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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?

Geschichte der Lawinenkunde

Schon seit es Lawinenkunde gibt, gab es in Deutschland (und nicht nur dort) unterschiedliche Ansichten und Strömungen um die richtige Methode zur Beurteilung der Lawinengefahr. Verschiedenste Hilfsmittel und Denkansätze wie zum Beispiel die Verknüpfung von Norwegertest und Schneedeckenanalyse von Walter Kellermann wurden propagiert. Viele der jüngeren Leser werden solche Methoden gar nicht mehr kennen. Neuere Strömungen Anfang der Neunzigerjahre zur analytischen Beurteilung der Schneedecke entwickelte Martin Engler als einer der innovativen Vordenker mit seinem Faktorencheck mit klaren Anweisungen zur strategischen Verknüpfung der lawinenbildenden Faktoren.

Heute sind daraus die Tiroler Muster oder Lawinenprobleme entstanden, die nach einer sehr ähnlichen Logik einzeln betrachtet werden (sollten) und erst anschließend zu einer Entscheidung verknüpft werden (sollten). Schließlich trat Anfang der Neunziger des letzten Jahrhunderts Werner Munter auf den Plan (Professionelle Reduktionsmethode 1992). Ihm ist der unzweifelhafte Verdienst zuzuordnen, dass er mit einer vollkommen neuen Denkweise frischen Wind in die Sichtweise auf die Gefahr bzw. das Risiko der Auslösung von Lawinen brachte.

Vor allem seine Reduktionsmethode zur statistischen Abschätzung des Lawinenrisikos war eine geradezu revolutionäre und neue Art, mit diesem komplexen und mit hohen Unsicherheiten belegten Thema umzugehen. Wie es so seine Art, ist und war, ließ er jedoch neben seiner Art die Dinge zu durchdringen, keine anderen Betrachtungen zu. In der Folge kam es in vielen Ländern zu immerwährenden Diskussionen zwischen verschiedenen Lagern, in denen es ähnlich wie bei Religionskriegen nur ein Richtig oder Falsch gab.

Das Schweizer Merkblatt „Achtung Lawinen!“ im Wandel der Zeit. 1995 wurde es erstmals herausgebracht.

Diesen „Krieg“ fochten im Wesentlichen zwei Lager aus: Die „Munter- Jünger“ verteufelten fortan lautstark und streng gläubig jegliche Art von analytischer Betrachtung der Schneedecke, während die „Traditionalisten“ die Auffassung vertraten, dass es der komplexen Materie einfach nicht gerecht würde, wenn man mit Statistik und Formeln dieses Spannungsfeld zu lösen versuchte.

Ein drittes Lager hingegen versuchte aufgeklärt die beiden Hilfsmittel Analytik und Statistik innerhalb einer Strategie zu verknüpfen. Dabei wurde die Reduktionsmethode in unterschiedlichen Ausprägungen weiterentwickelt, z. B. von Jan Mersch und Martin Engler mit der SnowCard, die wiederum in der Schweiz zur grafischen Reduktionsmethode „vereinfacht“ wurde.

Sie verteufelten das Neue nicht, warfen aber auch bekanntes Wissen nicht über Bord. Auch in Österreich entstand mit Stop or Go ein vergleichbares Risikomanagement-Tool. Alle diese Protagonisten versuchten, das Beste herauszuziehen und in verschiedenen Varianten gute und treffsichere Strategien zu erarbeiten. In der deutschen Bergführerausbildung einigte man sich vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Strömungen darauf, wertfrei beide Strategien (Reduktionsmethode und SnowCard) zu lehren und es den Auszubildenden zu überlassen, sich eine eigene Meinung zu bilden, was sie fortan bevorzugen möchten.

Grundlage dieser Ausbildungsrichtung war die Haltung, dass es weniger wichtig ist, was man anwendet, als dass man überhaupt etwas anwendet und vor allem sinnvoll verknüpft. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das dann immer mehr dahin, dass man in der Tourenplanung probabilistisch und am Einzelhang analytisch vorging.

