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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Seilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?

Es ist der 19. September 2011, kurz vor 8.00h morgens. Ich befinde mich am Standplatz am Ende der vierten Seillänge der „Regular Northwest“ am Halfdome/Yosemite. Mein Seilpartner Markus ist einige Meter vom Standplatz nach rechts gequert und dabei, einen kleinen Aufschwung zu überklettern. Er setzt mehrere Male an. Vielleicht ist ihm die Passage etwas unangenehm, er wirkt etwas unsicher. Wie auch einige Tage zuvor in der „Nose“ am El Cap klettern wir mit Einfachseil und haben eine Reepschnur als Tagline auf der Rückseite des Gurts befestigt, um den kleinen Haulbag nachzuziehen.

Beim dritten Versuch belastet Markus die Schuppe vor ihm in seitliche Richtung, als diese plötzlich nach außen aufkippt. Die nächsten Sekunden verstreichen wie in Zeitlupe. Markus fällt rückwärts aus der Wand. In den Händen hält er die etwa 50cm breite und 1m hohe Schuppe, versucht diese nach außen wegzulenken. Nach ein paar Metern schlägt er an der Wand auf und ich erwarte den typischen Seilzug, wenn Kletterer ins Seil stürzen. Bis auf einen kurzen Ruck bleibt das Seil aber unbelastet. Markus stürzt ab. Eine italienische Seilschaft die am Wandfuß gerade in die Route einsteigen möchte, versucht noch Erste Hilfe zu leisten – kann aber nichts mehr für ihn tun.

Das Schicksal von Markus ist kein Einzelfall, auch wenn es für mich persönlich ein schwacher Trost bleibt. Jährlich sterben Alpinisten und Kletterer aufgrund von Seilrissen über scharfe Kanten oder wie im Fall von Markus, weil ein Stein das Seil gekappt hat. Der Gebrauch von Halbseilen ist aufgrund von Komfort (bei meist schweren alpinen Mehrseillängenrouten) oder aufgrund der gewählten Klettertaktik (Seil wird fixiert, Nachsteiger jumart nach) nicht immer die erste Wahl.

Johannes Steidl klettert am Chief/Squamish (BC). Aus Komfortgründen wird am Einfachseil geklettert- Der Abstieg führt über einen kurzen Wanderweg (Alex Luger).

Wann kann es zu Seilrissen kommen?

Natürlich hat sich auch das dynamische Kletterseil seit seiner Erfindung Mitte des 19. Jahrhunderts stark weiterentwickelt. Seile werden heute aufwändig geflochten, imprägniert und sind in puncto Gewicht, Fangstoß und Robustheit wesentlich besser als noch vor einigen Jahren. Auch hat sich das Rohmaterial Nylon (Polyamid) verbessert und bietet den Herstellern heute die Möglichkeit, dünnere Seile mit für das Bergsteigen und Klettern verbesserten Eigenschaften herzustellen. Ein Seilriss durch Kräfte, die ein Mensch verursachen kann, ist heute beinahe ausgeschlossen, wenn das Seil direkt belastet wird. Läuft das Seil aber über eine scharfe Kante oder eingeschliffenen Karabiner, so sieht die Sache anders aus.

Dynamische Kletterseile haben vor allem die Aufgabe, schnell auftretende Kräfte im Falle eines Sturzes aufzunehmen. Dies bedingt, dass sie eine gewisse Dehnung aufweisen müssen, um diese Kräfte zu absorbieren und den Fangstoß unter 12kN (Normprüfung Einfachseile) halten zu können. Diese Eigenschaft wird durch den Herstellungsprozess und die Eigenschaften des Materials (Polyamid) erreicht. Bisher hat man noch keine bessere Alternative zum verwendeten Rohmaterial Polyamid gefunden, weshalb man der Scharfkantenproblematik entweder durch Redundanz, also der Verwendung von Halb- oder Zwillingsseilen oder durch ein dickeres, robusteres Seil mit höherem Mantelanteil begegnete. Vergleicht man ein sehr dünnes Einfachseil (z.B. 8,5mm) mit einem baugleichen Einfachseil mit 10mm Durchmesser so erhöht sich der Querschnitt um ca. 40%. Auch die Schnittfestigkeit würde sich in etwa um den gleichen Prozentsatz erhöhen, wären die Seile baugleich hergestellt.

