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Oder doch nicht?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Vorsteigersturz im ÜberhangFree Solos: Sinnlose Heldenspiele?Laura Tiefenthaler: „Wir sollten Solo-Begehungen ignorieren statt feiern“„Women’s first ascents nerven, weil es sich wie eine Abwertung anfühlt“Colin Haley: „Ich hatte dem Rope Solo abgeschworen“Rope-Solo: Die Seiltechnik von Simon GietlFree Solo: Ultima Ratio oder der ganz normale Wahnsinn?Lead Rope Solo: Gesichertes Freiklettern ohne Sicherungspartner:inbergsönlichkeit: Laura TiefenthalerSAC-Bergnotfallstatistik 2025: Mehr Rettungen, weniger Todesfälle„Solo“: bergundsteigen #134 ist da!Wintertrilogie am Piz Palü: 3 Nordwandpfeiler an einem Tag Bergunfälle: Über Eigenverantwortung und Einzelfälle2025/ 26: Ein außergewöhnlicher Winter?Notbiwak: Das Wichtigste im ErnstfallLawine: Nassschneezyklen im Frühjahr How-To: Toprope-Solo-Halsband und geräteseitige VerdrehsicherungKinder & Bergausrüstung: Die richtige Ausrüstung findenBergsteigen mit Kindern: Chancen und GrenzenZwischen Erfolg und Bodenständigkeit: Babsi Zangerl im InterviewWo Gleichberechtigung aufhört: Muttersein und BergsteigenSexismus in den Bergen: Veraltete Denkmuster und GrenzverletzungenEisstabilität besser beurteilen: Die Ice Selection MethodEiskletterunfall: Beinahe-Absturz beim „Rope Solo“Sieg für Cochamó: Chiles Granit-Paradies geschütztPowder: Gefahrenzeichen von Triebschnee im Gelände wahrnehmen und erkennenSchneebrettlawinen: Bruchmechanik der SchwachschichtDer „Arlbergeffekt“: Mehr Spuren = weniger Lawinengefahr?LVS- und Störquellen-Check in geführten Gruppen: So geht’sFrühwinter & Lawinengefahr: Was man beachten sollte Verhauer: Lehren aus dem Lawinenabgang auf der NordketteMarkus Hofbauer: Eisklettern nach einem schweren UnfallLehren aus Kanadas verheerendstem LawinenunglückSchweizer Lawinenwinter 1951: So kam es zur KatastropheRegen im Hochwinter: Risiken für die SchneedeckeLVS-Ausrüstung: Ab wann muss ich mein LVS-Gerät austauschen?Kälteschutz durch Genvariante: Manche frieren andersLawinen sind für Gletscher entscheidendStefan Kosz: „Bergführen sollte nichts mit Heroik zu tun haben“Kochen unter Extrembedingungen: 4 Kochsysteme im Vergleich„Kinder“: bergundsteigen #133 ist da!Seilaufstiegstechnik: Seilgeräte, Schlingen und Klemmknoten, RücklaufsperrenLVS Geräte Test: Update 2025/26White Risk App: Lawinen melden leicht gemachtKletterseil in die Waschmaschine – ja oder nein?Wann wird der Altschnee zum Altschneeproblem?Sport und Leidenschaft: Alpinismus-Chronik 2024LARA: Local Avalanche Risk AssessmentAbsturz & Kälte: Die unterschätzten Gefahren des WintersVerhauer am Ortler: Die Kunst der Kommunikation„Free Solo“ und warum man nicht darüber schweigen kannKletterunfall: Lebensgefahr in der Marmolada-SüdwandSchnittfestigkeit der neuen BergseileMüll am Gletscher: gekommen, um zu bleiben!Risiken im Lawinenhang mit Munter, Snowcard und Skitourenguru: Same, same but different!UHMW-PE-Rucksäcke: Wenn Weiß das neue Schwarz istRessource Fels: Fürs Ego oder für alle?Warum wir Bergsteiger so sind, wie wir sindRisiko beim Bergsteigen: Von Felsklippen und anderen Unsicherheiten#alpinhacks: Abseil-Looping (Partnercheck beim Abseilen)Dämpfung adé: Barfußschuhe am Berg„Verzicht“: bergundsteigen #132 ist da!Speed-Versuch am Mount Everest: Gelingt Tyler Andrews der Rekord ohne Sauerstoff?Gewichtsausgleich beim Klettern: 5 Bremsassistenten im PraxistestDie Rega: Luftrettung in den AlpenKind statt Gipfel: Wenn die Berge warten müssenSelbstsicherungsgeräte: (Beinahe-)Unfälle und was wir daraus lernen könnenKletterroute vor Gericht: Wem gehört der Fels?Huber und Gietl eröffnen APassionata (9+), HeiligkreuzkofelHow-To: Assistiertes AbseilenVerhauer: Ungesichert in der WandJonas Schild gelingt Joy Division (8b) im Val di MelloHaftung bei Vereinstouren: Wer trägt die Verantwortung? Erstbegehung am Jirishanca, Peru: Gietl, Arnold und Huber eröffnen neue Route „Kolibri“Verhauer: Spaltensturz am Nesthorn NordwestpfeilerTrad-Klettern: Moderne Sicherungsmittel und Best PracticesSonnenschein-Anxiety, wie bitte?