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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Kletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-Südwand

Am 26. August 2017 befinden sich die Alpinisten und leidenschaftlichen Pause-Touren-Sammler Tobias Bailer und Christoph Klein* im obersten Teil der Marmolada-Südwand. Die beiden erfahrenen Kletterer haben sich für eine der klassischen Linien entschieden: die 1936 erstbegangene „Soldà“- Führe (VI, A2).

Kletterroute von Tobias und Christoph. Foto: Archiv Tobias

Die Wetterprognose meldet stabile Bedingungen, die Gewitterwahrscheinlichkeit liegt bei lediglich zehn Prozent, und der Hüttenwirt des Rifugio Contrin bestätigt: beste Verhältnisse, die Tour sei komplett trocken. Die rund 690 Klettermeter lange Route folgt dem markanten Südpfeiler der Punta Penia (3342 m) im linken Teil der gewaltigen Südwand.

Zunächst führt sie über Risse und einige Rampen, dann durch eine markante gelbe Verschneidung weiter nach oben. Nach der Schlüsselstelle, einem schwierigen, leicht überhängenden Riss, erfolgt der Ausstieg durch die berühmt berüchtigten Ausstiegskamine. Alles läuft nach Plan. Gegen 16:30 Uhr haben Tobias und Christoph die Schlüssellänge hinter sich gelassen. Eine Seillänge später stehen die beiden am Stand der vorletzten Seillänge – in den Ausstiegskaminen auf rund 3250 Metern Höhe.

Es fehlt nur noch eine Seillänge im tiefen Kamin (40 m, III) sowie eine ganz leichte (50 m, II). Doch plötzlich zieht ein immenses Unwetter mit Starkregen, Blitzen und Hagel zwei Stunden lang über die Marmolada. Für Tobias und Christoph, wie auch für andere Seilschaften in der Wand, beginnt ein dramatischer Überlebenskampf.

*2022 ist Christoph Klein beim Abstieg vom Col Standhardt in Patagonien tödlich verunglückt. Viele kannten den „Im extremen Fels“-Autor durch seine zahlreichen kurzweiligen und amüsanten Videos, die er mit der Klettercommunity teilte.

Die Ausgangssituation

Die Route: ca. 690 m lang, VI, A2 (Erstbegeher 1936 G. Soldà & U. Conforto); komplett trocken und in idealen Verhältnissen y Gewitterwahrscheinlichkeit: 10 Prozent y Tobias und Christoph befinden sich zwei Seillängen vor dem Ausstieg: nur noch 90 Meter IIIer- und IIer- Gelände, das die beiden normalerweise am laufenden Seil in zehn Minuten zurücklegen würden. „Am Ende sind es nur lächerliche zehn Minuten, die in Anbetracht einer berühmten, anspruchsvollen rund 550 Meter hohen Dolomitenwand hier fast über Leben und Tod entschieden haben.“ Tobias Bailer

Die Chronologie eines Bergunfalls

Unser letztes Foto aus der Tour: Christoph befindet sich im Nachstieg in einer der letzten Seillängen unter meinem Stand, den ich mit zwei guten 0,75er- Camalots in den tief eingeschnittenen berüchtigten Ausstiegskaminen und Verschneidungen eingerichtet habe.

Christoph im Nachstieg in einer der anspruchsvollen, teils überhängenden Seillängen in der großen gelben Verschneidung oberhalb des großen Querbandes. Fotos: Archiv Tobias Bailer

Um viertel vor fünf kommt Christoph am Stand an – im gleichen Moment beginnt das Inferno: heftiger Graupel, Hagel, Blitz und Donner. Nur wenige Sekunden nach Beginn schießen von oben durch die Ausstiegskamine Graupel und Hagelkörner flussartig auf uns herab. Enorme Mengen prasseln direkt auf uns beide am Stand nieder.

Christoph versucht nach oben weiterzuklettern. Nach ca. drei Metern ist klar, dass das völlig aussichtlos ist. In diesen Fluten aus Hagel und Graupel ist klettern unmöglich. Traurige Erkenntnis: Wir kommen nicht mehr nach oben! Auch unser denkbar schlechter Standpunkt im Kamingrund und die gefährliche, dramatische Gesamtsituation sind uns beiden sofort bewusst.

Wir setzen einen Notruf ab. Der erste 112-Versuch von mir: fehlgeschlagen. Panik.