Seile verschiedener Bauart und Flechtung können aber nicht 1:1 miteinander verglichen werden. Deshalb ist es nicht möglich, vom Querschnitt allein auf die Schnittfestigkeit zu schließen. Auch sind das Gewicht oder der Mantelanteil wenig aussagekräftig, da diesbezüglich sehr viel mehr Variablen eine Rolle spielen.

Leider ist es bis heute weder den Herstellern noch den Prüfinstituten gelungen, einen Testaufbau zur Ermittlung der Schnittfestigkeit in die Normprüfung zu implementieren. Der von der UIAA 2002 eingeführte Scharfkantentest wurde nach nur 2 Jahren wieder ausgesetzt aufgrund der inhomogenen und nicht nachvollziehbaren Ergebnisse. Ein Arbeitsgruppe in der UIAA befasst sich aktuell wieder mit der Thematik.

Ein Unfall während der Schweizer Bergführerausbildung vor einigen Jahren mit zwei gleichzeitig abgelassenen Personen über eine Felskante trug dazu bei, dass in einigen ausbildenden Verbänden die Empfehlung ausgesprochen wurde, dass ein Nachsteiger im Felsgelände nicht an einem Halbseilstrang nachgesichert werden darf, sondern stattdessen ein Einfachseil dazu verwendet werden muss.

Untersuchungen von Chris Semmel und Daniel Gebel (bergundsteigen, Ausgabe #99) konnten aber nachweisen, dass die Schnittfestigkeit vor allem mit einer Erhöhung der Last stark abnimmt. Eine Verdoppelung der Last resultiert in einer Abnahme der Schnittfestigkeit um den Faktor 6 bis 7! Um Seilrissen vorzubeugen wäre also vor allem in puncto Lastreduktion zu denken. Konkret bedeutet das die Anwendung der Zwillingsseiltechnik beim Klettern oder das Vermeiden von zwei Personen beim Ablassen am Einzelstrang wie es häufig im Führungskontext gemacht wurde.

Seit Jahren versuchen Hersteller, dynamische Kletterseile durch die Verwendung von schnittfesteren Materialien robuster gegen scharfe Kanten und Karabiner zu machen. Bis dato scheiterte man immer an den statischen Eigenschaften von schnittfesteren Materialien wie Aramid, Polyester oder Dyneema bzw. war das Endergebnis in Summe unbefriedigend weil eine Erhöhung der Schnittfestigkeit andere ungewünschte Nachteile mit sich brachte (Gewicht, Steifigkeit, etc.).

Edelrid ist es vor einigen Jahren gelungen, einen Flechtprozess zu entwickeln der es erlaubt, schnittfeste Aramidfasern in den Mantel von dynamischen Kletterseilen zu integrieren ohne dass die geforderte Dynamik allzu sehr darunter leidet. Die Schnittfestigkeit konnte durch diese Methode in etwa verdoppelt werden, zumindest wenn mit der von Edelrid konstruierten Prüfmaschine getestet wird. Die Rückmeldungen von diversen Bergführern zu den Edelrid Protect Seilen sind sehr positiv, wenngleich angemerkt wurde, dass das Seil zum „Pelzen“ neigt. Kleine Beschädigungen der Aramidfasern bei dynamischer Belastung erklären das Pelzen wenngleich diese Eigenschaft aber sogar positiv wahrgenommen wird, da sich das Handling aufgrund der erhöhten Reibung verbessert – zumindest bei der klassischen Führungstätigkeit am Kurzen Seil.

Interview: Phil Westenberger, Edelrid

Wir haben bei Phil Westenberger (Head of Product) nachgefragt und ihm ein paar Fragen zu der von Edelrid entwickelten „Cut Resistance“ Technologie gestellt.

Phil Westenberger (Head of Product), Edelrid

bergundsteigen: Was ist so besonders bzw. warum hat vor euch noch keiner geschafft, dynamische Kletterseile durch gezielte Materialkombinationen schnittfester zu machen?

Phil Westenberger: Das Hauptproblem dabei war sicher, dass man jahrelang daran gescheitert ist die Eigenschaft „Schnittfestigkeit“ quantifizierbar zu machen. Und man kann am Ende ja nur was tatsächlich verbessern, was man messen kann. Das wiederum lag aber nicht daran, dass das vor uns niemand versucht hat, es ist nur lange nicht so trivial wie es sich anhört.

