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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Menschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im Himalaya

Am 29. Mai 1953 um die Mittagszeit, also vor genau 70 Jahren, ist es soweit: Der Neuseeländer Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay schreiben Geschichte und stehen als erste Menschen auf dem Mount Everest, auf 8.848 Metern. Bis zum Start der kommerziellen Achttausenderexpeditionen sollte es nochmals fast 40 Jahre dauern. 1992 führte der neuseeländische Anbieter Adventure Consultants, gegründet von Rob Hall und Gary Ball, erstmals Kunden auf den Mount Everest.

30 Jahre Kunden, Kommerz, Rekorde

Ursprünglich bedeutete eine Expedition eine Entdeckungsreise. Am Anfang stand die Definition eines Ziels, dann folgte die Planung und später die Umsetzung. Das Ziel war meist eine unerschlossene Region, ein neuer Gipfel oder eine neue Route auf einen schon bekannten Gipfel. Heute ist die Außenwahrnehmung eine andere, wie Extrembergsteiger David Göttler im Interview erläutert.

Viele Laien, so Göttler, würden inzwischen Expeditionen mit den kommerziellen Besteigungen an den Achttausendern mit Fixseil und Flaschensauerstoff gleichsetzen. Doch es gibt auch noch Projekte von Bergsteigern, die es im Alpinstil probieren, also möglichst reduziert – ohne Fremdhilfe, ohne vorher präparierte Route und vor allem ohne Sauerstoff. Denis Urubko zum Beispiel, der dieses Jahr seinen 27. Achttausender-Gipfel bestieg – allein, ohne Hilfsmittel und Flaschensauerstoff.

Dann die Tschechen Marek Holecek und Radoslav Groh, die sich am Masherbrum (7821 m) versuchten. Oder das britisch-slowenische Team, bestehend aus Tom Livingstone und Ales Cesen, die in dieser Sommersaison eine neue Route am Fast-Achttausender Gasherbrum III (7952 m) im Karakorum erklettern wollten. Diese Liste könnte man noch weiterführen. Unser Jubiläum nehmen wir zum Anlass, um uns die Entwicklungen der letzten 30 Jahre im kommerziellen Expeditionsbergsteigen anzusehen.

Wir sind in dieser Saison zum Basislager am Mount Everest getrekkt, um uns ein eigenes Bild zu machen. Das ist nur eine Momentaufnahme, vier Wochen können nicht 30 Jahre Entwicklung abbilden. Deswegen haben wir zusätzlich mit vielen Bergsteigerinnen und Bergsteigern sowie Einheimischen gesprochen, um ein möglichst umfassendes Bild zu erhalten.

Hochlager zum Gipfel des Mount Everest. Foto: Furtenbachadventures

Kommerzielle Anfänge an den Achttausendern

1992 war auch ein deutscher Bergsteiger daran beteiligt, den Kommerz in den Himalaya zu bringen. „Ich darf mich nicht beschweren, ich hatte damals die Finger mit im Spiel“, sagt Ralf Dujmovits. Trotzdem bereite ihm die leichtere Zugänglichkeit der Achttausender auch Kopfzerbrechen. Mit seiner Expeditionsagentur Amical Alpin war der 60-Jährige einer der ersten Anbieter, der Menschen auf den Everest führte.

Am 20. Mai 2009 komplettierte er als erster Deutscher und 16. Bergsteiger weltweit die Besteigung aller 14 Achttausender. Bis auf den Mount Everest gelangen ihm alle Besteigungen ohne zusätzlichen Flaschensauerstoff. „Damals nahm ich Kunden mit auf den Everest, die mehr oder weniger Profis waren“, meint Dujmovits. Starke Bergsteiger, die aber weniger gut darin waren, eine Expedition zu organisieren – auch aufgrund mangelnder Englischkenntnisse.

Unter ihnen war zum Beispiel Diego Wellig, der mit Kammerlander alle vier Grate des Matterhorns in 24 Stunden bestiegen hatte. „Zu der Zeit ging noch alles über Fax, man musste dann ein paar Tage auf Antwort von der lokalen Agentur oder dem Ministerium warten“, sagt Dujmovits. Und sei dann sehr glücklich gewesen, als etwas zurückkam.