Verzweifelt versuche ich meine Frau Nina zu erreichen, die Verbindung kommt zustande. „Wir brauchen Hilfe. Bitte setze einen Notruf ab! Hier ist ein Gewitter, wir sind klatschnass, alles ist voll Graupel und Eis. Wir sind zwei Seillängen unterm Gipfel.“ Die Verbindung bricht ab.

Nina ruft 110 an: Warteschleife. Nina ruft 112 an. Ein Mitarbeiter der deutschen Leitstelle sagt, er könne nichts machen. Er wisse nicht, welche Rettungsleitstelle für die Marmolada zuständig ist. Ihr Mann solle von der betroffenen Stelle aus anrufen. Die Idee, in Italien anzurufen und dort die entsprechende Rettungsleitstelle zu finden, begrüßt er – und rät Nina, dies in jedem Fall zu versuchen.

Nina nimmt Kontakt mit einer Freundin aus Mailand auf, die perfekt Italienisch spricht. Diese ruft beim Rifugio Contrin an, in dem wir übernachtet haben. Das Hüttenpersonal kann die Situation nicht richtig einschätzen, alarmiert aber letztlich die Bergrettung Soccorso alpino.

Wir entscheiden gemeinsam, zwei Seillängen in die gelbe Nische unterhalb der Schlüssellänge abzuseilen. Christoph ist noch immer drei Meter über mir. Im Riss findet er zufällig einen Normalhaken und entscheidet, von diesem einzigen Normalhaken abzuseilen.

Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, ob die Bergrettung fliegen kann und wie lange das Gewitter sowie die Niederschläge noch anhalten werden. Aufgrund der Graupel- und inzwischen auch immer mehr werdenden Wassermassen ist es völlig undenkbar, im Ausstiegskamin zu bleiben – geschweige denn gegebenenfalls die ganze Nacht dort auszuharren. Wir setzen große Hoffnung in die gelbe Nische, um dort etwas geschützter zu sein.

Notruf: Wenn 112 nicht funktioniert

Aufgrund der Graupel- und Wassermassen gestaltet sich der Aufbau der Abseilstelle schwierig und dauert sehr lange. Steine rauschen jetzt immer wieder von oben herab.

Christoph schafft es nicht, sein Reverso-Sicherungsgerät vom Gurt zu nehmen und zum Abseilen einzulegen. In einer kurzen Gewitterpause beginnt er stattdessen, sich per Halbmastwurf abzuseilen, was aufgrund der klatschnassen Seile und seiner starren Hände sehr schwierig ist. Damit Christoph die vollen 50 Meter unserer Doppelseile nutzen kann, muss ich meine Einbindeknoten lösen: Ich fixiere mich über eine Bandschlinge am Stand, schneide kurzerhand beide Seile direkt oberhalb meiner Einbindeknoten durch und lasse die Seilenden hinab.

Christoph startet in die Schlüsselseillänge. Foto: Archiv Tobias Bailer

Das Seilmesser – ein unterschätzter Begleiter

Durch die anhaltenden Wassermassen und die starren, eiskalten Finger war es mir nicht mehr möglich, die Einbindeknoten zu lösen. Glücklicherweise hatte ich ein Seilmesser am Gurt, mit dem ich die Seile oberhalb der Einbindeknoten kurzerhand durchschneiden konnte. Allein deswegen bin ich überzeugt – und absoluter Verfechter davon –, dass jeder Alpinkletterer immer eines am Gurt haben sollte. Es gibt inzwischen so ultraleichte und kompakte Messer, dass sie kaum ins Gewicht fallen – in Notsituationen aber von unschätzbarem Wert sein können. Damals hatte ich das Piranha Knife von Trango dabei, das mit 20 Gramm nicht ins Gewicht fällt. Auch andere Modelle, wie das Petzl Spatha oder das Rope Tooth Einhandmesser von Edelrid, wiegen mit etwa 45 Gramm kaum mehr.

Christoph seilt weiter ab und verschwindet aus meinem Blickfeld. Ich warte auf die Entlastung der Seile – das Zeichen dafür, dass er den unteren Stand erreicht hat und ich zu ihm abseilen kann. Ab diesem Zeitpunkt haben wir weder Ruf- noch Sichtkontakt.