Einerseits versucht man da Textil messbar zu machen, was nie einfach ist. Andererseits verändert sich beim Schneiden jeglicher Art immer das Schneidewerkzeug (es wird stumpf) und man hat so am Ende Schwierigkeiten ein Ergebnis zu bewerten, weil man jetzt nicht weiss: kommt der Wert, den man da jetzt gemessen hat weil das Seil so gut ist oder weil die Klinge so stumpf ist? Dem haben wir uns eben angenommen und da zum ersten Mal etwas gebastelt (innerhalb von aber auch 5 Jahren), was da reliable Ergebnisse liefert.

An sich gab es Seile mit Materialkombinationen auch schon vorher immer mal. Die hatten dann vielleicht nicht unbedingt einen hohen Schnittwert als Ziel. Und hier muss man auch vorsichtig sein. Dass in solchen Seilen Aramid eingesetzt wird, ist leicht zu verstehen und es ist deshalb auch nachvollziehbar, dass das Ganze dann oft darauf reduziert wird. Wir könnten aber theoretisch auch Seile mit noch höheren Schnittwerten bauen, die ganz ohne Aramid auskommen würden. Weil es eben nur eine von unzähligen Seilparametern ist, die die Eigenschaft „Schnittfestigkeit“ beeinflussen.

Der Nachteil daher wäre einfach, dass dann Charakteristiken entstehen würden in einem solchen Seil (zum Beispiel Steifigkeit), die man nicht in dem Maße wünscht. Und so helfen eben solche Materialien wir Aramid, dass da am Ende ein sehr ausgeglichenes Seil rauskommt mit einem hohen Schnittwert. Aber eben dadurch, dass wir dieses reliable Testverfahren entwickelt haben und dass wir beliebig bei uns in der Produktion Prototypen bauen können, konnten wir lernen, welche Parameter am Seile welchen Einfluss auf den Schnittwert haben.

bergundsteigen: Das Messen der Schnittfestigkeit ist bis heute problematisch. Zeichnet sich ein Standard ab, der es in Zukunft ermöglicht, die Schnittfestigkeit verschiedener Hersteller zu vergleichen?

Westenberger: Das sollte doch unser aller gemeinsames Ziel sein. Wir haben hier eine Situation, die es nicht mehr so häufig gibt heute. Es gibt durch diverse Unfallstatistiken den eindeutigen Beleg, dass mit Abstand der häufigste Grund für beobachtete Seilversagen scharfe Kanten sind. Und auf der anderen Seite haben wir keinerlei Produktdaten, die einem Nutzer die Sicherheit seines Seils gegenüber diesem Risiko einschätzen lassen.

Derzeit gibt es dazu gerade eine UIAA Arbeitsgruppe, die eben einen solchen Test erarbeiten soll. Unser Testverfahren dient hier als der grundsätzliche Ansatz. In diesem Fall wurde dieser Prozess auch in der UIAA gestartet, weil es dort einfach „schneller“ und „unkomplizierter“ voran geht als auf CEN-Ebene. Und auch weil, gibt es einmal einen UIAA Standard, die Umsetzung auf CEN Ebene wiederum „schneller“ geht. „Schnell“ ist hier aber sehr relativ. Es wird also noch ein bisschen dauern. 

bergundsteigen: Ihr verwendet Aramidfasern, um den Mantel schnittfester zu machen. Warum gerade diese Faser? Wäre Dyneema oder Polyester nicht besser geeignet, weil die Stoffe leichter und glatter wären und weniger Wasser ziehen würden?

Westenberger: In den nun ja schon 6 Jahren kannst du dir sicher sein, dass wir schon vieles ausprobiert haben. Besser ist dabei eben immer relativ. Es gibt andere Vor- und andere Nachteile. Aramid ist aktuell einfach die beste Lösung, für das, was wir haben wollen. Wir konnten zeigen das Polyester grundsätzlich einen etwas höheren Schnittwert erzeugen kann als Polyamid. Allerdings haben hier ganz klar Aramid und Dyneema noch einen positiveren Einfluss. Die beiden wiederum unterscheiden sich übrigens nicht großartig (entgegen einer Behauptung einer Euren älteren Artikel zu dem Thema…) in dieser Charakteristik. Ein genauer Vergleich fällt hier bisher allerdings immer noch schwer (deswegen diese wagen Formulierungen). Grund dafür ist, dass diese Materialien oft nur in unterschiedlichen Titern erhältlich sind. Und dann vergleicht man genau genommen eben nicht Äpfel mit Äpfel.

