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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Lawinenairbags und ihr Einfluss auf das Risikoverhalten

Mehr Erkenntnisse dazu von der Forschungsgruppe Winter der DAV-Sicherheitsforschung. Artikel: Verleiten Lawinenairbags tatsächlich zu riskanterem Verhalten?

Was man schon wusste

Lawinenairbags sind Rucksäcke mit einem oder zwei aufblasbaren Ballons, die von den Trägerinnen und Trägern manuell ausgelöst werden, wenn sie von einer Lawine erfasst werden. Komprimiertes Gas oder ein batteriebetriebener Ventilator blasen die Airbags sehr schnell zu einem Volumen von ca. 150 Litern auf.

Skitour im offenen Gelände. Foto: argonaut.pro

Anders als die Standard-Lawinennotfallgeräte (Lawinenverschüttetensuchgerät LVS, Sonde und Schaufel), welche das Ziel haben, die Such- und Bergungsphase der Lawinenrettung zu unterstützen, verringert der Lawinenairbag die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Verschüttung.

Dies wird durch den physikalischen Prozess der Kornkonvektion ermöglicht, bei welchem größere Partikel zur Oberfläche hin sortiert werden. Das Konzept des Lawinenairbags wurde in Europa Ende der 1970er Jahre erfunden. Das erste kommerzielle Produkt war 1991 verfügbar, aber die eigentliche Verbreitung der Airbags unter den Wintersportlerinnen und -sportler erfolgte erst im letzten Jahrzehnt.

Die Wirksamkeit von Airbags wurde durch verschiedene wissenschaftliche Studien aufgezeigt: mittels Simulationen, Feldexperimenten mit Crashtest-Dummys und aufgeblasenen Lawinenairbags in künstlich ausgelösten Lawinen sowie statistischen Auswertungen von Unfallaufzeichnungen zum Vergleich der Mortalität von Lawinenopfern mit und ohne Lawinenairbag.

Bei Lawinen, die Personen töten könnten, zeigte die umfangreichste Auswertung von Unfalldaten, dass korrekt angewandte Lawinenairbags die Sterblichkeit von 22 % auf 11 % reduzierten (Haegeli et al. 2014, siehe bergundsteigen #88). Aufgrund dieses großen Effektes empfehlen nationale und internationale (Lawinensicherheits-)Organisationen die Verwendung von Lawinenairbags zusätzlich zur Standard-Lawinennotfallausrüstung (LVS, Sonde und Schaufel).

Trotz der nachgewiesenen Wirksamkeit von Lawinenairbags zur Rettung von Leben in Lawinenunfällen besteht die Sorge, dass die positive Wirkung von Airbags ungewollt zunichte gemacht werden könnte – dies als Folge einer reduzierten Risikowahrnehmung und/oder erhöhten Risikobereitschaft ihrer Nutzenden (z.B. Wolken, Zweifel & Tschiesner, 2014).

Man spricht in diesem Zusammenhang von der Theorie der Risikokompensation (Wilde, 1982, 2001). Diese Theorie besagt, dass Menschen nicht ihr Risiko zu minimieren versuchen, sondern sie optimieren es, indem sie ein akzeptables Risiko bezüglich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für ihr risikoreiches Verhalten anvisieren.

Beispielsweise wird das Befahren eines unverspurten Pulverschneehanges in das Verhältnis zum Risiko von einer Lawine erfasst zu werden gesetzt oder die verminderte Verschüttungswahrscheinlichkeit durch den Kauf einer zusätzlichen Sicherheitsausrüstung den Kosten eines Lawinenairbags aufgewogen. Auf diese Weise kann der Sicherheitsgewinn mit einem Airbag durch das Skifahren bei erhöhter Lawinengefahr oder an Hängen mit erhöhter Auslösungswahrscheinlichkeit kompensiert werden.

Während die Theorie der Risikokompensation nachvollziehbar scheint, gibt es auch kritische Stimmen. Diese Kritik ist auf die uneinheitlichen Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien zurückzuführen. So sind die Forschungsergebnisse bezüglich des Tragens von Skihelmen und dem Risikoverhalten innerhalb von Skigebieten (z.B. bezüglich Skifahrgeschwindigkeiten) nicht eindeutig.

