängnis mindestens einmal erlebt zu haben. Das ergibt 77%.

Bedrängnisse aus dem Bereich der Tourenplanung (siehe Tabelle 1) waren unter den 10 häufigsten Bedrängnissen mehrfach vertreten: schlechtere Wegverhältnisse, Tourenabbruch, erhöhter Zeitbedarf oder eine Tour, die schwieriger war, als erwartet. Auch Orientierungsschwierigkeiten wurden häufig berichtet. Ebenso berichteten mehr als die Hälfte der Befragten (57 %), dass sie in den letzten 10 Jahren ein Gewitter in der Nähe erlebt haben. Auch hier zeigte sich, dass diese Bedrängnis von vielen Bergwander*innen nicht nur einmal erlebt wurde.

Stolpern, Umknicken oder Ausrutschen für knapp die Hälfte der Unfälle verantwortlich

Das Ausmaß, in dem Bedrängnisse aus dem Bereich Trittsicherheit und souveränes Gehen auftraten, überrascht. Gleichwohl spiegelt sich dies auch klar in den Unfallursachen gemäß der Unfallmeldungen, die in die DAV-Bergunfallstatistik eingehen: Stolpern, Umknicken oder Ausrutschen sind für 46 % der Unfälle verantwortlich. Müssen wir daher annehmen, dass Unwohlgefühl bzw. Stolpern oder Ausrutschen „normal“ sind im Gebirge (zumindest einmal in 10 Jahren) oder eine zu verbessernde Fähigkeit? Immerhin muss ein Ausrutschen oder ein Stolpern im Absturzgelände abgefangen werden, um nicht zum Unfall zu führen.

Abb. 5: Rangreihe der Bedrängnisse nach der erlebten Gefahr (absolute Häufigkeit: Blau – relative Häufigkeit: Orange)Lesebeispiel: 267 Personen erlebten die Situation, sich direkt in einem Gewitter zu befinden, als ziemlich oder sehr gefährlich (absolute Häufigkeiten), das sind 51% derjenigen, die diese Bedrängnis in den letzten 10 Jahren mindestens einmal erlebten (relative Häufigkeiten).

Diese Ergebnisse bestätigen, dass souveränes Gehen und Trittsicherheit das A und O beim Bergwandern sind und daher persönliches Entwicklungsziel der Bergwandernden sein sollte. Ebenso sollte eine gute Tourenplanung und die Aneignung von Orientierungskompetenzen die möglichen Gefährdungen beim Bergwandern reduzieren. Angesichts der Tatsache, dass Gewitter von den Wetterberichten zuverlässig vorhergesagt werden bzw. die Voranzeichen in der Regel gut erkennbar sind, gibt es zu denken, wie häufig diese Gefahr erlebt wurde. Der Abruf aktueller, regionaler Wettervorhersagen und eine Wetterbeobachtung auf Tour können diese Gefahr ebenfalls deutlich reduzieren.

Um die Relevanz einer Bedrängnissituation zu bewerten, reicht deren Häufigkeit allein nicht aus. Es kann nämlich sein, dass sich eine Person an einer Wegpassage unwohl fühlt, sich aber dennoch als handlungsfähig erlebt. Dies müsste dann als tolerable Grenzerfahrung gewertet werden. Daher werden nun die Aspekte Gefahr, Überraschung und Handlungsfähigkeit betrachtet.

Erlebte Gefährlichkeit der Bedrängnisse

Im Folgenden die drei am gefährlichsten erlebten Bedrängnisse (Abb 5):

Grad der Überraschung der Bedrängnisse

Im Folgenden diejenigen Bedrängnisse, die innerhalb der 10 überraschendsten Bedrängnisse häufiger vorkommen (Abb. 6):

Abb. 6: Bedrängnisse nach dem Grad der Überraschung (absolute Häufigkeit: Blau – relative Häufigkeit: Orange)Lesebeispiel: 183 Personen erlebten das Versagen ihrer Ausrüstung als ziemlich oder völlig überraschend, das sind 79% derjenigen, die Ausrüstungsversagen überhaupt erlebten.

Erlebte Handlungsfähigkeit bei den Bedrängnissen

Im Unterschied zu den Aspekten Überraschung und Gefahr sahen die Befragten sich in den Bedrängnissituationen meist noch als handlungsfähig an (Abb. 7). Die relativ deutlichste Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit wurde seitens der Betroffenen bei Panikzuständen erlebt. Doch auch hier geben nur 33 % an, kaum oder nicht handlungsfähig gewesen zu sein.

Abb. 7: Rangreihe der Bedrängnisse nach dem Grad der Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit (absolute Häufigkeit: Blau – relative Häufigkeit: Orange)

Zusammenfassung: Die problematischsten Bedrängnisse

Präventionsansätze sollten sich auf die – im Hinblick auf mögliche Unfälle – problematischsten Bedrängnisse konzentrieren. Um diese zu identifizieren, wurde nach folgender Priorisierung vorgegangen: Gefährlichkeit ist der wesentlichste Aspekt, gefolgt von Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit. Bedrängnisse, die häufig auftreten, sollten auch dann präventiv berücksichtigt werden, wenn sie weniger gefährlich sind. Auf die letzte Priorisierungsebene wurde der Grad der Überraschung gesetzt.