Erster telefonischer Kontakt zwischen dem Einsatzleiter in Canazei und Heidi, der italienisch sprechenden Freundin in Mailand: Der Rettungseinsatz hat begonnen. Daraufhin versucht Nina mich anzurufen. Ich spüre die Vibration in meiner Brusttasche, kann aber nicht rangehen – das Gewitter und die Wassermassen sind zu heftig.

„Ich verliere langsam jegliches Zeitgefühl.“


Kurz nachdem Christoph aus meinem Blickfeld verschwunden ist, beginnt das Gewitter wieder mit voller Wucht. Die Graupel- und Wassermassen sind gewaltig. Mir ist klar, dass er so nicht weiter abseilen kann, und ich denke, er wird etwas abwarten. Damit der Großteil des Wassers nicht über meinen Körper, sondern zwischen meinen Beinen hindurchfließen kann, gehe ich im Kamin in eine sehr unangenehme, weit ausgespreizte Steh- und Hängestellung über.

Wie ich erst später sehen werde, rufen mich zwei italienische Nummern an. Ich spüre das Vibrieren, aber ich bin immer noch nicht in der Lage, das Handy aus der Brusttasche zu nehmen.

Das Gewitter lässt kurz nach. Ich meine Christoph rufen zu hören, kann aber nichts verstehen. Das Prasseln des Regens auf Helm und Kapuze ist zu laut. Ich sehe es als positives Zeichen und hoffe, dass er mir „Seil frei!“ zurufen will, was wiederum bedeuten würde, dass er den Stand unten erreicht hat. Doch die zu erwartende Seilentlastung findet nie statt. Es ist unmöglich abzuseilen – die Seile stehen permanent unter Zug.

Das Inferno naht. Jetzt heißt es Vollgas geben! Denn in so einer Tour – ganz oben und bei drohendem Gewitter – gibt es eigentlich nur einen Fluchtweg: ganz nach oben. Doch das Gewitter ist schneller.

Ein Hoffnungsschimmer Christophs Frau, Irina Klein, versucht ebenfalls, mich anzurufen. Das Gewitter hat etwas nachgelassen, ich kann rangehen. Leider baut sich die Verbindung nicht auf. Nun rufe ich die unbekannte italienische Nummer zurück. Die Verbindung kommt zustande, jemand sagt: „Die Rettung läuft. Ein Hubschrauber kommt und holt euch raus. Haltet durch!“ Ein großer Hoffnungsschimmer und mentale Stärkung. „Sie holen uns raus, halte durch“, sage ich mir immer wieder. Christoph erreicht diese Information nicht, wir haben nach wie vor keinen Rufkontakt.

Obwohl Blitz und Donner noch deutlich zu hören sind, hat das Gewitter deutlich nachgelassen. Die Sicht ist besser geworden. Endlich höre ich den Rettungshubschrauber, den ich wenig später auch sehen kann. Ich reiße beide Arme in die Luft, damit er uns im Kamin ausmachen kann. Der rot-gelbe Hubschrauber fliegt erst direkt auf mich zu, dann entlang der Wand auf und ab – vermutlich, um sich ein Bild der Situation zu machen –, und schließlich wieder kurz weg.

Tobias Klettergurt mit den Seilenden und Selbstsicherungsschlinge: Weil seine Hände zu steif waren, konnte er die Knoten nicht mehr lösen und musste das Seil abschneiden. Die Schlinge wurde später vom Flughelfer durchgetrennt. Foto: Archiv Tobias Bailer

Über eine 100 Meter lange Longline wird Christoph schließlich vom Flugretter Arrigo aus dem tiefen Kamin geholt. Später wird er mir erzählen, dass er meinen Seilpartner in einem nach vorne zusammengeknickten Zustand am Fuße der Verschneidung im Wasserlauf vorfand. Er sei mit zwei Expressschlingen an einem einzelnen Normalhaken in der Verschneidung fixiert gewesen, darunter ein verheddertes Seilknäuel.

Der Flugretter hängt Christoph bei sich ein, schneidet die Seile durch und der Hubschrauber steigt kurz in die Höhe, um die Expressschlingen zu entlasten, damit der Flugretter sie lösen kann. Der Hubschrauber zieht nach oben weg und die beiden werden per Seilwinde in den Hubschrauber gezogen. Herzstillstand bei Christoph. Seine Körperkerntemperatur: nur noch 20 °C. Abflug nach Canazei.

