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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Wenn’s wärmer wird, sollten wir vielleicht die Taktik ändern?

Alpine Gefahren wie Steinschlag, Lawinen, Muren und Hochwasser sind nichts Neues. Schon im Buch „Die Gefahren der Alpen“ aus dem Jahr 1908 gehen Emil Zsigmondy und Wilhelm Paulcke detailliert auf die Gefahren durch Steinschlag und Lawinen ein. Ganze Kapitel widmen sie den Gesteinsarten, dem Gebirgsaufbau, der Bergform und der Verwitterung. Genauso wie im „Gefahrenbuch des Bergsteigers und Skiläufers“ von Wilhelm Paulke aus dem Jahr 1942.

Auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem „Erkennen von Steinschlaggelände“ und der Anwendung entsprechender Taktik. Wer die Ausbildung zum Bergführer machte, musste sich durch das „Lehrbuch für Bergführer“ des damaligen D.u.Oe. Alpenvereins aus dem Jahr 1930 arbeiten. Die Anwärter erhielten zusätzlich zu den heute bekannten Schwerpunkten eine fundierte Ausbildung in Erd- und Naturkunde sowie den Gebirgsgruppen.

Massenbilanz des Hintereisferners in kg/m2 seit 1952. Das jeweilige Haushaltsjahr wird vom 1.10. bis 30.9. gewertet. 1984 konnte das letzte Mal eine kleine positive Bilanz von 32 kg/m2 verzeichnet werden. Quelle der Daten: Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften, Universität Innsbruck.

Eine besonders unberechenbare Gefahr nicht nur für den Bergsteiger, sondern für ganze Täler stellen um 1885 die Gletscher dar. Im Büchlein „Alpingeschichte kurz und bündig – Bergsteigerdorf Vent“ hat Autor Hannes Schlosser die Ortschroniken durchforstet und fasst zusammen: „Ab Oktober 1844 rückte die Zunge des Vernagtferners den ganzen Winter über kontinuierlich vor und erreichte am 1. Juni 1845 die Rofenache.

Während der folgenden zwei Wochen waren es zwölf Meter täglich, bisweilen zwei Meter in der Stunde – die Bewegung des Gletschers war mit freiem Auge erkennbar! Am 14. Juni entleerte sich der riesige aufgestaute See innerhalb einer Stunde. Von den 21 Brücken bis ins rund 40 km entfernte Umhausen im mittleren Ötztal blieben nur drei stehen. Die Schadenssumme machte 400.000 Gulden aus.(…) Danach (Anm. nach 1847) stauten die Eismassen erneut einen riesigen See auf (…). Am 13. Juni 1848 brach der Damm und die Flutwelle erreichte Innsbruck in neun Stunden (…). Die letzten Eisreste in der Rofenschlucht waren erst 35 Jahre später geschmolzen.“

In den letzten 150 Jahren haben wir die Berge „erobert“ und glauben, sie zumindest teilweise gezähmt zu haben. Dort, wo der Schutzwald nicht ausreicht oder nicht vorhanden ist, schützen wir unsere Infrastrukturen durch Steinschlagnetze, Lawinenverbauungen, Galerien, Tunnels und aufwändige Wildbachverbauungen. Durch das Gebirge zieht sich ein Netz an Wegen und Hütten, Almen, Material- seilbahnen, Klettersteigen, Aussichtsplattformen und Thementafeln, für den Wintersport wurden ganze Gebirgsgruppen industrialisiert und so gut wie jeder Bach wird für die Energiegewinnung genutzt.

Die Statistik Austria spricht von jährlich rund 226 Millionen Übernachtungsgästen im Alpenraum. Natur aber ist in stetem Wandel und lässt sich nur bedingt in Bahnen leiten. Aktuell scheint es zudem, als würden sich Naturereignisse nicht nur häufen, sondern auch verstärken. Dass der Klimawandel hier eine bedeutende Rolle spielt, kann heute durchaus mit Gewissheit gesagt werden, auch wenn nicht jedes Einzelereignis automatisch mit der Erderwärmung zu tun hat. Relativiert werden muss unser Eindruck zudem dadurch, dass die Medien uns jedes Ereignis, im Besonderen mit Sach- oder Personenschäden, fast in Echtzeit kundtun, egal wo auf der Welt es stattfindet.