Dyneema ist allerdings aus anderen Gründen nicht unproblematisch in diesem Kontext, vor Allem dann, wenn wir in unseren Produktionsprozess solche Seile imprägnieren wollen. Dazu bnötigt es eben immer Wärme und das mag Dyneema eben überhaupt nicht. Und wenn man ein imprägniertes Seil möchte, dann hilft es nicht, dass die einzelne Dyneema-Faser in dem Rest des Polyamidseils etwas weniger Wasser aufnimmt. Man muss da schon das ganze Seil imprägnieren. Die Schnittfestigkeit und/oder das Gewicht würde man in unserer aktuellen Konstruktion darüber hinaus nicht sonderlich verbessern mit Dyneema. Aber wir haben hier auch interessante andere Ansätze und wahrscheinlich wird man da auch in der Zukunft das ein oder andere noch sehen.

Was auf der anderen Seite am Aramid etwas unschön ist, ist vielleicht die schlechte UV-Beständigkeit im Vergleich zu anderen Fasern. Allerdings ist dies einerseits ein sehr marginales Thema, wenn man sein Seil nicht irgendwo draußen hängen lässt, andererseits haben wir unsere Seile so gebaut, dass sie ganz ohne den Aramidanteil auch die Norm bestehen würden.

bergundsteigen: Mammut schlägt mit seinem Core Protect Seil eine gänzlich andere Richtung ein. Anstelle des Mantels wird dort „nur“ der Kern geschützt. Gibt es von Edelrid ähnliche, vielleicht andere Zugänge oder ist das Thema Schnittfestigkeit für euch abgeschlossen?

Westenberger: Abgeschlossen ist das Ganze wohl nie mehr bei uns. Die Maschine ist Teil einer jeden Entwicklung mittlerweile. Naja, und für uns sind da bei dem Mammut Seil jetzt nicht wirklich neue Ansätze dabei. Wir haben da glaube ich einfach schon um einiges mehr ausprobiert als die meisten unserer Mitstreiter.

Mit einem Aramid-Zwischenmantel haben wir beispielsweise schon bei der Rap Line II experimentiert. Die kam sogar so 2015 auf den Markt. Alter Hut also. Ein Video dazu:

Es gibt einige unschöne Dinge an dieser Konstruktion: Einerseits braucht man einfach mehr Material, was aus unterschiedlich vorstellbaren Gründen ungut ist. Zum Beispiel, weil es nachher auch in Mantel und Dynamikkern fehlt. Unschön natürlich auch für die Kosten – Einerseits mehr Material, andererseits muss man zwei Mal auf einer Maschine flechten. Wir hatten allerdings damals auch festgestellt, dass sollte der Aramid-Zwischenkern mal bei einer dynamischen Belastung versagen, beschädigt der innere „explosionsartige“ Riss sehr häufig auch den äußeren Mantel. Und das ist etwas was durchaus vorstellbar ist. Generell mal, weil sich das Seil natürlich als Ganzes dehnen muss und die Bestandteile sich dem nicht entziehen können (sie sind ja am Ende zusammengeknotet..). Aber auch gerade während dem Gebrauch muss man (als Hersteller) bei solchen Sandwich-Konstruktionen immer im Hinterkopf haben, dass sich innere Fasern mit der Zeit verschieben können mit dem Ergebnis, dass plötzlich nicht mehr alle Fasern gleichmäßig belastet werden und dann nacheinander versagen könnten. Wie gesagt, alles möglich, aber aus unserer Sicht einfach unschön. Das wird dann vor allem bei dünneren Durchmessern sehr sensibel.

Allerdings war das damals auch noch bevor wir an Schnittfestigkeit geforscht haben. Weil durch unsere Arbeit hieran konnten wir eben extrem viel darüber lernen, was wo und wie viel Einfluss auf den Schnittwert eines Seiles hat. Und dadurch sind dann vor allem auch nochmal die Zwischenkernlösungen weggefallen. Ein weiteres interessantes Beispiel dafür ist das Tendon Static Force 10,0 mm – Ein Statikseil mit Edelstahl-Zwischenkern. Funktioniert leider gar nicht gut, was den Schnittwert angeht …

Und zu guter Letzt hat das Aramid im Mantel eben auch noch weitere Vorteile. Eben gerade was den Abrieb angeht haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Packt man das Aramid ins Innere, dann bleiben natürlich die guten Abriebcharakteristiken der Faser völlig ungenutzt.