Ebenfalls schwierig zu beweisen war die Auswirkung von Fahrradhelmen auf Unfälle, Verletzungen oder gar Todesfälle. Die Möglichkeiten zur Prüfung der Risikokompensation als Reaktion auf Lawinenairbags sind stark eingeschränkt. Feldversuche, bei denen das Verhalten der Teilnehmenden beim Skitourengehen mit und ohne Lawinenairbags untersucht wird, sind sowohl logistisch als auch ethisch kaum durchführbar.

Bestehende Studien über die Wirkung von Airbags auf das Risikoverhalten sind deshalb auf indirekte Methoden beschränkt. Ein Beispiel dazu ist die Arbeit von Wolken et al. (2014), bei der die Teilnehmenden in einer Online-Befragung ihre Bereitschaft angaben, ob sie hypothetische Hänge unter verschiedenen Lawinensituation befahren würden.

Der Vergleich zwischen regelmäßig Nutzenden von Airbags und Nicht-Nutzenden ergab, dass sich die Gruppen zwar nicht in ihrer Risikowahrnehmung unterschieden, aber die Airbag-Nutzung die Wahrscheinlichkeit, einen Hang zu befahren, deutlich erhöht. Zudem gaben 18 % der Stichprobe von Airbag-Nutzenden an, mindestens einmal einen Hang befahren zu haben, den sie ohne Airbag nicht befahren hätten.

Während diese Studie interessante Resultate liefert, kann ein Vergleich zwischen Airbag-Nutzenden und Nicht-Nutzenden keine Einblicke in Risikokompensation geben, da es sich nicht um die gleichen Personen handelt, und sich die Gruppen auch anderweitig unterscheiden können.

Ziele der neuen Studie

Das Ziel vorliegender Studie war, das Thema Risikokompensation und Lawinenairbags von Tourenskifahrerinnen und Freeridern aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Mit einer Online-Umfrage untersuchten wir …

Wie sind wir vorgegangen?

Mit einer Online-Befragung in der Schweiz, Deutschland und Österreich versuchten wir so viele Tourenskifahrer:innen und Freerider:innen wie möglich anzusprechen. Aufgrund ihres geringen Organisierungsgrades verbreiteten wir die Umfrage mittels Webseiten der Alpenclubs (SAC, DAV, ÖAV), der schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung BfU, dem grössten Schweizer Bergsport-Ausrüster Bächli-Bergsport sowie einem Mailing an Mitarbeitende und Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Neben allgemeinen Fragen zur soziodemographischen Situation enthielt die Umfrage detaillierte Fragen zur Beurteilung der Ausübungsintensität der Tourenskifahrer und Freerider, ihr Bewusstsein über Lawinen, die Lawinenkunde, die Anwendung der Lawinensicherheits-Ausrüstung, ihre Informationsquellen für die Tourenplanung und die persönliche Involvierung in Lawinenereignisse (Teiloder Totalverschüttungen).

Die Risikoeinstellung der Teilnehmenden im Gelände evaluierten wir mit neun Aussagen zum Risikoverhalten im Skitourenbereich (Abb. 1). Die Teilnehmenden beurteilten die Aussagen auf einer vierstufigen Likert-Skala von „stimmt nicht“ bis „stimmt genau“. Die Umfrage beinhaltete detaillierte Fragen zum Einsatz von Lawinennotfallausrüstung, zum Airbagbesitz mit Dauer und Kaufgründen sowie Gründen zum Nicht-Kauf eines Airbags.

Abb. 1 Fragen zum Risikoverhalten. Die Studienteilnehmenden bewerteten die Aussagen Q1 bis Q9 in vier Stufen von „stimmt nicht“ bis „stimmt genau“.

Weiter beantworteten die Teilnehmenden die Frage, ob Lawinenairbags zu einem erhöhten Risikoverhalten führen. Zur Auswirkung von Lawinenairbags auf die eigene Lawinenerfassung wurden die Teilnehmenden gefragt, ob sie jemals persönlich von einer Lawine erfasst worden waren.

Bei der Bejahung dieser Frage, gaben die Airbagbesitzenden an, ob sich dieses Ereignis vor oder nach dem Kauf ihres Lawinenairbags ereignete. Diese Informationen wurden mit der Erfahrung und der Dauer ihres Airbagbesitzes zur Berechnung von Involvierungssraten kombiniert. Den Kern der Befragung bildete ein sogenanntes Discrete Choice-Experiment (DCE; Louviere, Hensher & Swait, 2000): Bei dieser Befragungstechnik werden Befragten eine Reihe von Auswahlsets mit mindestens zwei Alternativen präsentiert, aus welchen sie die bevorzugte Alternative auswählen sollen (Abb. 2).