Caroline North

Portrait Caroline North, Bergführerin und Profialpinistin.
Caroline North, 32 Jahre, ist Bergführerin und Profialpinistin, die je ein halbes Jahr in der Schweiz und ein halbes Jahr in Patagonien verbringt. Foto: Ramona Waldner

„In Patagonien wird es immer trockener, die Gletscher sind immer früher blank und es wird viel wärmer. Teilweise sind wir im November im T-Shirt geklettert. Unfälle mit Steinschlägen häufen sich, Zustiege und Abstiege werden gefährlicher bzw. durch Umwege deutlich länger. Der klassische Abstieg vom Fiz Roy etwa ist stark dem Steinschlag ausgesetzt und daher sehr gefährlich.

Touren werden schon in der Planung anspruchsvoller, weil man schwieriges Moränengelände umgehen, die Spaltenproblematik berücksichtigen und vor allem auch das Wetter mit den Temperaturen streng im Auge behalten muss. Es gibt Zeitfenster, die sind extrem gefährlich, im Besonderen, wenn es warm ist. Auch ist es traurig zu sehen, wie sich die Gletscher selbst in Patagonien immer weiter zurückziehen.

Diese Veränderungen beschäftigen mich sehr und ich frage mich, ob ich in einigen Jahren überhaupt noch bergführen werde können. Ich hinterfrage zunehmend meinen eigenen Lebensstil, reduziere die Flüge zwischen der Schweiz und Patagonien auf ein Minimum und suche alternative Reisemöglichkeiten für meine Expeditionen.

Um eine Erstbesteigung in Grönland zu machen, habe ich mich im letzten Jahr auf ein großes Abenteuer eingelassen: Wir sind nach Grönland gesegelt. Das bedeutete 100 Tage auf stürmischer See – wir wussten nicht, ob wir es überhaupt schaffen würden – und 10 Tage Grönland. Die Erstbesteigung der 700-Meter-Wand glückte, aber der Segelturn wird mir wohl am längsten in Erinnerung bleiben.“

Zeichen des Klimawandels

Seit 1950 nehmen die Veränderungen im globalen Klimasystem deutlich zu. Ein Zusammenhang mit durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen ist durch das verbesserte Verstehen von Klimaprozessen und paläoklimatische Nachweise eindeutig. Es kommt zu einer Erwärmung der Atmosphäre, der Landmassen und der Ozeane, die weitreichende Veränderungen nach sich zieht. Längst spüren auch wir in Europa und ganz besonders in den Alpen, dass der Klimawandel begonnen hat.

Während die globale Mitteltemperatur im Vergleich mit 1850–1900 um 1,1 °C gestiegen ist, steigt sie in Gebirgsregionen zwei- bis dreimal so schnell. Die wärmsten Jahre seit Beginn der Messgeschichte liegen alle in den 2000er-Jahren. Und ja, die oben erwähnten Beispiele stehen nicht immer, aber sehr oft in direktem oder indirektem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Meist ist es ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, die zur Verstärkung einzelner Prozesse führen:

Das „World Glacier Monitoring Service“ sammelt seit mehr als einem Jahrhundert standardisierte Daten zu Gletscherschwankungen in mehr als 30 Ländern. Auch die Daten des Gletschermessdienstes des Alpenvereins, der seit 1891 besteht, fließen hier ein. Die Trendlinie geht drastisch nach unten, der Gletscherrückgang ist ein weltweites Phänomen. Gletscher sind allerdings kein Frühwarnsystem, sondern bilden das ab, was sich in der Atmosphäre abspielt.

Die Massenbilanz ergibt sich aus der Formel: Akkumulation minus Ablation. Ein Gletscher befindet sich mit dem Klima im Gleichgewicht, wenn die Akkumulation (der Schnee- und Eiszuwachs) auf der Gletscheroberfläche gleich groß ist wie die Ablation (Abschmelzen). Ist die Ablation höher, verliert der Gletscher an Masse. Der „Glacier Loss Day“ ist jener Tag im Jahr, an dem die Massenbilanz ins Minus rutscht. Dieser Tag rückt kontinuierlich weiter nach vorne.