Im Deutschen Alpenverein gab es dagegen eine klare Handlungsempfehlung zu einer Strategie mit SnowCard und Analytik im Rahmen von Munters 3×3 auch am Einzelhang. Dieses strategische Risikomanagement wurde in vielen Nuancen bis heute geschärft und weiterentwickelt. In Österreich setzte sich beim ÖAV Stop or Go durch und in der Schweiz gilt schon über Jahre hinweg die grafische Reduktionsmethode als favorisierte Herangehensweise.

Neu im deutschen Faltblatt ist der Hinweis auf das probabilistische Instrument Skitourenguru, welches vom Schweizer IT-Spezialisten Günter Schmudlach entwickelt wurde. Mit dem auf einem Algorithmus basierenden Onlinetool wurde ein neues Kapitel in Tourenplanung und Risikomanagement aufgeschlagen.

Unbestrittener Verdienst Werner Munters ist es dabei, dass sich alpenweit in allen Ländern die von ihm formulierte 3×3-Formel etabliert hat und Bestandteil aller Ausbildungen geworden ist. Wobei der im 3×3 auch von ihm formulierte Faktor Mensch leider oft untergeht, sprich die Frage, wie konsequent der Durchschnittsanwender im Durcharbeiten aller 3×3-Ebenen ist. Aber diese Fehlerquelle kann wohl bei allen strategischen Konzepten zuschlagen und wäre einen eigenen Artikel wert.

Vorläufer

Das in der Schweiz ansässige SLF war es dann, welches mit seinem Faltblatt „ACHTUNG LAWINEN!“ erstmalig 1995 ein Merkblatt zur Lawinenbeurteilung herausgab. 2009 wurde dann unter Mitwirkung aller alpinausbildenden Verbände und auch anderer mit dem Winter befassten Institutionen (SLF, Schweizer Alpenclub, Schweizer Bergführerverband, Bundesamt für Sport und weitere) die sechste Auflage herausgegeben, hinter der alle daran beteiligten Verbände standen. Sowohl der Grundgedanke (man einigt sich in einem Land auf einen Minimalkonsens) als auch die Aufmachung (das Format des Faltblattes, genial gefaltet) waren geradezu wegweisend.

Von der Idee fasziniert, wurde im Deutschen Alpenverein die Idee einer länderübergreifenden Zusammenarbeit geboren, weshalb man auch in Deutschland im Jahr 2011 in diese Richtung ging und nach einer – aus kollegialer und auch urheberrechtlicher Sicht – erfolgten Genehmigung durch das SLF, eine formal an das Schweizer Faltblatt angelehnte, aber inhaltlich eigenständige, deutsche Version des Faltblattes erarbeitete und herausbrachte. So gibt es seither im gleichen Format und mit ähnlicher Aufmachung in zwei deutschsprachigen Ländern eine Handlungsempfehlung zur Lawinenkunde, hinter der die wesentlichen alpinausbildenden Verbände stehen. In Deutschland existiert aktuell die dritte Auflage, in der Schweiz bereits die siebte.

Aufgabenstellung, Ziel und Verwendungszweck

Ziel des Faltblattes ist es, eine Strukturhilfe für Multiplikator*innen herauszugeben, die inhaltlich innerhalb der deutschen alpin ausbildenden Verbände abgestimmt ist und die für das Lehren und Beurteilen hinsichtlich des Themas Lawine als gemeinsame Grundlage dienen soll. Durch das handliche Format soll eine komprimierte Hilfestellung angeboten werden, die auf Touren und Hütten problemlos mitgeführt werden und somit oft zur Anwendung kommen kann.