Vielleicht am Ende noch als untergeordnete Charakteristik vom Aramid im Mantel zu erwähnen wäre die gute Griffigkeit. Gerade zum Sichern bzw. auch fürs Führen eine Eigenschaft, die uns häufig schon positiv angemerkt wurde.

bergundsteigen: Gibt es von deiner Seite noch etwas Aktuelles, das die Leser zu dem Thema wissen sollten?

Westenberger: Wenn ich die öffentlichen Diskussionen zu dem Thema sehe, dann gibt es da eine ganze Menge. Da würde ich gar nicht mehr aufhören zu schreiben. Gerne würde ich natürlich auf unsere Knowledge Base Videos verweisen in der wir immer wieder einige Schlussfolgerungen unserer Forschung teilen:

Aber es gibt auch generelle Sachen: Beispielsweise sollten wir als Klettergemeinschaft und Industrie vorsichtig mit Begriffen wie „schnittfest“, „Schnittfestigkeit“ umgehen. Es fällt manchmal schwer, ich weiss, ich benutzte es selbst immer wieder (siehe oben) und wir sind da leider auch nicht immer die besten Vorbilder. Wir sollten nur Niemanden suggerieren, dass diese Produkte unzerstörbar sind. Das sind sie natürlich nicht! In der aktuellen Normungsarbeit wird das auch thematisiert und ich versuche hier auch wo es geht die Terminologie „Schnittwert“ zu verwenden. Damit ist dann einfach das Ergebnis des Schnitttests gemeint. Seile mit höherem Schnittwert sind eben als „resistenter“ gegen etwaige Schnittbelastungen einzustufen.

Und dann vielleicht noch zu unserem Test. Es wird in dem Kontext immer viel darüber diskutiert, dass der Test doch ein dynamischer sein sollte, weil wir gerade als Kletterer immer dieses Sturzszenario vor Augen haben. Dabei wird immer vergessen, was so ein Test machen soll. Er soll in erster Linie reliable und reproduzierbare Ergebnisse bringen. Ersteres bedeutet: Ich mache den Test 100 Mal und bekomme Ergebnisse in einer sinnvollen Standardabweichung.

Letzteres Bedeutet 100 verschiedene Leute machen den Test und bekommen Ergebnisse in einer sinnvollen Standardabweichung. Und hierbei haben dynamische Set-Ups immer wieder versagt in der Vergangenheit. Weil eben ein Sturz nicht gut zu kontrollieren ist. Und dann soll der Test natürlich nachweisen können, dass er zu ähnlichen Ergebnissen – im Verhältnis – kommt, wie in der Praxis. Auch das haben wir natürlich gemacht. Und dann ergibt ein Test Sinn und liefert eine sinnvolle Vergleichbarkeit. Zuletzt darf man nicht vergessen, dass bei uns im Klettersport ein Großteil der Unfälle, vielleicht sogar annähernd die Hälfte in statischen Szenarien passiert (z.B. Abseilen). Nimmt man die Höhenarbeit dazu wird der überwiegende Teil in statischen Szenarien passieren! Und dann reden wir eben davon, dass unser Test sogar beide Welten abbilden könnte.

Mammut Core Protect – Der Gamechanger?

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt wie schon erwähnt Mammut. Mit seiner neuen Core Protect Technologie wird der Kern, wie der Name schon erahnen lässt, durch einen dünnen Aramidschlauch geschützt. Dieser wird zwischen Mantel und Kern eingeflochten. Die Crux dabei ist, das Aramid locker genug zu platzieren, so dass beim normalen Stürzen keine Last aufgenommen wird aber bei Beschädigung des äußeren Mantels der „Schutzschirm“ sofort greift. Die Idee brachte Mammut im Mai den ISPO Award 2024 ein.