Im Jahr 2022 war er mit dem 22. Juni, also noch vor dem Sommer, erreicht. „Der Hintereisferner im Ötztal wird in den kommenden 15 Jahren rund 50 % seines heutigen Volumens verlieren, bis zum Ende des Jahrhunderts wird er verschwunden sein“, so Rainer Prinz vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck. Durch den Rückgang der Gletscher wird neues Land „frei“. Die Natur erobert sich dieses sukzessive zurück und trägt damit langsam zu einer Stabilisierung des losen Materials bei.

Es wird grüner in den Bergen und in den Mulden entstehen neue Seen. Allerdings geht auch von diesen eine Gefahr aus, denn meistens besteht der Damm aus Moränenmaterial. Bricht der Damm, kommt es zu heftigen Murabgängen, die bis weit in die Täler dringen können.

Der Anstieg der Temperaturen wirkt sich auch auf den Gebirgspermafrost aus. „Während die Permafrostgebiete in den nördlichen Breitengraden gut erforscht sind, ist der Gebirgspermafrost wenig bekannt. Es gibt keine ‚Wissenshistorie‘, wie das in anderen Gebieten der Glaziologie der Fall ist. Gerade einmal 25 bis 30 Topexperten weltweit, davon keiner aus den USA, beschäftigen sich mit dem Gebirgspermafrost“, so Jan Beutel von der Technischen Universität Innsbruck, Informatiker und Bergführer.

Sein Freiluftlaboratorium ist vor allem das Matterhorn in der Schweiz. „Heute wissen wir zumindest, dass die Häufigkeit für Felssturzereignisse im Hochgebirge zunimmt, flächendeckend belastbare Zahlen gibt es aber noch nicht. Der Rückgang von Eis und saisonaler Schneebedeckung sind neben dem auftauenden Permafrost maßgebliche Faktoren für die vermehrt beobachtete Steinschlagaktivität, unter anderem, da mehr Boden direkt der Witterung ausgesetzt ist.“

Aber nicht immer ist der tauende Permafrost schuld, denn wo kein Permafrost ist, kann dieser auch nicht für den Verlust von Stabilität verantwortlich sein. „Der Riss im Hochvogel wurde nicht durch den Klimawandel ausgelöst. Die aktuell rasche Vergrößerung kann aber als ‚climate change related‘ bezeichnet werden. Das heißt, Starkniederschlagsereignisse sowie rasche Frost-Tauwechsel tragen dazu bei, dass der Riss immer größer wird“, so Johannes Leinauer vom Lehrstuhl für Hangbewegungen der Technischen Universität München und Mitarbeiter im Projekt AlpSenseRely rund um Projektleiter Michael Krautblatter.

Tatsächlich kann man heute mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass Extremwetterereignisse gehäuft auftreten und sich dieser Trend in Zukunft deutlich verstärken wird, mit all seinen negativen Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft, die Funktionsfähigkeit des Schutzwaldes, die Lebensmittelsicherheit und die Trinkwasserversorgung. Warum Extremwetterereignisse aber zunehmen und Gewitterzellen oder auch Hitzeperioden mitunter länger an einem Ort „stehen“ bleiben, erklärt Klimaforscher Georg Kaser im bergundsteigen-Interview in der Ausgabe #121 folgendermaßen:

„In der Arktis ist es bereits um 4–6 Grad wärmer geworden, in den mittleren Breiten aber im Mittel erst um 1 bis 1,5 Grad. Das heißt, der Temperaturgradient ist kleiner geworden und damit verliert die Antriebsfeder für die Westwinde ihre Kraft. Gleichzeitig sind aber mehr Wasser und mehr Energie in der Atmosphäre. Das Zusammenspiel von verstärkten vertikalen und abgeschwächten horizontalen Effekten nimmt also aktuell eine unglückselige Entwicklung.“

Wissenschaftler Jan Beutel in seinem Freiluftlabor am Matterhorn. Seit 2006 wird es mit verschiedenen Methoden streng überwacht. Foto: PermaSense project

All diese einzelnen Faktoren spielen zusammen. Der Gletscher hinterlässt viel loses Material, das bei Starkniederschlägen mitgerissen wird. Wo früher Eis ganze Felsflanken stützte, ist heute kein entsprechendes Widerlager mehr vorhanden. Zudem erwärmt sich der blanke Fels bei Sonneneinstrahlung stark und Temperaturrekorde selbst in hohen Lagen führen nicht einmal mehr in der Nacht zu einer richtigen Abkühlung.