Als nächsten Berg, den er kommerziell anbot, nahm Ralf Dujmovits 1994 den K2 in Angriff. Mit dabei waren damals Rob Hall, der eingangs erwähnte neuseeländische Bergsteiger und Mitbegründer von Adventure Consultants, sowie Veikka Gustafsson, der erste Finne, der ohne Flaschensauerstoff auf allen 14 Achttausendern stand. Dieses Mal hatte Dujmovits auch ein Satellitentelefon dabei, um sich über das Wetter zu informieren. Die Besteigung ohne Sauerstoff gelang.

Michi Wärthl und Ralf Dujmovits am Gipfel des K2 ohne Sauerstoff! Wärthl war der Jüngste, der je auf dem K2 gestanden hat. Foto: Archiv Dujmovits.

Neue Technik, neue Leistungen

30 Jahre später. Satellitentelefone gehören zur Grundausstattung, ebenso beheizbare Socken und Handschuhe. Die neu errichtete Wetterstation knapp unterhalb des Everest-Gipfels liefert über eine App seit dem Frühjahr Wetterdaten in Echtzeit. Das Basislager am Mount Everest, der auf Nepali Sagarmatha und Tibetisch Qomolangma genannt wird, erstreckt sich über etwa eineinhalb Kilometer entlang des Khumbu-Gletschers.

Pausenlos knattern Helikopter durch die Luft, an Vormittagen mit schönem Wetter bis zu 30-mal. Mittlerweile fliegen die Helis nicht nur Kranke und Verletzte vom Berg, sondern transportieren auch Ausrüstung und Lebensmittel vom Basislager hoch ins Lager zwei – oder Bergsteiger*innen, die keine Lust mehr haben, durch den gefährlichen Khumbu-Eisbruch hinabzusteigen, zurück ins Basislager. So wird es zumindest von Insidern hinter vorgehaltener Hand berichtet.

In der Saison 2022 blieb der berüchtigte Jetstream fast gänzlich aus. Grund dafür war ein Wetterhoch über Indien, das sich dort über Wochen festgesetzt hatte und extreme Hitze brachte, die Bedingungen am Everest aber sehr mild werden ließ. Ein Gipfelstau bildete sich in diesem Jahr nicht, weil sich die Begehungen auf ein Wetterfenster von etwa 20 Tagen verteilten. Eröffnet wurde die aktuelle Saison am 7. Mai, als Kami Rita Sherpa und sein neunköpfiges Team die Route bis zum Gipfel mit Fixseilen sicherten. Damit stand er das 26. Mal auf dem höchsten Berg der Welt und hält aktuell den Rekord.

Nobeltourismus. VIP-Gäste von einigen Anbietern können inzwischen bis zu fünfmal vom Basecamp mit dem Hubschrauber ins Fünf-Sterne-Hotel nach Kathmandu fliegen, um Abstand zum Basislager zu bekommen. Foto: Nadine Regel

Sherpas – die Helden an den Achttausendern?

Im Gespräch mit dem 52-Jährigen relativiert er den Heldenmythos um die Sherpas. Kami Rita Sherpa sieht sich selbst nicht als Held, sondern schlichtweg als Arbeiter. „Für viele Menschen ist es ein großer Traum, auf den Mount Everest zu steigen. Mein Team und ich lassen diesen Traum wahr werden“, sagt er. Viel Wertschätzung erfahre er dafür aber nicht, wie er selbst behauptet.

„Vielen ist gar nicht bewusst, was wir da oben leisten. Unsere Arbeit fühlt sich oft an wie Krieg: Es gibt keine Garantie, dass wir lebend wieder zurückkommen. Unsere Familien haben immer Angst um uns. Sie sind nur froh und glücklich, wenn wir wieder gesund unten sind“, fügt er hinzu. Sherpas werden gemeinhin mit Trägern im Himalaya gleichgesetzt, dabei handelt es sich eigentlich um ein Volk tibetischer Herkunft, das sich im Osten Nepals niedergelassen hat.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Begriff Sherpa erstmals im Jahr 1953, als Tenzing Norgay Sherpa und der Neuseeländer Edmund Hillary als erste Menschen überhaupt auf dem Gipfel des Mount Everest standen. Sie nutzten damals schon die Südsattelroute von Nepal aus. Zu diesem Zeitpunkt war die Route erst zweimal von Schweizer Teams im Frühjahr und Herbst 1952 begangen worden. Sie erreichten eine Höhe von 8500 Metern weit oberhalb des Südsattels.