Die Alternativen werden durch mehrere Variablen charakterisiert, welche mindestens zwei verschiedene Ausprägungen aufweisen (Abb. 3). In unserer Umfrage wurden jedem Teilnehmenden acht verschiedene Auswahlsets (von total 44 Sets) mit unterschiedlichen Ausprägungskombinationen möglicher Tiefschnee-Abfahrten und Lawinengefahrenstufen von „gering“ bis „groß“ zur Auswahl präsentiert.

Abb. 2 Beispiel einer Auswahlaufgabe des DCE (Discrete Choice-Experiment)

Die Teilnehmenden sollten diejenige Abfahrt auswählen, die sie unter den gegebenen Umständen am ehesten fahren würden. Die statistische Auswertung der Antworten gibt dann quantitative Einblicke in die Geländepräferenzen aller Teilnehmenden zusammen oder von verschiedenen Teilgruppen. Zur Untersuchung der Wirkung von Lawinenairbags auf Geländepräferenzen wurde der Einsatz von Airbags als zusätzliche, binäre Variable eingesetzt (mit Airbag, resp. ohne Airbag).

Die ersten vier Auswahlaufgaben (je eine pro Gefahrenstufe) wurden den Teilnehmenden Sets mit der bekannten Lawinennotfallausrüstung präsentiert (d.h. mit Airbag für Besitzende und ohne Airbag für Nicht-Besitzende).

Abb. 3 Variablen und Ausprägungen des DCE (vgl. auch Abb. 2).

Bei den zweiten vier Aufgaben mussten die Teilnehmenden eine Auswahl unter ungewohnten Bedingungen treffen: So wurde den Airbagbesitzenden mitgeteilt, dass ihr Airbag in Revision sei und er ihnen deshalb für die nächsten Auswahlsets nicht zur Verfügung stehe. Den Nicht-Besitzenden wurde mitgeteilt, dass sie einen Airbag für die letzten vier Auswahlsets ausgeliehen hätten (Abb. 4). Dieses experimentelle Design erlaubte es, die Geländepräferenzen von Besitzenden und Nicht-Besitzenden zu vergleichen und den Effekt von Airbags zu isolieren.

Unsere Stichprobe und ihr Risikoverhalten

Vom 21. März bis 1. Mai 2017 starteten 703 Teilnehmende die Befragung und nach der Datenbereinigung konnten die Antworten von 406 Tourenskifahrerinnen und Freeridern in die Analyse aufgenommen werden (dabei wurde nicht zwischen Skifahren und Snowboarden unterschieden):

Eine hierarchische Gruppierung (clustering) der Teilnehmenden aufgrund ihrer Antworten zu den Aussagen bezüglich ihres Risikoverhaltens (Abb. 1) ergab drei Gruppen:

Besitz und Umgang mit dem Lawinenairbag

Von den Umfrageteilnehmenden besaßen 40 % einen Lawinenairbag. Im Mittel besaßen sie diesen seit drei Jahren, die Spannweite reichte von gerade kürzlich gekauft bis bereits vor 17 Jahren erworben. Bei den Besitzenden der Airbags waren die Männer im Vergleich zu den Nicht-Besitzenden übervertreten. Bezüglich Alter konnten keine Unterschiede festgestellt werden.

Der Anteil der Airbagbesitzenden war hingegen am höchsten bei Freeridern, welche zum Erreichen der Abfahrtshänge noch kleine Zusatzaufstiege unternehmen (60 %), am zweithöchsten bei Freeridern ohne Zusatzaufstiege (43 %), am dritthöchsten bei Skitourenfahrern (30 %) und am tiefsten bei den Skifahrern, welche den Pulverschnee zwischen den Pisten genießen (16 %).

Insgesamt waren die Airbagbesitzenden erfahrener und übten ihren Sport häufiger aus als die Nicht-Besitzenden. Zudem bewerteten Airbagbesitzende ihre Skifähigkeiten deutlich höher ein und zeigten signifikant höhere Werte bezüglich ihres Lawinenbewusstseins. Es konnte jedoch kein signifikanter Unterschied in den Kenntnissen und Erfahrungen in der Lawinenkunde festgestellt werden.