Aufbau des Mammut Core Protect 9.5 mit äußerem Polyamidmantel, Kennfaden (Jahrzahl), Aramidmantel und Polyamidkern (Thomas Wanner)

Wir haben bei Produktmanager Magnus Raström nachgefragt, was es mit dem neuen Core Protect Seil auf sich hat:

Mit dem Core Protect Konzept schlägt ihr eine ganz andere Richtung ein als andere Hersteller um das Thema Schnittfestigkeit anzugehen. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und bzw. wie lange arbeitet ihr schon an dieser Konstruktion?

Das Thema «Schnittfestigkeit von Seilen» begleitet uns aktiv seit über zehn Jahren. 2014 starteten wir ein Projekt mit dem Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsinstitut (EMPA), um die Schnittfestigkeit messbar zu machen und schnittfestere Seilkonstruktionen zu entwickeln. Wir machten umfassende Tests, entwickelten eine Testanlage auf dem Prinzip eines Pendelschlagwerks und bemusterten und prüften hunderte verschiedene Prototypen. 2018 erkannte unser Team, dass der Labortest die Realität eines «echten» Sportklettersturzes nicht repräsentieren kann. Deshalb entwickelten wir praxisnahe Tests, unter anderem einen Test über eine schräge Granitkante, um sowohl Scher- als auch Schnittkräfte aufzubringen. Obwohl dieser Test nicht für Normanwendungen geeignet ist, liefern die gewonnenen Erkenntnisse klare und nachvollziehbare Aussagen über die Schnittfestigkeit verschiedener Seile.

Mit dem Core Protect Seil haben wir uns das Ziel gesetzt, die Schnittfestigkeit zu erhöhen, ohne das dynamische Verhalten der Seile negativ zu beeinflussen. Das ist bei anderen Konstruktionen am Markt aktuell nicht der Fall. Denn: Der höhere Materialanteil von Aramid in einem Seilaussenmantel bedeutet im Sturzfall einen höheren Fangstoss. Der höhere Fangstoss bedeutet wiederum geringere Schnittfestigkeit. Deshalb unsere Lösung: eine schnittfeste Schutzschicht zwischen Kern und Aussenmantel, die im Sturzfall lastfrei bleibt und so ihre Schnittfestigkeit voll ausnutzen kann.  

Was waren die Hauptschwierigkeiten bei der Entwicklung der neuen Core Protect Seile und wie habt ihr sie gelöst?

Die grösste Herausforderung bestand darin, eine höhere Schnittfestigkeit bei gleichbleibendem dynamischem Verhalten zu erreichen – ein Ziel, das bisher keiner anderen Marke gelungen ist. Zwar existieren bereits statische Seile und Cords mit Aramid am Markt. Diese bieten jedoch keine ausreichenden dynamischen Eigenschaften und im Falle eines Sturzes gewährleisten sie nicht den erforderlichen Schutz. Unser Zwischenmantel wird daher mit einem Hybridzwirn aus Polyamid und Aramid geflochten. Das statische Aramid wird um das dynamische Polyamid gewickelt. Durch die Überlänge des Aramids kann sich das Seil unter Belastung dehnen, ohne dass das Aramid im Sturz belastet wird. Dadurch behält das Seil das dynamische Verhalten eines normalen Seils bei und das lastfreie Aramid kann dennoch gleichzeitig den Kern schützen.

Um sicher zu gehen, dass der Zwischenmantel keine negativen Auswirkungen auf das Langzeitverhalten des Seils hat, starteten wir 2022 mit einer umfassenden Testserie: Athleten und Experten führten ausgiebige Feldtests und Langzeittests in unterschiedlichen Szenarien durch, während wir gleichzeitig die Konstruktion mit zyklischen Sturztests bei unterschiedlichsten Sturzfaktoren, diversen Bewitterungstests, ausgiebigen Feldtests und unterschiedlichsten Schnitttests prüften.

Alle Tests bestätigten, dass unsere Core Protect Seile schnittfester sind als andere Kletterseile mit vergleichbarem oder sogar weit höherem Durchmesser. Die gebrauchten Core Protect Seile haben wir ebenfalls auf ihre verbleibende Schnittfestigkeit sowie das Innenleben untersucht. Es zeigte sich, dass der Aramid-Zwischenmantel auch bei längerem Gebrauch keine negativen Auswirkungen auf die inneren und äusseren Mantelstrukturen hat. Die Schnittfestigkeit blieb selbst an stark abgenutzten Stellen erhalten, da das Aramid nicht im Aussenmantel verschlissen wird.