Schon bei diesen Expeditionen war Tenzing Norgay dabei. Diese Erfahrung nutzte er dann bei der finalen, britisch geführten Expedition. Von der reinen Arbeitnehmerrolle haben sich einige Sherpas inzwischen emanzipiert, manche sind längst Unternehmer und inzwischen werden die weltweit größten Expeditionsanbieter von Sherpas geleitet; darunter Seven Summit Treks, Elite Expedition, Himalayan Ascent, 8K Expeditions und Imagine Nepal.

Westliche Anbieter verschwinden zunehmend von der Bildfläche. Oder wie es Ralf Dujmovits ausdrückt: „Die Sherpas haben den Markt aufgerollt.“ Lukas Furtenbach aus Österreich (Interview) ist neben dem britischen Anbieter Madison Mountaineering und Kobler und Partner aus der Schweiz einer der wenigen westlichen Anbieter, der sich noch mit seinen Flash- Expeditionen behaupten kann.

Am 26. Juli 2022 standen rund 120 Menschen am Gipfel des K2. Hier im Bild ein Team von Furtenbach Adventures mit Bergführer Roland Striemitzer. Viele prophezeien am K2 zahlreiche Tote, wenn der Hype so weitergeht. Foto: Roland Striemitzer

Neuer Rekord: Betreuungsverhältnis von 1 : 1,7

Zur Debatte steht aktuell eine Verlagerung des Basislagers auf niedrigere Höhen, herunter vom abschmelzenden Gletscher. Dieses Jahr war das Basislager noch am ursprünglichen Platz. Man braucht etwa eine Dreiviertelstunde, um vom Eingang des Camps bis zum Ende zu wandern, wo sich Seven Summit Treks (Interview) angesiedelt hat, der größte Expeditionsanbieter in Nepal.

In dieser Saison, die Ende Mai endete, haben 240 ausländische Alpinistinnen und Alpinisten von nepalesischer Seite den Everest erklommen und 399 einheimische Guides. Das Verhältnis von Bergsteigern zu Bergführern lag bei fast 1:1,7 – der höchste Betreuungsschlüssel, der jemals erreicht wurde, wie der Everest-Kenner Alan Arnette in seinem Blog ausgerechnet hat. Seit diesem Jahr übersteigt die Zahl der Sherpas, die jemals auf dem Gipfel standen, die Zahl der Alpinisten oben.

Bis 2021 standen laut Himalayan Database 10 656 Menschen auf dem Gipfel, etwa die Hälfte davon waren Angestellte von Expeditionsanbietern. 70 Prozent davon stiegen über die Südseite von Nepal aus auf den Everest. Nur 216 Bergsteiger haben den Gipfel ohne zusätzlichen Sauerstoff erreicht, das sind etwa 2,1 Prozent. Als jüngster Meilenstein im Höhenbergsteigen gilt sicherlich die Besteigung aller 14 Achttausender in sechs Monaten und sechs Tagen, was dem Nepalesen Nirmal Purja gelang, jedoch von Kritikern angezweifelt wird.

„Nimsdai hat den Nepalis zu mehr Selbstbewusstsein verholfen“, sagt Ralf Dujmovits. Aber seine Mittel seien sicher nicht die fairsten gewesen. Damals zur Zeit seines Projektes stand die Diskussion um die echten Gipfel schon im Raum. Debatte über echte Gipfel Angestoßen hatte die Debatte der Deutsche Eberhard Jurgalski, der sich seit über zehn Jahren mit der Thematik auseinandersetzt. Er stellte fest, dass viele der Leute, die eine Gipfelbesteigung am Manaslu, Dhaulagiri oder an der Annapurna reklamierten, lediglich auf Vorgipfeln standen.