Die große Mehrheit der Befragten glaubte, dass Lawinenairbags zu einem gewissen Risiko-Kompensationsverhalten verleiten können, lediglich 14 % lehnten dies total ab. Dabei zeigten sich zwar keine signifikanten Unterschiede in den Einschätzungen der verschiedenen Risikogruppen, hingegen stimmten Airbagbesitzende der Existenz eines Risiko-Kompensationseffekts von Airbags deutlich weniger zu als Nicht-Besitzende, lediglich 18 % der Besitzer glaubten überhaupt nicht an diesen Effekt.

Für den Kauf eines Airbags wurden die Gründe sehr unterschiedlich gewichtet. Die beiden wichtigsten Gründe waren „Ich bin generell daran interessiert, meine Sicherheit zu erhöhen“ (72 % sehr wichtig, 19 % wichtig) und „Statistiken zeigen höhere Überlebenschancen“ (65 % sehr wichtig, 32 % wichtig). Die Gründe „Empfehlung von anderen Personen“ (11 % sehr wichtig, 16 % wichtig) und „Ich glaube nicht, dass mich meine Begleiter ausgraben können“ (9 % sehr wichtig, 15 % wichtig) waren die nächsten mit ähnlicher Wichtigkeit.

Abb. 4 Experimentelles Design des DCE

Auch wenn nur 4 % den Grund „Meine Freeride-/Tourenkollegen haben einen Airbag“ als sehr wichtig einstuften, nannten diesen immerhin 21 % als wichtigen Grund. Weniger als 10 % der Teilnehmenden bewerteten die Gründe „Damit ich alleine fahren kann“, „Um steilere Pisten zu befahren“ und „Ich möchte mehr Risiko eingehen können“ als wichtig oder sehr wichtig.

Allerdings bewerteten Airbag-Nutzende der Nervenkitzel-Suchenden-Gruppe den Grund „Ich möchte mehr Risiko eingehen können“ als signifikant wichtiger als die anderen Gruppen. Unter den Nicht-Besitzenden von Airbags (243 von 406) konnten die zwei Hauptgründe für den Verzicht auf den Kauf identifiziert werden: am wichtigsten waren die Kosten (28 % sehr wichtig, 35 % wichtig) und am zweitwichtigsten war das Zusatzgewicht der Airbags (19 % sehr wichtig, 24 % wichtig).

Alle anderen möglichen Gründe wie keinen Sicherheitsnutzen, Erhöhung der Risikobereitschaft waren von untergeordneter Bedeutung. Insgesamt berichteten 160 Airbagbesitzende über ihre Erfahrungen beim Skifahren außerhalb der Piste und über ihren Airbag-Besitz. Diese 160 Personen waren von 37 Lawinenereignissen erfasst worden, davon 20 (54 %) vor dem Kauf des Airbags und 17 (46 %) danach.

Kombiniert mit der jeweiligen Anzahl Jahre der Sportausübung resultierte eine jährliche Lawineninvolvierung von 0,016 ohne Airbags und 0,029 mit Airbags, was knapp keinem signifikanten Unterschied entspricht. Hingegen konnte bei den „Nervenkitzel-Suchenden“ gezeigt werden, dass sich die jährliche Lawineninvolvierung nach dem Kauf des Airbags statistisch signifikant von 0,006 auf 0,045 angestiegen ist.

Bevorzugtes Ski-Gelände

Aus dem DCE mit den 406 aktiven Skitourenfahrern oder Freeridern konnten verschiedene Modelle für die Geländepräferenzen hergeleitet werden. Bei der Berücksichtigung aller Sportlerinnen und Sportler unabhängig von der Verwendung eines Lawinenairbags im Gesamtmodell stellte sich die „Lawinengefahrenstufe“ als einflussreichste Variable heraus, wobei jeweils eine geringere Lawinengefährdung gegenüber höheren bevorzugt wurde.

Bei den Hangeigenschaften gaben die Teilnehmenden in der Regel baumdurchsetzten vor offenen Hängen und felsigen Rinnen den Vorrang. Weiter wählten die Teilnehmenden mäßig steile vor steilen und sehr steilen Hängen. Große Hänge wurden gegenüber mittleren und kleinen bevorzugt. Darüber hinaus präferierten sie selten befahrene Hänge vor gelegentlich oder regelmäßig genutztem Gelände.