Wenige Minuten später werde auch ich von Arrigo über die 100 Meter lange Longline aus der Wand geholt: Als der Retter bei mir ankommt, verschafft er sich einen kurzen Überblick, hängt mich ein und schneidet die Bandschlinge meiner Selbstsicherung durch. Der Hubschrauber zieht nach oben weg, wir schlagen mehrfach gegen die seitlichen Wände des tief eingeschnittenen Kamins.

Als wir in der Luft hängen, werden wir per Seilwinde in den Hubschrauber gezogen. Bei mir werden keine Temperaturmessungen vorgenommen. Abflug nach Canazei.

Am Hubschrauberlandeplatz in Canazei komme ich vom Hubschrauber in einen Krankenwagen. In Waden, Oberschenkeln und Hüfte habe ich so heftige Krämpfe, dass ich nicht mehr laufen kann – ausgelöst durch die eineinhalb Stunden eingenommene, verkrampfte Spreizposition im Kamin. Aus dem Augenwinkel sehe ich Christoph zum ersten Mal wieder: Er wird per Herzdruckmassage wiederbelebt. Acht Personen, darunter Notärzte und Sanitäter, sind bei ihm. Es trifft mich wie ein Schlag. Ich kann es nicht glauben. Tränen überkommen mich.

Im Krankenwagen legt mir eine Notärztin Infusionen und Zugänge, da der Verdacht auf massive Unterkühlung besteht. Sie sagt, Christoph gehe es sehr schlecht. Daraufhin rufe ich meine Frau Nina an und informiere sie darüber, dass wir ausgeflogen wurden und uns nun unten im Tal befinden. Ich berichte ihr von Christophs Zustand.

Wie wir später erfahren, wurden an diesem Tag insgesamt drei Seilschaften aus der Marmolada-Südwand gerettet. Wir aus der „Soldà“, eine Seilschaft aus „Moderne Zeiten“ und eine weitere aus „Don Quixote“.

Die Notärztin informiert mich, dass Christoph nach Trento und ich nach Cavalese ins Krankenhaus geflogen werden.

Hätte ich anders reagieren sollen?

Unser Ziel, das wir durch zweimaliges Abseilen erreichen wollten, war eine kleine Gufel – ein etwas geschützter Platz direkt vor der Schlüsselseillänge. In der Ungewissheit darüber, ob wir überhaupt an diesem Tag aus der Wand gerettet werden könnten, erschien uns das als vernünftige Entscheidung.

Dennoch habe ich mir im Nachhinein oft die Frage gestellt, ob es nicht eine Alternative gewesen wäre, mit dem Biwaksack (wir hatten einen von Mountain Equipment dabei) über dem Kopf das Unwetter an zwei Cams hängend auszusitzen. Allerdings ist fraglich, ob der dünne Sack den massiven Hagelkörnern und später dem Steinschlag standgehalten hätte.

Schon während des Ausharrens am Stand – und auch in vielen Nächten danach – habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, ob ich anders hätte handeln können, müssen oder sollen. Da das Seil dauerhaft unter Spannung stand, hätte ich lediglich die Möglichkeit gehabt, mit einer Prusiksicherung entlang des vereisten Kamins am gespannten Seil abzurutschen.

Zwei Punkte sprachen aus meiner Sicht klar dagegen

1. Das Seil hing an einem einzigen (!) und uns völlig unbekannten (!) Normalhaken, der in einem übers Jahr betrachtet meist feuchten Kamin steckt. Christoph hatte ihn beim Versuch, weiter nach oben zu klettern, im Stehen unter dem herunterlaufenden Wasser ertastet – mehr nicht. Nicht einmal gesehen! Es war ohnehin riskant, daran überhaupt abzuseilen. Ich wollte den Haken auf keinen Fall zusätzlich mit meinem Körpergewicht belasten, um keinen Seilschaftsabsturz zu provozieren.

2. Erschreckend war, wie schnell ich im 0–4 °C kalten Wasser am Stand hängend steif und kraftlos wurde, vor allem in den Fingern. Ich konnte kaum noch meine Knoten öffnen und schnitt sie deshalb sogar lieber durch (!). Weitere Seilmanöver – etwa eine Lastübergabe auf andere Sicherungspunkte – wären mit einem unter Spannung stehenden, nassen Seil praktisch nicht mehr zu bewältigen gewesen.

