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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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verhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn

Die Vorgeschichte ist rasch erzählt: Extrem schlechte Verhältnisse rund um den Mont Blanc gaben den Ausschlag, die Karwoche 2023 in der südlichen Ortlergruppe zu verbringen. Wir waren sechs – Familie, Freunde, privat und kennen uns gut von gemeinsamen Touren. Start in Sulden, mit der Bergbahn zur Schaubachhütte, Aufstieg zur Suldenspitze. Das Ziel an diesem ersten Tag war das Rifugio Pizzini.

Am Schrötterhorn: Sechsmal Gipfelglück der besonderen Art (hinten die Königspitze). Foto: Michael Larcher

Kurz vor der Suldenspitze, auf der Janinger Scharte (3323 m), machte ich den Vorschlag, noch zu Fuß einen Ausflug aufs Schrötterhorn (3386 m) zu machen. Eine unschwierige Gratwanderung, 60 Höhenmeter, knapp 400 Meter horizontal. Das Wetter war gut, kein Zeitdruck und eine gute Gelegenheit, uns an die Steigeisen zu gewöhnen. Da war eine Spur! Die frische Skispur eines Einzelnen, die sich über den Grat zog (nur ein Teil des Gratverlaufs ist von dem Joch einsehbar).

Also – Skidepot, Steigeisen an und los ging’s. Ich ging als Letzter – auch um Tipps zur Steigeisentechnik zu geben (Motto: Steigeisen sind auch Stolperfallen). Eine erste Grathöhe war erreicht, dann ging’s leicht abfallend weiter, ein Vorgipfel war markant, links dahinter der Hauptgipfel. Ich war noch immer an letzter Position, machte Fotos.

Unterwegs am Schneegrat zum Schrötterhorn (ganz hinten die Königspitze). Kurz unterhalb des Gipfels ist der Einzelgänger Christian zu erkennen und ein Stück der Abbruchkante der Wechte. Foto: Michael Larcher

Der immer wieder nach vorne über den Gratverlauf schweifende Blick ließ mich keine Gefahr erkennen. Am Vorgipfel, von dem wir das erste Mal das letzte Gratstück einsehen konnten, warteten alle zusammen. Als ich aufschließe, ist es mucksmäuschenstill. Wir sahen nun den Einzelgänger oben am Gipfel. Und wir sahen die gebrochene Wechte, die Kante zum Abgrund messerscharf, wie von einem Riesen abgeschnitten. Das allein wäre schon eindrucksvoll gewesen, aber sicher noch kein Grund, dankbar an Schutzheilige zu denken.

Doch da war diese Skispur, die unten an der Abbruchkante endete und sich erst oben – ca. 15 Meter entfernt – wieder fortsetzte. Dazwischen gähnender Abgrund. Erleichterung und Staunen, dass ein Mensch so viel Glück haben kann. „Der feiert gerade seinen zweiten Geburtstag“ – hat das jemand gesagt oder ging mir das nur durch den Kopf?

Am Vorgipfel wird das letzte Gratstück zum ersten Mal einsehbar. Foto: Michael Larcher

Nicht nur die Interpretation des Spurverlaufs machte klar, dass hier jemand unglaubliches Glück gehabt hatte, wir sahen den Einzelgänger auch am Gipfel stehen. Zu einem Zusammentreffen – wir stiegen dann noch in einem weiten Linksbogen zum Gipfel auf – sollte es nicht kommen, da er den Grat noch ein Stück weiterverfolgte, um dann nordseitig nach Sulden abzufahren.

Das war’s. Vorerst. Für mich heute erstaunlich ist, wie lange es gedauert hat, bis mir dieser Beinaheunfall in seiner ganzen Bedeutung bewusst geworden ist: Hätten wir die Gefahr erkannt? Was, wenn der Einzelgänger die Wechte nicht ausgelöst hätte? Wären wir der Spur weiterhin gefolgt? Vielleicht sogar dicht aufgeschlossen? Nicht viel Fantasie ist notwendig, um sich den Worstcase vorzustellen: Wir sechs stapfen sorglos und gut gelaunt der Spur entlang, nicht ahnend, dass es unsere letzten Meter sein werden (mit dabei sind auch mein Sohn und mein Bruder).