Der Permafrost taut, Wasser dringt tief in die Ritzen und Spalten ein und sprengt den Felsen. Weniger Schnee und Eis bedeutet mehr unbedeckter Boden. Heftige Nie- derschläge und rasche Frost-Tau-Wechsel begünstigen die Verwitterung zusätzlich. Die Schüttung von Quellen geht durch eine geringe Schneebedeckung im Winter zurück. Fällt Regen zudem als Starkniederschlag, fließt das Wasser so rasch oberflächlich aus dem Gebiet ab, dass es vom Boden nicht gehalten werden kann.

Beispiele Jüngster Ereignisse

Die Mutthornhütte, wie sie hier 2007 steht, ist Geschichte. Aufgrund der akuten Steinschlaggefahr wird sie an einem anderen Standort neu errichtet. Foto: SAC

Die Tuoi-Hütte könnte bei einem Felssturz am Piz Buin Pitschen vor allem in Kombination mit winterlichen Verhältnissen durch die Druckwelle beschädigt werden. Foto: Dominik Täuber, Scuol Tourismus

Simone Bürgler

Simone
Bürgler bei der Traverse der Grandes Jorasses.
Simone Bürgler, 42 Jahre, ambitionierte Hobbyalpinistin (keine Sponsoren) aus der Schweiz. Früher im Skilanglauf wettkampfmäßig unterwegs, hat sie sich erst mit Ende 20 ganz dem Bergsport mit all seinen Disziplinen verschrieben. Auf ihr Ziel, alle 82 Viertausender der Alpen zu besteigen, fehlen ihr nur noch 12. Foto: Holgmer Ullrich

„Die aktuellen Veränderungen am Berg sind so massiv, dass man sie innerhalb der eigenen Tourenkarriere beobachten kann. Bekannte Touren sind nicht mehr dieselben, ihr Charakter verändert sich. Zudem hatten wir jetzt den zweiten Winter in Folge mit sehr wenig Schnee. Skitouren und Hochtouren sind nicht mehr wie früher.

Generell werden die meisten Touren schwieriger, weil etwa Randspalten größer werden, Sicherungspunkte am Fels können nicht mehr erreicht werden, Firnfelder verschwinden und legen oft brüchigen Fels frei oder werden eisig. Leichter wird hingegen die Besteigung des Piz Scerscen im Engadin, da die Eisnase flacher wird. Andere Touren werden einfacher, weil der Gletscher schwindet und man keine Gletscherausrüstung mehr braucht.

Ob eine Tour machbar ist oder nicht, hängt unter anderem von den aktuellen Wetterbedingungen ab. Skihochtouren lasse ich aktuell wegen der akuten Spaltengefahr aus. Bei lang anhaltenden Hitzeperioden gehe ich keine Tour, die als steinschlaggefährdet bekannt ist. Auch auf die Mutthornhütte wäre ich gerne mal gegangen, aber sie ist aktuell wegen Felssturzgefahr geschlossen.

Der Klimawandel beschäftigt mich natürlich. Ich habe das Glück, dass ich sehr nahe an den Bergen wohne. Für mich selbst habe ich beschlossen, keine Langstreckenflüge und höchstens einmal im Jahr einen Kurzstreckenflug zu machen und, wo immer es möglich ist, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Ich schränke meinen Konsum ein, gehe auf Outdoor-Flohmärkte und repariere lieber, als neu zu kaufen. Außerdem habe ich gelernt, dass es mich nicht glücklich macht, stur ein Ziel zu verfolgen. Heute bin ich viel flexibler. Ich reserviere ein Zeitfenster, entscheide dann aber spontan, was möglich ist.“

Die alte Seethaler Hütte stand 86 Jahre auf solidem Untergrund, bis sich 2015 unter ihr drei Dolinen auftaten. Die alte Hütte wurde gänzlich abgetragen und ein moderner, funktionaler Ersatzbau errichtet. Fotos: Christina Schwann

Es mag überraschend klingen, aber auch in den Bergen kann es zu Wassermangel kommen. Die Schlagzeile: „Schutzhütte ohne Wasser: Neue Prager Hütte musste schließen“ (Der Standard, 23.08.2022) machte letzten Sommer aber nur auf ein vermeintlich neues Problem im Alpenraum aufmerksam.