Was bei Christoph wohl geschah? Eine Vermutung

Die wahrscheinlichste Erklärung für das, was Christoph beim Abseilen passiert ist: Er wollte im Seil hängend das unter ihm befindliche Seilknäuel lösen, um weiter abseilen zu können. Das dürfte mit starren Fingern und nassem Seil extrem schwierig gewesen sein. Um das besser bewältigen zu können, hat er sich vermutlich mit zwei Expressschlingen an einem zufällig dort vorhandenen Normalhaken im Wasserstrom zusätzlich gesichert. Was ab diesem Moment genau geschah, wird wohl für immer Spekulation bleiben.

Blitzeinschlag, Herzstillstand: Wie Christoph beinahe in der Wand verunglückte

Im Hubschrauber wurde bei Christoph ein Herzstillstand festgestellt. Seine Körpertemperatur betrug angeblich nur noch 20 °C. Noch während des Flugs begannen die Notärzte mit der Herzdruckmassage, die am Hubschrauberlandeplatz in Canazei unmittelbar fortgesetzt wurde. Nicht in der Hoffnung, dass sein Herz wieder zu schlagen beginnen würde, sondern damit das Blut weiter zirkuliert und sich keine Blutgerinnsel bilden.

Im Santa Chiara Hospital in Trento begann sein Herz wieder zu schlagen. Christoph wurde intensivmedizinisch behandelt und an eine zentrale extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) angeschlossen – ein Verfahren, bei dem das Blut außerhalb des Körpers in einer Maschine mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit wird. Christoph lag zwei Tage im künstlichen Koma in Trento.

Zu diesem Zeitpunkt war völlig unklar, wie sein Gehirn den Herz-Kreislauf-Stillstand verkraftet hatte. Doch er überlebte das Unglück sowohl körperlich als auch geistig ohne bleibende Schäden. „Wie bei Lawinenopfern zu lesen ist, hat ihm vermutlich die massive Unterkühlung zu diesem glücklichen Ausgang verholfen“, vermutet Tobias.

Ich selbst erlitt an diesem Tag Erfrierungen ersten Grades an allen Fingern und den großen Zehen. Das Taubheitsgefühl hielt monatelang an. In der Notaufnahme in Cavalese wurden keine akuten Anzeichen einer Unterkühlung mehr festgestellt. So blieb ich eine Nacht zur Überwachung der Herzfrequenz – denn obwohl ich durchgehend bei Bewusstsein war, konnte ein möglicher Blitzschlag nicht ausgeschlossen werden, der Auswirkungen auf das Herz gehabt haben könnte.

Auffälligkeiten zeigten sich jedoch keine. Nach dem Unfall hatte Christoph keinerlei Erinnerungen an das Geschehen – und ab dem Einstieg auch nicht mehr an die Tour selbst. Als ich ihm später Bilder zeigte, betrachtete er sich darauf wie als Fremder. Rückblickend berichteten die Ärztinnen und Ärzte, dass am Hinterkopf und an den Fersen Stellen gefunden wurden, die auf einen Blitzschlag hindeuten könnten.

Verlor er also durch einen Blitzschlag das Bewusstsein – und damit, im Wasser hängend, rapide an Körpertemperatur? Oder war es umgekehrt: Er verlor durch die massive Unterkühlung das Bewusstsein und wurde später vom Blitz getroffen? Die Medizinerinnen und Mediziner auf der Intensivstation in Trento konnten den genauen Ablauf nicht rekonstruieren. Allerdings zeigte sein Körper keine Hinweise auf Steinschlagverletzungen, die eine Bewusstlosigkeit verursacht haben könnten.

Gewittereinbrüche in alpinen Wänden

Insbesondere in Felswänden mit wenigen Ausweichmöglichkeiten können Gewitter und starke Niederschläge schnell lebensgefährlich werden. Besonders in Rinnen oder Kaminen sammeln sich enorme Wassermengen – normales Canyoning ist ein Witz dagegen. Weil der Fels an diesem sonnigen Tag bereits stark aufgeheizt war, schmolzen Hagel, Graupel und Schnee rasch.

Anfangs prasselten noch Hagelkörner auf uns nieder – wenig später rauschte ein ganzer Wasserfall über uns hinweg. Innerhalb weniger Minuten standen wir im eiskalten Schmelzwasser, das nur noch 0–4 °C hatte. Die Erfrierungs- und Unterkühlungsgefahr war extrem hoch. Hinzu kam eine deutlich erhöhte Steinschlaggefahr.