Im August 2019 schlug er vor, eine Toleranzzone mit einigen Metern unter und neben dem höchsten Punkt zu definieren, innerhalb derer ein Achttausender als bestiegen gelten kann – aber auch das hat er wieder verworfen. Laut seinen Recherchen standen damit nur drei Personen auf allen 14 Achttausendern. Ausführliche Skizzen und Informationen hinterlegte er für alle einsehbar auf seiner Seite 8000er.com. Nirmal Purja holte die Besteigungen am Manaslu und Dhaulagiri vergangenes Jahr nach – strenggenommen dauerte sein Projekt damit zwei Jahre.

Der Nepali und Ghurka – Ghurkas sind nepalesische Soldaten im Dienste der British Army – stammt ursprünglich aus Chitwan an der indischen Grenze und lebt mittlerweile in Großbritannien. Er habe den Trend des Gipfelsammelns sicherlich befeuert, sagt Ralf Dujmovits. Mit dieser Leistung zeigte er auf, was mit logistischer Unterstützung und Helikoptereinsatz alles möglich ist.

„Zudem ist niemandem aus seinem Team im Projektzeitraum etwas passiert“, fügt Dujmovits hinzu. Schlange am K2-Flaschenhals Mingma Gyalje Sherpa, nepalesischer UIAGM-Bergführer, postete im Juli ein Video auf seinem Instagram-Account. Es zeigte eine Menschenansammlung unterhalb des Flaschenhalses auf 8211 Metern, des gefährlichsten Abschnitts auf der Abruzzi-Route am K2, neben der Annapurna I einer der anspruchsvollsten Achttausender überhaupt.

Exkurs: Stau am K2

Stau am "Flaschenhals", der Schlüsselstelle des K2 am 22. Juli 2022.
Stau am „Flaschenhals“, der Schlüsselstelle des K2 am 22. Juli 2022. Foto: Kristin Harila

Lange galt der K2 als zu gefährlich für kommerzielle Expeditionen und war daher nur erfahrenen Alpinisten vorbehalten. „Ich schrieb in einem Blogartikel 2016, dass der K2 niemals zum Mount Everest wird. Ich habe mich geirrt.“ So der K2-Besteiger und Achttausenderchronist Alan Arnette, nachdem am 22. Juli 2022 145 Menschen den Gipfel des K2 erreicht hatten – so viele wie zwischen 1954, dem Jahr der Erstbesteigung, und 1996.

Das Bild wurde von Kristin Harila im Abstieg mit dem Handy aufgenommen. Die Menschenkette oberhalb des Flaschenhalses, der Schlüsselstelle des K2, ist gut zu erkennen. Hier die veröffentlichten Gipfelbesteigungen einiger Anbieter.

Insgesamt erreichten aber weit mehr Personen als in dieser Liste angegeben den Gipfel:

In diesem Jahr sah der Berg knapp 200 Besteigungen – ein Rekord, der den bis dato nur etwa 300 Besteigungen gegenübersteht. Wo soll das hinführen? Viele Gesprächspartner prophezeien eine gewaltige Katastrophe, die die Unglücke von 2008 am K2 oder 1996 am Mount Everest mit elf beziehungsweise acht Toten um ein Vielfaches übersteigen könnte. „Wenn sich die Menschen am Flaschenhals stauen und dann ein Serac abbricht, könnten auf einen Schlag 100 Menschen sterben“, sagt Ralf Dujmovits.