Der Pfeil markiert die Stelle, an der Christian die Skier ausgezogen hat. Foto: Josef Rauch

Feber 2024

„Glaubt ihr, dass – wenn die Wechte durch den Einzelgänger gerade noch nicht gebrochen wäre – glaubt ihr, dass wir die Gefahr erkannt und einen ausreichend großen Abstand gehalten hätten oder wären wir der Spur gefolgt? Diese Frage stelle ich uns allen acht Monate später.

Elisabeth (32): Vermutlich wären wir der Spur nachgegangen. Allerdings, wenn ich mir jetzt das Foto noch einmal anschaue und mir überlege jetzt auf der Kuppe zu stehen, würde ich zu meinen Tourenpartnern sagen, dass die Spur gefühlt zu weit am Grat führt und dass es mir recht wäre weiter links davon eine neue Spur anzulegen. Da wir aber Abstand zueinander hielten ist fraglich, ob Josef überhaupt auf der Kuppe gewartet hätte und es zu einer Absprache gekommen wäre. Aber ja, im Nachhinein ist man immer klüger.

Josef (35): Ich hätte die Gefahr nicht erkannt. Ich bin der Spur bis zu diesem Moment gefolgt und habe diese zuvor schon als konservativ und sicher (auch gegen Wechten) eingeschätzt. Hätte ich selbst gespurt, wäre ich kaum anders gegangen, auch im Bereich der dann gebrochenen Wechte nicht. Danke für deine Fragen, sehr anregend, sich zu hinterfragen.

Martin (55): Ich bin mir eigentlich zu 100 Prozent sicher, dass ich ohne diese Erfahrung der Skispur gefolgt wäre. Vielleicht wäre ich doch etwas weiter links gespurt, wenn ich die erste Spur gezogen hätte? Trotz dieser Erfahrung kann ich mir nicht sicher sein, mich so einer Gefahr zu entziehen. Fällt wohl auch in die Kategorie Schicksal oder so?

David (32): Ich war an diesem Tag durch Corona angeschlagen und deshalb nicht sehr aufmerksam. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Gefahr gesehen hätte. Vielleicht hätte ich – wenn noch keine andere Spur vorhanden gewesen wäre – die Spur etwas tiefer angelegt, aber dass ich sie so tief angelegt hätte, wie es tatsächlich nötig gewesen wäre und wie wir es dann auch gemacht haben, glaube ich, ehrlich gesagt, nicht. Als Vierter der Gruppe hätte ich wahrscheinlich nichts bemerkt, sondern wäre den anderen der Spur entlang gefolgt. Ich denke, dass ich in Zukunft in ähnlichen Situationen vorsichtiger sein werde, wie z. B. heuer auf der Marchreisenscharte – dort dürfte auch eine größere Wechte in Richtung Schlick gewesen sein. Ich bin dort bewusst sehr weit vom Rand weggeblieben.

Fabian (34): Erst zurück am Skidepot oder sogar erst über die nächsten Tage und Wochen wurde mir bewusst, dass wir genau gleich viele Schutzengel hatten wie dieser Mann. Denn ich bin mir sehr sicher, dass wir dieser Spur bis zum Gipfel gefolgt wären. Es war meiner Meinung nicht einzusehen, dass diese Wechte so weit hinausragte. Die Spur des Mannes war nicht fahrlässig, extranah am Abgrund, sondern geschätzt ca. drei Meter weiter hineingesetzt.