Nach diesem Vorgehen wurden aus den 59 Bedrängnissen 18 vor allem problematische Bedrängnisse herausdestilliert, die in Tabelle 3 wiedergegeben sind. Diese bilden nicht mehr eine Rangreihe und sind daher alphabetisch gelistet.

Tabelle 3: Übersicht der 18 problematischen Bedrängnisse

Folgende Bereiche sollten bei Präventionsmaßnahmen besondere Aufmerksamkeit erhalten:

Stereotypen in dem Sinne: „Bestimmte Bergwander* innen geraten typischerweise in bestimmte Bedrängnisse“ konnten keine gefunden werden.

Wir alle tragen Stereotypen in uns. Jeder und jede wird eine Annahme darüber haben, ob gesundheitliche Schwierigkeiten eher den älteren Bergwanderer auf anspruchsvoller Tour oder den 20-jährigen Hotspotsucher heimsuchen, oder auch Annahmen darüber, wer von den beiden sich eher verlaufen wird.

Abb. 8: Informationsquellen, die Bergwandernde zu Planung nutzen

Um mögliche Personencluster und Unterschiede zwischen Gruppen in Bezug auf Bedrängniserfahrungen aufzudecken, wurden drei unterschiedliche statistische Verfahren gewählt (Unterschieds- und Zusammenhangsanalysen sowie ein exploratives-clusteranalytisches Vorgehen mit jeweils personenbezogenen Merkmalen). Insgesamt konnten keine überzeugenden Cluster gefunden werden. Wenn Personengruppen sich in der Realität klar voneinander abgrenzen würden, hätte sich dies angesichts der Stichprobengröße auch in den Daten zeigen müssen. Wir schließen daraus, dass – auch wenn Stereotypen im Einzelfall immer wieder auch bestätigt werden – wir uns als Fachpersonen darüber bewusst sein müssen, dass Vorstellungen wie „typisches Instagram-Haserl“ oder „alternder Bergsteiger, der nicht nachlassen kann“ Einzelpersonen beschreiben können, jedoch nicht zu Verallgemeinerungen taugen und damit unseren Blick auf „den oder die Bergwandernde/n“ nicht prägen sollten.

Fazit und Entwicklungsperspektive

Die komplexe Situation am Berg und der Faktor Mensch lassen sich nicht mit einfachen Stereotypen beschreiben. Die Studie zeigt, dass Bergwander*innen vor allem in den Bereichen Trittsicherheit – souveränes Gehen, Tourenplanung und Orientierung Bedrängnissituationen erleben, diese jedoch meist nicht als sehr gefährlich einschätzen. Jedoch führen genau diese Bedrängnisse zu Unfällen, wie die Bergunfallstatistik zeigt. Auch werden Gewittererfahrungen oft als nicht so gefährlich eingeschätzt, wie sie eigentlich sind.

Was bedeutet das für die Prävention von Unfällen?

Bei der Planung von Präventionsansätzen muss gelten, dass im Gebirge nicht immer alles glattgeht. Es wird eine Basisrate von Bedrängnissen geben, die auch den umsichtigsten und souveränsten Bergwandernden passieren. Präventionsmaßnahmen sind gleichwohl nie überflüssig, da Umsichtigkeit und Souveränität ja erworben werden müssen.

Dabei muss weiter zugestanden werden, dass Menschen in der nachträglichen Reflexion von Bedrängnissen dazu neigen, den Grad der Gefahr der Situation etwas abzuschwächen. Dies geschieht vermutlich, um ihr allgemeinmenschliches Bedürfnis zu befriedigen, Situationen unter Kontrolle zu haben, und auch, um sich grundsätzlich als jemand sehen zu können, der richtige Entscheidungen treffen kann.


Eine Bedrängnis kann daher vor allem dann uneingeschränkt reflektiert werden, wenn Betroffene feststellen, dass er oder sie damit nicht allein ist. Ideal geschieht das im Gespräch mit Menschen, die Ähnliches erlebt haben und in einer Atmosphäre der vertrauensvollen Selbstöffnung. Dann kann ein Bedrängnis eine persönliche Entwicklung anstoßen. Glücklich, wer ein solches Umfeld hat.

Diese Verortung des eigenen Erlebens im Erleben von anderen nimmt das DAV-Ressort Sportentwicklung als Ansatzpunkt für die Entwicklung eines strukturierten webbasierten Präventionsportals. Nutzer*innen dieses Portals werden zukünftig Rückmeldungen bekommen, wo im Vergleich zu anderen sie mit ihren Erfahrungen stehen, und sie erhalten zu ihren Bedrängniserfahrungen konkrete Erläuterungen. Damit sollen Bergwander*innen unterstützt werden, aus dem Erlebten die richtigen Konsequenzen zu ziehen und sie erhalten Vorschläge für persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Ziel des zukünftigen Online-Tools ist es, Bergwander*innen zu helfen, sich gut einschätzen zu können, alpines Wissen und damit Umsicht aufzubauen und sich souverän im Gebirge zu bewegen.

Literatur