Die Alternative, auf der Piste zu bleiben, wurde den präsentierten Varianten nur selten vorgezogen. Während der Vergleich von Airbagbesitzenden und Nicht-Besitzenden ähnliche Wahlverhalten zeigte (Abb. 4, Vergleich 1), waren trotzdem einige signifikante Unterschiede zu beobachten. In diesem Vergleich bevorzugten Nicht-Besitzende weniger steile Hänge und blieben eher im Skigebiet, lehnten also die präsentierten Hänge öfter ab, als die Airbagbesitzenden.

Wenn auch nicht statistisch signifikant, so ist es doch erwähnenswert, dass Airbagbesitzende beim Hangcharakter keine Präferenz zeigten, während Nicht-Besitzende Gelände mit Bäumen bevorzugten und felsige Rinnen ablehnten. Außerdem bevorzugten Besitzende große Hänge und Nicht-Besitzende mittlere. Es kann somit gesagt werden, dass unter unseren Probanden die Besitzenden von Airbags generell risikoreicheres Gelände wählten.

Das heißt allerdings noch nicht, dass dieser Effekt durch Benutzung des Airbags verursacht wird. Um dies herauszufinden, wurde das Wahlverhalten der Airbag-Besitzenden mit und ohne Airbag verglichen (Abb. 4, Vergleich 2). Es zeigten sich hier allerdings keine großen Unterschiede, sondern nur eine leichte, aber signifikante Präferenz für offenes Gelände, wenn die Airbagbesitzenden den Airbag trugen.

Im Vergleich 3 (Abb. 4) wurden Unterschiede der Geländepräferenzen bei Nicht-Besitzenden von Airbags untersucht, falls sie dann doch einen Airbag verwenden würden. In diesem Fall fielen die Präferenzen bei den Geländewahlen mit Airbags nicht mehr so konservativ aus. So verschwand ihre Vorliebe für baumdurchsetztes Gelände und ihre Abneigung gegen felsige Rinnen.

Tourengeher im Gelände mit Lawinen-Rucksack. Foto: argonaut.pro

Ein ähnliches Muster war bei den bevorzugten Befahrungsfrequenzen erkennbar, bei welchen sich die Abneigung gegen gelegentlich befahrene Hänge im Vergleich zu regelmäßig befahrenen mit der Verwendung eines Airbags in eine Vorliebe umkehrte.

Unsere Schlüsse und Empfehlungen

Die vorliegende Studie gibt aus verschiedenen Perspektiven einen Einblick in das Thema Risikokompensation von Lawinenairbags von Skitourenfahrern und Freeridern. Bei den Teilnehmenden unserer Umfrage wurde allgemein anerkannt, dass Lawinenairbags zu einem Risikokompensationsverhalten führen können, was selbst 82 % der Airbagbesitzenden bestätigten.

Unser Vergleich von Nicht-Besitzenden und Besitzenden von Lawinenairbags zeigte einige wichtige Unterschiede auf. So waren die Airbagbesitzenden älter, erfahrener, übten ihre Aktivität häufiger aus und verfügten über ein höheres Niveau der Skitechnik und Lawinenkunde. Auch waren die Airbagbesitzenden deutlich häufiger unter den Freeridern vertreten, die noch kurze Zusatzaufstiege auf sich nahmen, um zu ihren Abfahrten zu gelangen, als bei den anderen Gruppen.

Diese Beobachtungen legen nahe, dass Airbags im Allgemeinen von engagierten Skifahrern gekauft werden, die sich bewusst sind, dass sie sich einem höheren Risiko aussetzen. Die Ergebnisse unseres DCE bestätigten diese Schlussfolgerung, da die Besitzenden von Airbags in der Regel aggressivere Geländewahlen trafen, d.h. stärkere Präferenz für steilere und größere Hänge, Vorliebe für unbewaldete Hänge und stärkere Grundpräferenz für das Skifahren außerhalb der Pisten.