„Wassersparen war und ist immer schon oberstes Gebot auf den Hütten der Alpenvereine“, sind sich Georg Unterberger, ÖAV, und Robert Kolbitsch, DAV, einig. Besonders im Karst sei die Wasserversorgung immer schwierig. Im letzten Sommer zeigte sich aber, dass auch Hütten im Urgestein, wie eben die Neue Prager Hütte oder die Bonn-Matreier Hütte im Venedigergebiet sowie auch die Wangenitzsee-Hütte in der Schobergruppe, Probleme mit der Trinkwasserversorgung hatten.

Da viele Hütten über eigene kleine Wasserkraftwerke verfügen, bedeutet Wasserknappheit übrigens sehr oft auch Engpässe in der Energieversorgung. Im Sommer 2023 dürfte sich die Situation aufgrund der geringen Schneebedeckung im Winter verschärfen. Martin Niedrist vom AVS schließt nicht aus, dass auch Hütten in Südtirol betroffen sein werden.

Auch die Trifthütte – hier auf dem Bild – gibt es so nicht mehr, nachdem 2021 eine Lawine die Hütte stark beschädigt hat. Der Sommerweg zur Trifthütte wird zurzeit nicht gewartet und ist daher gesperrt. Foto: Elio Stettler, SAC

Außergewöhnlich viel Gesteinsmaterial wurde 2012 durch ein Unwetter im hinteren Valsertal, Zillertaler Alpen, talwärts geschoben und zerstörte die Materialseilbahn der Geraer Hütte. Foto: DAV-Sektion Landshut

Unerwartet große Lawinenabgänge zerstörten im Jänner 2019 die Totalp-Hütte in Vorarlberg und 2021 die Trifthütte im Kanton Bern. Die Totalphütte wurde bereits wieder neu und stabiler aufgebaut, die Trifthütte soll an einem neuen Platz neu errichtet werden.

Durch Murabgänge weggerissene Materialseilbahnen wie jene der Geraer Hütte im Jahr 2012 in den Zillertaler Alpen oder unpassierbare Zustiege und Anfahrtswege wie zur Franz-Senn-Hütte im Stubaital im Jahr 2022 haben Versorgungsengpässe zur Folge, abgesehen von den hohen Kosten des Wiederaufbaus. „Bei uns wird der Sommer zunehmend zur schwierigeren Saison“, so Thomas Fankhauser, Hüttenwirt der Franz-Senn-Hütte. In den Sextner Dolomiten verlegte eine Mure den Zustieg zur Dreischusterhütte.

Außergewöhnlich viel Gesteinsmaterial wurde 2012 durch ein Unwetter im hinteren Valsertal, Zillertaler Alpen, talwärts geschoben und zerstörte die Materialseilbahn der Geraer Hütte. Foto: DAV-Sektion Landshut

Anpassungsstrategien

Eigens eingerichtete Forschungsstellen wie das Institut für Naturgefahren in Innsbruck, Landesgeologen, die Wildbach- und Lawinenverbauung, der Lehrstuhl für Hangbewegungen der TU-München oder das SLF in der Schweiz unter anderem mit den Schwerpunkten Naturgefahren und Permafrost und viele mehr haben alle ein Ziel vor Augen: „Unsere Aufgabe ist es, die Grundlagenforschung voranzutreiben und Methoden zu entwickeln, mit denen wir zuverlässige Aussagen treffen können“, so Jan Beutel.

Es gilt, kritische Bereiche zu erkennen und geeignete Maßnahmen abhängig vom Schutzziel zu setzen. Neben Felswänden oberhalb von Verkehrswegen und Siedlungsraum stehen vor allem auch die großen Stauseen der Wasserkraftwerke unter strenger Beobachtung. Die Ängste der Bevölkerung vor Hangrutschungen und dadurch ausgelösten Flutwellen ist zurzeit im Kaunertal in Tirol besonders präsent, da an den Flanken des bestehenden Speichers Gepatsch vermehrt kleine Rutschungen zu beobachten sind.

Auf Anfrage versichert der Energieversorger TIWAG, dass die Flächen rund um das Kraftwerk Kaunertal zu den am besten überwachten Regionen in Tirol gehören, um mögliche Hangrutschungen frühzeitig zu erkennen. Aktuell gebe es aber auf Basis der Beobachtungen sowie entsprechender Gutachten keinen Grund, von einer akuten Gefahr auszugehen.