Durch die breite Beteiligung der teilnehmenden Verbände (Deutscher Alpenverein, Verband deutscher Berg- und Skiführer, Deutscher Skilehrerverband, Naturfreunde, Deutscher Skiverband, Heeresbergführerverband, Polizeibergführerverband, bayerische Polizei), welche alle für die neueste Auflage des Faltblattes im Bayerischen Kuratorium für alpine Sicherheit zusammengearbeitet haben, sowie die Unterstützung durch die Bayerische Lawinenwarnzentrale und die Bergwacht Bayern konnte eine maximal breite Basis sichergestellt werden. Die konsensualen Inhalte sollen eine möglichst hohe Akzeptanz und somit Marktdurchdringung sicherstellen.

Das neue Faltblatt

Das neue Faltblatt (erschienen Winter 2021/22) wurde nach intensiver Abstimmung der beteiligten Verbände und Unterstützer auf den neuesten Stand gebracht. Die Inhalte gliedern sich dabei wie folgt: Lawinengefahrenstufen, Lawinenlagebericht und probabilistische Instrumente, Entscheiden, Faktor Mensch, Lawinenarten, Schneedeckenaufbau und typische Lawinenprobleme, Gelände sowie Lawinenunfall.

Im Bereich der Lawinengefahrenstufen und des Lawinenlageberichts wurden im Wesentlichen Anpassungen auf die neuesten Bezeichnungen vorgenommen, womit Ausbilder*innen nun ein Nachschlagewerk haben, das sich semantisch mit den aktuellen Veröffentlichungen in diesem Bereich deckt. Bei den probabilistischen Instrumenten zeigt sich die aufgeklärte Haltung der beteiligten Verbände. Anhand der Beispiele SnowCard, graphische Reduktionsmethode und Skitourenguru soll gezeigt werden, dass in erster Linie nicht eine bestimmte Methode das Mittel der Wahl ist, sondern generell das Sich-Bedienen eines solchen Instrumentes.

Neu integriert in das Faltblatt ist die GKMR-Methode: Gefahren erkennen und beurteilen, Konsequenzen abschätzen Maßnahmen ergreifen und Risiko bewerten.

Auch wird dem Umstand Rechnung getragen, dass digitale Hilfsmittel immer mehr Raum einnehmen. Die Auflistung und Erläuterung der typischen Haupt-Lawinenprobleme sollen den Blick auf diese und deren Erkennbarkeit richten, weil man sich davon eine für eine Entscheidung maßgebliche Fokussierung erwartet.

Mehr Platz und eine neue Visualisierung wurde beim Thema Entscheiden vorgenommen. Hintergrund ist, dass man in der Ausbildung feststellte, dass viele Auszubildende zwar über ein qualifiziertes Fachwissen in den einzelnen Teilbereichen verfügen, jedoch ein Mangel darin besteht, dieses Wissen planmäßig zusammenzuführen und in gute Entscheidungen münden zu lassen.

Da es in den Verbänden wie so oft verschiedene Herangehensweisen bzgl. des Risikomanagements gab und gibt, einigte man sich in der Faltblatt-Arbeitsgruppe darauf, die von Benjamin Reuter und Chris Semmel entwickelte GKMR-Methode in der neuen Auflage zu integrieren, welche in der deutschen Bergführerausbildung bereits seit einigen Jahren gelehrt wird.

Durch die Faltung und die seitlichen Reiter bietet das Merkblatt eine übersichtliche Gliederung, in der man sich umgehend zurechtfindet. Foto: Bernhard Kapelari

In bergundsteigen #101 und #113 wurde über diese Art der Entscheidungsfindung bereits berichtet. Der Fokus im Faltblatt richtet sich im Gegensatz zu vorbeschriebenen Artikeln dabei aber weniger auf die Instrumente, derer man sich während des Ablaufschemas G-K-M-R bedient, sondern auf das Schema an sich. Nach Auffassung der Verfasser des Faltblattes kann man Entscheidungen mit hoher Trefferquote dann erreichen, wenn man sich der Reihe nach Gedanken darüber macht, welche Gefahr vorhanden ist, welche Konsequenzen diese nach sich ziehen könnte, mit welchen Maßnahmen die Auswirkungen eines Lawinenabgangs in der konkreten Situation reduziert werden können und zu welcher abschließenden Risikobeurteilung man kommt.