Wie wird es aus eurer Sicht bezüglich schnittfesten Seilen weitergehen?

Wir sind optimistisch hinsichtlich der Entwicklungen der letzten Jahre. Das Thema Schnittfestigkeit rückt sowohl bei Herstellern als auch bei Prüf- und Verbandsinstitutionen zunehmend in den Fokus. Besonders erfreulich ist, dass seitens UIAA erneut versucht wird einen Standardtest für die Ermittlung der Schnittfestigkeit zu entwickeln. Wir arbeiten aktiv in der entsprechenden Arbeitsgruppe mit anderen Herstellern und Prüfinstituten zusammen und teilen dort unser Wissen, da dies der gesamten Kletter-community zugutekommt. Eine einheitliche Norm wäre sinnvoll. Sie ermöglicht den Kletterern, die Schnittfestigkeit verschiedener Seile besser gegeneinander einzuschätzen. Allerdings wird es voraussichtlich noch ein paar Jahre dauern, bis diese nicht verpflichtende Norm in Kraft treten wird. Bis dahin ist es für uns besonders wichtig, weiterhin Aufklärungsarbeit zu betreiben. Die Kletterer sollen besser verstehen, welchen Einfluss die Seilwahl auf die Sicherheit hat und welche anderen Faktoren (beispielsweise Sicherungstechnik) mindestens genauso wichtig sind.

Mammut hat uns das Core Protect 9,5mm zum Testen zur Verfügung gestellt. Hierbei muss allerdings klar erwähnt werden, dass wir weder über die zeitlichen oder technischen noch die personellen Ressourcen verfügen, eine wissenschaftliche Testreihe zu organisieren. Sollten weitere Hersteller mit ähnlichen Innovationen auf den Markt drängen wäre es denkbar, dass sich die DAV Sicherheitsforschung dem Thema annimmt und Vergleiche durchführt.

Vergrößerte Darstellung des Seilaufbaus Mammut Core Protect 9,5. Polyamidmantel, Roter ID Faden (Jahrzahl), Aramid Schutzkern, Dynamischer Polyamidkern (Thomas Wanner)

Wir haben das Seil über mehrere Tage in der Kletterhalle verwendet. Drei Seilschaften waren an dem Test beteiligt und sollten ihre subjektive Einschätzung abgeben. Stürze in der Halle wurden von allen Testern als „vergleichsweise hart“ empfunden, wobei man klar sagen muss, dass keine standardisierten Tests oder Stürze durchgeführt wurden und die Einschätzungen rein subjektiv sind. Auf Nachfrage wurde angegeben, dass die privat verwendeten Seile entweder Beal Joker oder Petzl Volta waren, was die subjektive Einschätzung erklären würde:

Weiters muss auch darauf hingewiesen werden, dass die „Härte“ von Stürzen von einer Vielzahl von Faktoren abhängt wie dem Sicherungspartner, Sicherungsgerät, Gewichtsunterschied, Sturzfaktor, usw. und das Kletterseil nur ein Element in dieser Summe von Faktoren darstellt.

Abgesehen von den etwas härter wahrgenommenen Stürzen konnte aber kein Unterschied zu anderen reinen Polyamidseilen wahrgenommen werden.

Zugegeben, ein High Performance Kletterseil in die Topropestation einer Kletterhalle einzuspannen ist in etwa so, wie wenn man einen Riesentorlaufski über mehrere Wochen im Kindergelände testet. Es ging uns aber hauptsächlich darum, das Seil in ständigem Gebrauch zu wissen und nicht so sehr um die Art der Anwendung. Wir wollten herausfinden, ob sich das Seil im Laufe des Gebrauchs stark verändert, ob es zum „Aufquillen“ tendiert, starke Mantelverschiebungen aufgrund des Materialmixes entstehen oder das Seil vielleicht besonders starr im Handling werden würde.

Das Mammut Alpine Core Protect 9,5 nach 6 Monaten in der Topropestation (links). Auf der rechten Seite das gleiche Modell, allerdings nach angenehmen 6 Monaten im Seilsack im Keller (Thomas Wanner).