Dujmovits plädiert dafür, dass die Anbieter ihre Teilnehmer*innen konsequenter auf Vorerfahrung und Fitness checken sollten. „Im Karakorum hatten die Anbieter dieses Jahr viel Glück, aber sie müssen aufpassen“, sagt Dujmovits. Ansonsten nehme diese Entwicklung an den Achttausendern wohl weiter so ihren marktwirtschaftlichen Verlauf. Aufhalten ließe sich das ohnehin nicht. „In der Schweiz ist es ja auch nicht anders, wo die Kletterrouten am Furkapass mit eineinhalb Meter Abständen gebohrt sind. Plaisirklettern findet nun eben auch an den Achttausendern statt, die jährlich aufs Neue von unten bis oben wie ein Klettersteig ausgestattet werden.“

Alte Fehler an neuen Bergen

Eine Entwicklung, die wir so auch schon im Khumbu-Tal erlebt haben. Weil der Weltfokus nach wie vor auf dem Everest liegt, können sich im Schatten des Berges an den anderen Achttausendern die Fehler wiederholen, die den Everest einst zur höchsten Müllhalde der Welt werden ließen. Im Netz kursieren einige Videos von der Müllsituation am K2, darunter eines auf dem Instagram-Account der Nimsdai-Stiftung.

Vor allem in Lager zwei sollen die Zustände schlimm sein. Überall lägen verrottende Lebensmittel, alte Zelte, Seile und andere Abfälle herum – teilweise schon festgefroren im Eis. Es sei Zeit zu handeln, so steht es im Post. Nirmal Purja kündigt ein weiteres groß angelegtes Reinigungsprojekt an, dieses Mal nicht nur am Everest, sondern auch am K2. Grundsätzlich hat sich am Mount Everest beim Thema Sauberkeit etwas getan. Das Sagarmatha Pollution Control Committee (SPCC) ist für die Icefall-Doctors zuständig – und für die Sauberkeit am Berg.

Sie haben auf dem Weg Mülleimer aufgestellt und kooperieren mit dem Militär in Bezug auf großangelegte Cleanup-Aktionen in den Hochlagern. Spricht man mit den Einheimischen und läuft man zum Beispiel durch Gorakshep, dem letzten Ort vor dem Basislager, so sieht man viel Müll herumliegen. Menschliche Exkremente werden aus dem Basislager in blauen Tonnen von Trägern und Yaks heruntergeschleppt. Wo die Inhalte am Ende landen, ist nicht bekannt.

„Bis zu 80 Mülldeponien befinden sich im Khumbu-Tal, die größtenteils sich selbst überlassen werden“, sagt der Schwede Tommy Gustafsson von Sagarmatha Next, einer Nichtregierungsorganisation, die aus Everest-Müll Kunst herstellt. Die Organisation hat dieses Jahr ein Zentrum unterhalb des Everest Viewpoints in Namche Bazaar eröffnet.

Im Tal entstehen neue Hydroprojekte zur Stromgewinnung und auch Biogasanlagen sind in Planung. „Bisher sind das alles noch Tropfen auf den heißen Stein, aber es bewegt sich zumindest etwas“, sagt Gustafsson, der mittlerweile in Nepal lebt.

Modernitätsparadoxon. Heli versus Yak: Der Tourismus als Einnahmequelle läuft der Landwirtschaft wie einst in den Alpen den Rang ab. Foto: Nadine Regel

Peak Bagging, das Gipfelsammeln, ist auch Frauenbusiness

Die Rekordversuche von Frauen nehmen zu. So zum Beispiel von der Norwegerin Kristin Harila (im Interview als bergsönlichkeit), 36, die geplant hat, alle 14 Gipfel in sechs Monaten zu besteigen. Ihre Bilanz sah sehr erfolgversprechend aus: Innerhalb von 105 Tagen stand sie auf elf Gipfeln, im September erklommen sie und ihr Team als eine der wenigen den Manaslu. Dann fehlten ihr nur noch Shishapangma und Cho Oyu.

Die größte Herausforderung dabei: die Genehmigungen aus China zu erhalten. Plan B sah vor, den Cho Oyu über die nepalesische Seite zu versuchen. Bisher kam auf dieser Route niemand über 7200 Meter hinaus. „Sie macht das auf eine charmantere Weise als Nimsdai“, sagt Ralf Dujmovits. Aber es ändert nichts daran, dass sie ohne Sherpa-Unterstützung niemals in der Lage wäre, eine solche Leistung zu erbringen, gibt Dujmovits zu bedenken.