Aber auch begehbare Klammen, Freizeitparks, Aussichtsplattformen und Skigebiete haben die Geologen im Auge und die massiven Veränderungen im Hochgebirge setzen nicht zuletzt Gletscherskigebieten zu: „Das Gelände wird nicht insgesamt instabil, aber im Bereich der Grate kommt es durch das fehlende Widerlager und das Abschmelzen des Permafrosts zu erhöhter Felssturzgefahr.

Die Grate stehen daher unter ständiger Beobachtung und wir müssen auch regelmäßig kleinräumige Stabilisierungsmaßnahmen setzen“, so Reinhard Klier, Vorstand der Wintersport AG, zur Situation im Skigebiet Stubaier Gletscher. Neben vielen anderen Projekten soll hier noch das Projekt RAGNAR genannt sein. Es stellt ein praktisches und einfach zu handhabendes Tool für die „Risikoanalyse von gravitativen Naturgefahren im alpinen Raum“ dar und gibt Wegerhaltern ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie selbst Risiken beurteilen und entsprechend angepasste Maßnahmen setzen können.

Die Berge können aber nicht zu 100 % sicher gemacht werden. Auch nicht jene, die gut vermarktet werden – wie etwa das Matterhorn. Eigenverantwortung und der Umgang mit einem gewissen Restrisiko gehören zum Bergsport dazu. Wer abseits des Mainstreams unterwegs ist, weiß aber ohnehin, dass alpine Gefahren jeden Tag neu beurteilt werden müssen. Wie schon Zsigmondy und Paulcke in ihren Büchern schreiben, sollten der Bergsteiger und die Bergsteigerin in der Lage sein, Gefahren zu erkennen und einzuschätzen.

Eine Tour kann gefährlich sein oder auch nicht. Gefährlicher wird sie nur durch den Vergleich, was aber für diesen Tag, hier und jetzt, irrelevant ist. Erscheint das Risiko zu hoch, muss eine andere Variante, eine andere Tour gewählt werden – oder man bleibt einfach entspannt zu Hause, dann ist das Risiko – zumindest am Berg zu verunglücken – gleich null.

Für Caroline North und Simone Bürgler ist klar, wenn die Bedingungen nicht gut sind, dann wählen sie eine andere Tour, nehmen einen längeren An- oder Abstieg in Kauf oder ändern die Sportart – sprich, gehen klettern, wenn Hochtouren zurzeit keine gute Wahl sind. Auch Bergführer und Bergsteigerschulen kommen in Zugzwang und müssen ihr Angebot zum Teil an neue Gegebenheiten anpassen. „Der Normalweg auf den Großglockner verändert sich.

Es wird steiler und schwieriger, es muss mehr geklettert werden. In der kommenden Saison werden wir bei ungünstigen Bedingungen nur noch mit zwei Gästen am Seil gehen“, so Vittorio Messini, Bergführer in Kals am Großglockner. Durch den Bau von Klettersteigen auf solidem Fels gebe es aber immer mehrere Optionen, sodass die Besteigung des Großglockners selbst nicht gefährdet sei. Etwas anders ist es im Stubaital: „Die Besteigung des Zuckerhütls ist im Sommer aufgrund von vermehrtem Steinschlag einfach zu gefährlich.

Wir stellen unser Tourenprogramm gemäß den aktuellen Bedingungen um und wollen das Gesamterlebnis Berg wieder mehr in den Mittelpunkt rücken“, so Matthias Knaus, Stubaier Bergführer, der damit auch versucht, gängige Marketingstrategien wie etwa die „Seven Summits“, die man unbedingt besteigen muss, zu durchbrechen. Eine Rückkehr zu alten Tugenden wie Geduld und Achtsamkeit wäre in vielen Bereichen nicht von Nachteil.

Von der Franz-Senn-Hütte in den Stubaier Alpen sind kaum noch Gletscher zu sehen. Dafür wird das Tal zunehmend grüner. Foto: Christina Schwann

Allein ÖAV, DAV und SAC sind gemeinsam im Besitz von 704 Hütten und Biwaks, in Südtirol befinden sich weitere 96 Schutzhütten, wovon 11 der AVS betreibt. Dazu kommen zahlreiche Hütten anderer alpiner Vereine, unzählige private Almen und Gasthäuser. Im Laufe der Jahre wurden nicht nur die behördlichen Auflagen hinsichtlich Hygiene, Brandschutz und Arbeitsrecht immer strenger, auch die Hüttenbetreiber, sprich die Sektionen bzw. private Eigner, gaben einer gestiegenen Nachfrage nach immer mehr Luxus nach. Warme Duschen, 3-Gänge-Menü mit Salatbuffet, Bettwäsche und Ladestationen für Mobiltelefon, Laptop und E-Bike sind auf vielen Hütten Standard.