Michael (ich, 64): Die Frage, ob ich die Gefahr erkannt hätte, provoziert meinen Bergführerstolz: Selbstverständlich (!) hätte ich rechtzeitig – spätestens am Vorgipfel – erkannt, dass uns an dieser einen Stelle, auf wenigen Metern, der Grat mit einer hinterfotzigen Falle herausfordern will. Breit hätte ich allen erklärt, was zu tun ist: Ganz weit links bleiben, zumal Wechten überraschend weit innen brechen – wesentlich weiter, als es Hausverstand und Bauchgefühl erwarten lassen.

Der Blick vom Gipfel zurück auf das letzte Gratstück und die Abbruchkante. Foto: Michael Larcher

Auch für ein wenig Alpingeschichte hätte ich den Anlass genützt: Damals, 1957, Hermann Buhl an der Chogolisa und in den 1930er-Jahren war es Willo Welzenbach, vulgo „Eispapst“, der in seiner Dissertation Statik und Bruchverhalten von Wechten erforschte. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt – so einfach ist das, wenn man Bergführer ist, staatlich geprüft.

Ganz ehrlich: Ich tendiere eher zu einem „Nein“: Gefahr nicht erkannt, der Spur nachgelatscht! Recht genau zu wissen glaube ich, was ich in diesen Stunden nicht optimal, sondern falsch gemacht habe:

Ich ging ganz am Ende, fotografierte und ließ zu, dass unsere Gruppe auf eine Länge von 40, 50 Meter auseinandergezogen wurde. So hatte ich immer erst verspätet Einsicht in sich neu eröffnende Gratabschnitte. Dass die Gruppe am Vorgipfel zusammenwartet, war nicht ausgemacht!

Auf die alpine Gefahr „Wechte“ gab es von mir keinen Hinweis an die Gruppe. Ein Ansprechen am Skidepot hätte bei allen die innere Einstellung aktiviert, die Augen offen zu halten.

Die vorhandene Skispur und der optische Eindruck des ersten Gratstückes brachten mich vorschnell zu dem Urteil „einfach und sicher“. Dieses Urteil übertrug ich blitzschnell auf den gesamten Grat bis zum Gipfel, obwohl große Teile gar nicht einsehbar waren.

Es war windstill, gemütlich, blauer Himmel, gute Stimmung, kein Zeitdruck – das alles schläferte mein Gefahrenbewusstsein ein. So kann ich mich nicht erinnern, dass mir der Gedanke „Wechte“ gekommen wäre. Ich glaube, das Wort „Wechte“ als Gedanke blitzte nie in meinem Kopf auf.

Es war der erste Tourentag nach einer Bürowoche. War ich noch nicht richtig in der Natur angekommen, noch nicht ganz bei der Sache?

Kein Fehler, aber ganz offensichtlich falsch war meine bisherige Annahme, dass Wechten genau dann brechen, wenn sie belastet werden. Nicht zeitverzögert oder fernausgelöst – wie z. B. ein Schneebrett bei einem Altschneeproblem. Wurde der Einzelgänger durch das Ausziehen der Skier und die größere Einsinktiefe zur „großen Zusatzbelastung“?

Noch eine Erfahrung erstaunt mich: die Wirkung der Verschriftlichung, jetzt da ich diesen Beitrag für bergundsteigen schreibe. Wie viele Details mir erst jetzt bewusst werden, wie sehr das Schreiben das Erlebte vertieft und verarbeitbar macht. Könnten das zwei gute Tipps sein, um Lernen zu fördern: niederschreiben und reden mit allen, die dabei waren, offen und ohne Angst, Fehler zu entdecken und zu benennen.

Bernhard von Menthon (auch: von Aosta), 1008 (?) bis 1081 (?), Patron der Alpenbewohner, Bergsteiger und Skifahrer (Reliquiar, 13. Jahrhundert, heute in der Schatzkammer des Hospizes der Augustiner-Chorherren auf der Passhöhe des Großen St. Bernhard).