Pemba Sherpa von 8K Expeditions kümmert sich um ihre Logistik. Dawa Ongju Sherpa und Pasdawa Sherpa sind ihre Guides und Unterstützer am Berg. „Die Besteigungen an den Achttausendern sind für mich eine Teamleistung“, sagt die Norwegerin im Interview. Der Rekordversuch scheiterte schließlich, weil die Chinesen keine Ausnahme bei der Permitvergabe machten und Plan B nicht aufging. Wenn Dujmovits diese Leistungen mit der von Gerlinde Kaltenbrunner vergleicht, schneidet die Norwegerin schlecht ab.

„Ich habe niemals jemanden erlebt, der so hart trainiert hat wie Gerlinde“, sagt er über die österreichische Ausnahmebergsteigerin, mit der er zehn Jahre lang verheiratet war und gemeinsam Projekte umsetzte. Sie habe die Besteigung aller Achttausender durchgezogen, ohne Fixseile, Träger und Flaschensauerstoff. „Das ist ein enormer Unterschied in Erfahrung, Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit“, sagt er. Er gönne jedem seine Erfolge, aber man müsse festhalten, dass sich der Anspruch im Höhenbergsteigen massiv geändert hat – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen.

Wegbereiterin der Frauen in Nepal

Nun profilieren sich aber nicht nur Frauen aus Europa, den USA, China oder Indien, sondern auch aus Nepal. Allen voran Dawa Yangzum Sherpa, 32, die erste Nepalesin, die als international zertifizierte Bergführerin (UIAGM) in Nepal und den USA arbeitet. Gefördert von der US-Bergsteigerlegende Conrad Anker begann sie mit 19 Jahren ihre Ausbildung im Khumbu Climbing Centre in Phortse, neben der Nepal Mountaineering Association eines der Ausbildungszentren für junge nepalesische Bergführer*innen.

2012 stand sie das erste Mal auf dem Everest, 2017 schloss sie ihre Ausbildung zur Bergführerin ab. Die junge Frau zeigt auf, dass das Expeditionsgeschäft auch Chancen bereithält. Über die Faszination des Bergsteigens sagt sie: „Es hat mir die Welt eröffnet. Sehr viele Menschen kennen mich jetzt. Es ändert auch viel für die Frauen meiner Generation, weil ich ihnen aufzeigen kann, was auch für sie möglich ist.

Vorher gab es in Nepal keine Idole für Frauen. Ich möchte gezielt jungen Mädchen helfen, weil es damals so schwierig war, mich in der männerdominierten Bergszene durchzusetzen.“ Dieses Jahr stand Dawa Yangzum Sherpa als erste Nepalesin auf dem Broad Peak, ihr mittlerweile fünfter Achttausender. Anders als ausländische Bergsteiger*innen mit viel Sponsoring im Rücken, ist es ihr nicht möglich, sich nur aufs Gipfelsammeln zu konzentrieren.

Ihre Leidenschaft vermischt sich immer wieder mit dem Führen und somit Geldverdienen am Berg – so wie bei den meisten Nepalis. Um Punkt zwölf endet das Interview mit Ralf Dujmovits, weil er schon wieder in den Startlöchern zu seinem nächsten Projekt steht. Auf die Frage, was er vorhat, antwortet er: „Erst machen, dann reden. Ich will ja keinen Ankündigungsalpinismus betreiben.“

Mit einem Lachen verabschiedet sich der Deutsche in sein neues Abenteuer – das er, wie wir bei Redaktionsschluss wissen, am 3. Oktober vorzeitig beenden musste. Der starke Schneefall am Manaslu verstärkte sich noch, eine Lawine riss einen zweiten Menschen in den Tod. Eine Woche zuvor stürzte die US-amerikanische Skibergsteigerlegende Hilaree Nelson bei der Abfahrt vom „echten“ Gipfel des Manaslu ab und wurde später auf einer Höhe von etwa 6000 Metern tot geborgen.

Per Whatsapp begründet Ralf Dujmovits seine Entscheidung knapp: „Man kann es immer auf die Spitze treiben – wenn man nicht alt werden möchte und Finger und Zehen nicht fürs Sportklettern braucht.“ Eine dramatische Manaslu-Saison geht damit zu Ende. Wer was daraus gelernt hat, sehen wir im nächsten Jahr.