Wasser- und Energieverbrauch sind also vielerorts massiv gestiegen. „60 bis 70 % des Wassers laufen die Toilette hinunter“, sagt Robert Kolbitsch und setzt noch eines drauf: „Der Luxuswahnsinn auf den Hütten muss aufhören.“ „Die Erschließung neuer Quellen, der Bau von größeren Zisternen, die Sammlung von Regenwasser sowie die vermehrte Aufrüstung mit Photovoltaik wird überall dort gemacht, wo es unbedingt notwendig, möglich und finanzierbar ist.

Die Bewusstseinsbildung für einen sparsamen Umgang mit Wasser und Energie ist aber oberste Prämisse“, so Georg Unterberger. Mit den Auswirkungen des Klimawandels umzugehen sei man bereits seit über einem Jahrzehnt „gewohnt“. Die Kosten für die Instandhaltung von Wegen und Hütten würden aber kontinuierlich steigen. „Allein die Mittel für den ÖAV-Katastrophenfonds mussten in den letzten fünf Jahren vervierfacht werden.“

Höchste Zeit umzudenken. Eine gemeinsame Hüttenstrategie von ÖAV und DAV soll in Zukunft zu einer deutlichen Reduktion des Angebotes führen. Der SAC geht sogar noch einen Schritt weiter und überprüft mit der eben angelaufenen Studie „Hütten 2050“ jeden einzelnen Hüttenstandort auf Attraktivität, Sicherheit und Rentabilität. „Die Studie soll als Grundlage der zukünftigen Beratung unserer Sektionen in Bezug auf sinnvolle und nicht mehr sinnvolle Investitionen dienen“, so Bruno Lüthi vom SAC.

Resümee

Der Klimawandel stellt eine ernste Bedrohung für die gesamte Menschheit dar. Es geht um Lebensmittelsicherheit, Trinkwasser, Lebensraum – also um die essentiellen Grundlagen unserer Existenz. Wir können uns nicht länger in den Bergen verstecken. Das funktioniert in einer globalisierten Welt sowieso nicht und zunehmend auch nicht mehr in unseren Bergen, die mit vermehrter Dynamik auf eine immer wärmer werdende Erde reagieren.

Schneller, besser, größer hat uns dahin gebracht, wo wir heute sind. Aber anstatt nach links und rechts zu schauen, um einen besseren Weg zu finden, halten wir stur an der vorgegebenen Route fest, selbst wenn uns die Steine schon auf den Kopf fallen. Schließlich geht es um die vermeintlichen „Must-haves“, komme, was wolle. Wie war das noch mal bei Zsigmondy und Paulcke mit der Beurteilung des Geländes, der Einschätzung von Gefahren, Selbstreflexion und Eigenverantwortung?

Im Bergsport sind wir gefordert, unsere Umgebung so wahrzunehmen, wie sie ist, und nicht, wie sie vielleicht einmal war. Jede Route für sich muss auf ihre Machbarkeit überprüft werden, und ist sie objektiv zu gefährlich, muss man eben die Taktik ändern, Alternativen finden, umkehren oder schlicht darauf verzichten. Im echten Leben ist es nicht anders. Wenn es zu gefährlich wird, sollten wir unseren Verstand einschalten und mit Neugierde neue, alternative Wege beschreiten.

„Vielleicht ist das die Jahrhundertchance“, Jan Beutel glaubt daran, dass jetzt die Zeit reif ist, um Stakeholder aus Wissenschaft und Politik zusammenzubringen und einen gesellschaftlichen Wandel einzuleiten. Letztendlich liegt es an uns allen, flexibel auf Veränderungen zu reagieren und Verzicht und Reduktion nicht primär negativ zu werten, sondern – im Gegenteil – darauf zu vertrauen, dass gerade ein „Weniger“ das Leben bereichert.