Wir spannten das Seil also über 6 Monate in der Topropestation im Kletterzentrum Innsbruck ein und ließen die Zeit für uns arbeiten. Bei geschätzten 10 durchschnittlichen Ablassvorgängen über 6 Monat ergibt das in Summe 1.800 Kletter- und Ablassvorgänge. Wie zu erwarten, zeigte das Seil am Ende des Experiments starke Gebrauchserscheinungen. In Bereich des ständigen Karabinerdurchlaufs stellten wir die typischen ovalen Formveränderungen im Querschnitt fest. Das Seil fühlte sich verdickt an und der Mantel zeigte erste Abnutzungserscheinungen. Auch die dunklere Färbung ist typisch und geht auf Verschmutzung, den Gebrauch von Magnesium und den Karabinerabrieb zurück. Verglichen mit anderen Kletterseilen der Topropestation, die zeitgleich getauscht wurden, konnten wir aber keine offenkundigen Unterschiede feststellen.

Da das Alpine Core Protect vor allem für den Einsatz in alpinen Routen gedacht ist, hat uns auch interessiert, wie es um die Anwendung von Seilklemmen steht bzw. wie es sich verhält, wenn der äußere Polyamidmantel durchgescheuert wird- beispielsweise wenn Kletterlängen vorfixiert werden und mit Steigklemmen aufgestiegen wird. Dass der Seilverlauf über eine Kante beim Aufsteigen mit Seilklemmen sehr schnell zu Beschädigungen des Mantels bzw. zum kompletten Seilriss führen kann, ist bekannt. Bei hyperstatischen Leinen mit Dyneema Kern ist dies besonders problematisch, da die Reibung zwischen Polyamidmantel und Dyneemakern sehr gering ist.

In unserem Test haben wir den Polyamidmantel komplett durchtrennt und uns angeschaut, ob der Mantel bei Verwendung von Jumars nachrutscht. Wäre das der Fall, dann würde das Seil bzw. der geschützte Seilkern zwar nicht reißen aber wie bei den Dyneemaleinen wäre ein plötzliches Durchrutschen der Jumars samt Mantel sehr problematisch. Das beim Mammut Core Protect verwendete Aramid hat aber einen gegenteiligen Effekt. Die Reibung zwischen Mantel und Kern wird vermutlich sogar noch höher sein als bei reinen Kern-Mantel Seilen aus Polyamid. Beim Belasten des unteren Seilstrangs bei durchtrenntem äußeren Polyamidmantel konnten wir keine Mantelverschiebung herbeiführen. Durch die Zugkräfte am Kern wurde dieser allerdings am oberen Ende der Schnittkante etwas herausgezogen was für diesen Test aber nicht von Relevanz war.

Der Gebrauch einer Steigklemme nach kompletter Durchtrennung des äußeren Polyamidmantels. Der untere Teil des Mantels rutschte bei der Verwendung der Seilklemme nicht weiter durch (Thomas Wanner).

Wer alles zur neuen Seiltechnologie von Mammut erfahren möchte, kann dies auf Youtube nachsehen:

Zusammenfassung und abschließende Gedanken

Die Hersteller sind der Thematik der Schnittfestigkeit von Seilen weiter auf der Spur. Ein wichtiger Aspekt wäre ein einheitlicher, vergleichbarer Test, dem sich alle Hersteller unterordnen und der auch in der UIIAA bzw. CEN Norm angewendet wird. Erst dann könnten „Äpfel mit Äpfel“ verglichen und gezielt in diese Richtung weiterentwickelt werden. Momentan verwenden Firmen ihre eigenen Versuchsaufbauten um in Richtung Schnittfestigkeit zu forschen und zu argumentieren. Während Edelrid auf die Verstärkung des Mantels setzt, geht Mammut andere Wege und schützt den Kern durch einen dünnen Aramidschlauch. Beide Konstruktionen haben ihre Vor- und Nachteile.

Jedes Seil hat sein Einsatzgebiet und so verhält es sich auch mit den neuen Aramid-verstärkten dynamischen Kletterseilen. Den vergleichsweise marginalen Nachteilen wie Steifigkeit, Gewicht oder Preis steht ein enormes Plus an Sicherheit entgegen. Vor allem in Granitgebieten mit scharfen Kanten und Schuppen spielt die erhöhte Schnittfestigkeit eine wichtige Rolle. Auch auf Expeditionen, beim Bigwallen oder bei der Verwendung im Führungskontext (Kurzes Seil) gibt es deutliche Vorteile, sei es im Handling oder auch bei der Verwendung mit Seilklemmen.