Diese Ergebnisse erhärten die Resultate von Wolken et al. (2014) und unterstützen die Vorstellung, dass sich die Besitzenden von Airbags wesentlich von Nicht-Besitzenden unterscheiden und sich bei ihren Skitouren oder Freeride-Abfahrten einem höheren Risiko aussetzen könnten. Zusätzlich zeigten die Ergebnisse des DCE, dass Airbagbesitzende etwas konservativere Geländeentscheidungen fällten, wenn sie das Gelände ohne Airbag-Benutzung auswählen mussten und Nicht-Besitzende zu etwas aggressiveren Geländeentscheidungen neigten, wenn sie einen Airbag zur Verfügung hatten.

Wir interpretieren diese Unterschiede in den Geländepräferenzen als einen möglichen Indikator für Risikokompensation bezüglich Airbags. Es ist allerdings schwierig einzuschätzen, wie sich diese beobachteten Präferenzmuster der experimentellen Entscheidungssituationen in die reale Welt übertragen lassen, da unser Experiment die emotionelle Intensität einer wirklichen Entscheidungssituation beim Freeriden kaum abzubilden vermag.

Da Risikokompensation primär auf der unterbewussten, emotionellen Ebene stattfindet, vermuten wir, dass die beobachteten Risiko-Kompensationsmuster in der Natur noch ausgeprägter ausfallen könnten. Ergänzend zu obigen indirekten Beweisen ergab unsere Analyse der Lawineninvolvierung bei Airbagbesitzenden vor und nach dem Kauf Hinweise darauf, dass eine Risikokompensation zumindest bei einer gewissen Gruppe stattfindet.

Bennie und sein Airbag haben Spaß. Foto: argonaut.pro

So nahm nach dem Kauf des Airbags die Involvierungsrate in Lawinenereignisse bei den Nervenkitzel-Suchenden von 0,006 bis 0,045 pro Jahr zu. Auch wenn Online-Umfragen über Lawinensicherheit gewisse Einschränkungen aufweisen, liefern die Ergebnisse unsere Studie zusammengefasst deutliche Hinweise darauf, dass Risikokompensation bezüglich Airbags wahrscheinlich ist.

Dies steht im Einklang mit der theoretischen Perspektive von Hedlund (2000), die argumentiert, dass Risikokompensation bei Sicherheitsausrüstungen wahrscheinlicher ist, wenn …

Es ist aber auch wichtig zu beachten, dass sich die Risikokompensation im Laufe der Zeit auch ändern kann. So können Benutzende wieder in frühere Verhaltensmuster zurückfallen, sobald sie sich an eine neue Sicherheitsausrüstung gewöhnt haben (Hedlund, 2000). Ist eine Risikokompensation mit Airbags also wahrscheinlich, muss die die Anschlussfrage lauten: „Spielt das eine Rolle?“

Wir nehmen an, dass Risikokompensation im Bergsport generell verbreitet ist, da es sich dabei um freiwillige Freizeitaktivitäten handelt, die grundsätzlich mit nicht-ausschließbaren Risiken verbunden sind. Es geht deshalb dabei immer um Risikooptimierung und nicht Eliminierung.

Das ist auch im Lawinenbereich so, wo Lawinenkundekurse und -notfallgeräte uns erlauben Touren durchzuführen, die wir uns sonst nicht zutrauen würden. Vor diesem Hintergrund ist die Risikokompensation bezüglich des Airbags also eigentlich nichts Neues. Damit wir allerdings nicht überkompensieren und Airbags richtig und bewusst einsetzen, müssen wir genau über deren Nutzen, Grenzen und potenzielle Risiken informiert sein.

Daher ermutigen wir Lawinenwarndienste, internationale Lawinensicherheitsgremien und Airbag-Hersteller, standardisierte Unfallerfassungsprotokolle zu entwickeln, um weiteres Wissen über die Wirksamkeit von Lawinensicherheitsgeräten zu erlangen. Zudem empfehlen wir das Thema Risikokompensation in Lawinenkursen zu diskutieren und in die Gebrauchsanweisungen von Lawinenairbags aufzunehmen.

Interessierte Leserinnen sind eingeladen, die vollständige Beschreibung unserer Studienergebnisse online im Journal of Outdoor Recreation and Tourism nachzulesen. Dank Wir danken allen Teilnehmenden der Umfrage und insbesondere auch allen Organisationen, die unsere Studie mit der Veröffentlichung der Befragung auf ihren Webseiten unterstützt haben.

Literatur