Conclusio

O heiliger Bernhard von Menthon, bitte für uns. Bewahre uns vor Hochmut und Überheblichkeit. Lass uns immer in Respekt und Demut über Bergsportunfälle sprechen, niemals als Richter oder Klugscheißer. Möge unsere Neugier auf Unfallhergang und Unfallursachen allein dem Ziel dienen, etwas zu lernen und mich selbst und andere vor Schaden zu bewahren. Dank an alle Beteiligten für ihre Offenheit und Bereitschaft, unser Erlebnis selbstkritisch zu reflektieren!

Wie hat Christian (57) die Situation erlebt?

Christian ist jener Einzelgänger, der mit den Skiern unterwegs war. Über mehrere Ecken konnten wir seinen Namen ausforschen und mit ihm in Kontakt treten. Christian ist ein Alpinist aus Sulden, der seine Berge kennt, wie seine Westentasche:

„Skitouren mache ich seit mehr als 40 Jahren. Hab hier in Sulden eigentlich alles gemacht – 268 Mal den Ortler über alle Routen, Königspitze von allen Seiten usw. Oft auch schwierigere Skitouren, wie Königspitz-Ostrinne, Ortler-Minigerode, Ortler-Schückrinne. Habe bereits zweimal die Zebru-Nordwand mit Skiern befahren und im Mai bin ich viel unterwegs Richtung Montblanc und Monte Rosa.“

Wie hast du den Wechtenbruch erlebt?

Mir ist eigentlich erst richtig klar geworden, wie viel Glück ich hatte, als ich deinen Vortrag gesehen habe. Ich habe diese Strecke sicherlich schon 50-mal gemacht, meistens fahre ich früher rechts weg und mache die Abfahrt durch diese Nordflanke, wo immer super Verhältnisse herrschen. Ich selber weiß natürlich sehr gut über die Wechte Bescheid, weil ich ja immer drunter durchfahre, deshalb bleibe ich ja auch immer sehr links davon.

An diesem Tag wollte ich definitiv über das Schrötterhorn drüber und über den Nordgrat abfahren. Bin ganz normal links von der Wechte durchgegangen und musste dann die Skier ausziehen, weil es zu Fuß besser ging. Als ich knapp unter dem Gipfel war, hörte ich einen Ruck und sah, dass die Wechte ca. 20 m hinter mir in die Tiefe gebrochen ist.

Christian, am Beginn der Abfahrt, blickt zurück zum Schrötterhorn. „Ich habe diese Strecke sicherlich schon 50-mal gemacht ...“
Christian, am Beginn der Abfahrt, blickt zurück zum Schrötterhorn. „Ich habe diese Strecke sicherlich schon 50-mal gemacht …“ Foto: Archiv Christian

Der Bruch passierte in dem Moment, als du die Skier ausgezogen hast und das erste Mal mit den Skischuhen in den Schnee reingetreten bist?

Ich glaube tatsächlich, dass die Wechte in dem Moment abgebrochen ist, als ich die Skier ausgezogen habe, oder ganz kurz danach, als ich zu Fuß weiter gegangen bin.

Und dann?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich eigentlich gar nicht erschreckt habe. Meine größte Sorge war, dass hoffentlich keiner in der Nordflanke mit Skiern unterwegs war. Der hätte definitiv keine Chance gehabt. Am Gipfel machte ich dann noch einige Fotos, kletterte hinten den Grat wieder ab und fuhr wieder abwärts.

War das „Risiko Wechtenbruch“ an diesem Tag in deinem Kopf präsent?

Das Risiko Wechtenbruch war natürlich präsent, deshalb bin ich ja ziemlich links gegangen, ich denke sicher ca. fünf Meter links von der Kante. Aber anscheinend doch zwei Meter zu wenig.

Deine Spur war die erste am Grat, alte Spuren waren nicht sichtbar?

Meine Spur war die erste. Ich bin eigentlich immer der, der diese Wand als Erster und am öftesten fährt.

Warst du mit Wechtenbruch schon einmal konfrontiert?

… Nein, direkt nie, mit Lawinen auch nicht direkt, oft aber durch meine Arbeit bei der Bergrettung.