Welcher Tools man sich innerhalb dieser einzelnen Schritte bedient, ist dabei nach Überzeugung der inhaltsgebenden Arbeitsgruppe von untergeordneter Bedeutung. Jede/r kann sich also nach seiner/ihrer Fasson in seinem Werkzeugkasten bedienen, er/sie soll sich aber den übergeordneten G-K-M-R-Plan halten. Graphisch ansprechend aufbereitet wird veranschaulicht, wie sich GKMR in die 3×3-Methode einfügt und es wird gezeigt, dass der Faktor Mensch übergreifend über alle Phasen eine einflussnehmende Größe darstellt.

Neu integriert wurde beim Topic Lawinengrößen eine Abschätzungsmöglichkeit zum Auslaufbereich von Schneebrettlawinen mittels Pauschalgefälle (erstmals veröffentlicht im Winterjournal von Reuter/ Semmel) und bei den Konsequenzen eine strukturierte Abfragemöglichkeit bzgl. der drei Fragestellungen mechanische Verletzungen, Verschüttung und involvierte Personen. Dem Faktor Mensch wird in der neuesten Auflage in einem eigenen Bereich angemessener Raum gegeben.

Kooperation

Seit Herbst 2022 sind die Bergführerverbände der Schweiz, von Österreich, Deutschland und Südtirol als Redaktionsbeiräte bei bergundsteigen mit an Bord. Daher erscheint ab nun in jeder Ausgabe ein Beitrag dieser Verbände. Die Serie soll informieren und zugleich zu einem konstruk- tiven Austausch zwischen den Verbänden anregen und dadurch auch indirekt die Bergführerausbildung weiterentwickeln.

Dabei wird deutlich, dass nicht nur Wahrnehmungsfallen und Sinnestäuschungen unsere Entscheidungen negativ beeinflussen, auch die sich aus Gruppen heraus ergebenden Aspekte werden behandelt. Wie obenstehend bereits erwähnt, bleibt der Faktor Mensch allerdings bei allem Risikomanagement und den vielen Beurteilungstools zu den einzelnen lawinenbildenden Faktoren der am schlechtesten zu greifende Baustein. Zu unterschiedlich und vielschichtig sind innermenschliche Prozesse, um sie in griffigen Formeln und somit wirksam zu erfassen.

Die bei Ausbildern gut bekannten Bereiche Lawinenarten, Gelände, Schneedeckenaufbau und ein Abschnitt mit Hinweisen zum richtigen Verhalten bei einem Lawinenunfall komplettieren das Faltblatt im Sinne eines umfassenden Kompendiums. Interessant war für die beteiligten Mitarbeiter der Verbände in der Arbeitsgruppe zur Überarbeitung des Faltblattes die Erfahrung, dass es durchaus möglich ist, in einem von Verbandsinteressen befreiten und konstruktiven Umfeld durch Diskussionen andere Sicht- und Herangehensweisen besser zu verstehen, und sich so am Ende gute Lösungen für alle erzielen lassen. Nach wie vor ist es auch für den vielfachen Anwender des Faltblattes faszinierend, wie man durch die Faltung und die seitlichen Reiter eine übersichtliche Gliederung und Übersicht erfunden hat. Der Schweizer Gründlichkeit und dem Schweizer Vorbild sei Dank.

Ausblick

Die Mitgliedsverbände des Bayerischen Kuratoriums haben sich nun der schwierigen Aufgabe verschrieben, ein vergleichbares Werk für den Endverbraucher zu erstellen. Warten wir ab, was die Zukunft in diesem Bereich bringen wird.

Wo kann man das Faltblatt beziehen?

Das Faltblatt kann für Mitglieder bei allen Mitgliedsverbänden des Bayerischen Kuratoriums für alpine Sicherheit in Papierform bezogen oder hier als PDF downgeloaded werden.