#alpinhacks: Der Stuflesser-KnotenMentale Gesundheit: So stärkt Bergsport die PsycheAlex Honnold: „Die Mondlandung des Free-Solo-Kletterns“FOMO: Haben Profis wie Babsi Zangerl & Co. Angst, etwas zu verpassen?Paul-Preuss-Preis 2025 an Babara Zangerl Klettern im Einklang mit dem Zyklus#alpinhacks: Abbauen ohne AbsturzDünn um jeden Preis: Die Schattenseiten des KletternsVogelschutz und Klettern – geht das?Lawinenunglück: Die ersten 10 Minuten zählenbergundsteigen #131 ist da!Steigeisen-Technik: Auf die Zacken, fertig, los!FOMO, Social Media & AlpinismusBlitzaktivität in den Alpen steigt deutlich durch Klimaerhitzung„Handy App führt Bergsteiger in den Tod“Brechen die Berge durch den Klimawandel auseinander?Kurzschluss 2.0: „Gehen am kurzen Seil“ in der Südtiroler BergführerausbildungHow do mountaineers tick? What psychology revealsBergführerserie: behelfsmäßige Kameradenrettung bei Nachsteigersturz im Quergang#alpinhacks: Abseilen mit Hilfsleinen (Rad Line & Co)Schneearm und Altschneeprobleme: Der Schweizer Winter 24/25Zahl der Alpintoten gestiegen: Alpinunfälle in Österreich 2024Wenn Berglust zur Bergsucht wirdGleitschneelawinen: Die großen Unbekanntenbergundsteigen #130 ist da!Ski & Zug: „Ein Rückflug hätte die ganze Reise zerstört“Schweizer Bergunfallstatisik 2024: Mehr Tote bei SkitourenUnter 3%: Den Bergführern fehlen die FrauenRoutensanierung: Ein Gremium gegen die Anarchie?Kolumne: GrundsätzlichNeutour Punta Pioda Nordwand „Luce e Tenebre“ (M8/A3/700m)bergsönlichkeit: Michael LarcherRückruf: Black Diamond Vision KlettergurtVerhauer Eisklettern: Rausgelüpft beim NachstiegssturzSkitour: Die Kunst der guten AufstiegsspurTourenbindungen: Was ist der Z-Wert?Wie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 3/3: Die GefahrenstufeARVA NEO BT PRO: Freiwilliger RückrufAufruf zur Überprüfung: Klettersteigset: Edelrid Cable Comfort Tri#alpinhacks: Tyrolean Wrap mit der RettungsdeckeFilmkritik: Wanda Rutkiewicz und der Preis der HöchstleistungSpitzkehre?! Ich versteh’ nur Bahnhof!!!SNOBS: Die Community als Teil der Lawinenwarnungbergundsteigen #129 ist da!Lawinenzeit: Ein tödliches PhänomenWie entsteht eine Lawinenvorhersage? Teil 2/3: Die Beurteilung der GefahrenWas gibt es Neues am LVS-Markt im Winter 2024/25?Wie entsteht der Lawinenlagebericht? Teil 1/3: Die DatengrundlageGeführte Bergtouren gefährdet? 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Der (Sport)Soldat in der SpeedwallKlimawandel: die 5 alpinen Gefahren der ZukunftSeilrisse von dynamischen Kletterseilen: Das letzte ungelöste Problem?Katharina Hartmuth: Neuer Ultratrail-Rekord beim TORXOvertourism an den höchsten Bergen Ost-Asiensbergundsteigen #128 ist da!Olympia-Rückblick: Die Kunst des KletternsBohrhaken: Sichere Sache?Die Bohr-Maschinen: 5 legendäre Routen-ErschließerKlettern mit Behinderung: Inklusion auch andersrumDie 18 höchsten Abstürze, die bisher überlebt wurdenDialog: Kletterseil und Säureverhauer: Glück hoch 2 am Schrötterhorn5 historische Klemmkeile (und wer sie entwickelt hat)Lebensversicherung: Dynamische KletterseileJa muss das denn sein?Doping am Berg?Die Rettungsdecke als UV-Schutzbergundsteigen #127 ist da!Solenne Piret: Mit einer Paraclimbing – Weltmeisterin im GesprächAngelino Zeller: Mit einem Paraclimbing – Weltmeister im GesprächIn 7h:25min auf den Mont Blanc: Interview mit Hillary GeraldiOndra/Schubert: «Ziel ist es, die eigene Marke zu verkaufen»Getestet: Die neuen Sicherungsgeräte PINCH & NEOXBergwacht Bayern Wintersaison 23/24: Viele Pisteneinsätze und kuriose Geschichten«Heute ist weniger Ego im Spiel» Adam Ondra & Jakob Schubert im InterviewOndra/Schubert: «Andere Projekte sind nie zu einem Albtraum geworden»bergsönlichkeit: Peter LechnerFehler beim Abseilen: 20 TippsNotruf am Berg: 4 Szenarios#alpinhacks: Kletterschuh abgestürzt?Gleitschneelawinen: Das große Problem im Winter 2024Heiße Karten: Gefahren und Chancen von HeatmapsAI in der Lawinen-RisikobeurteilungWelche Halbseile in Dreierseilschaft?Bouldern in der Stadt: Eine Hommage an Probleme im BetonÖsterreichische Bergunfallstatistik Winter 23/24: Instabile Verhältnisse und mehr VerunfallteDavid Lama: Erinnerungen zum 5. 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Teil 2 be FASTNofall Alpin (7/9): neurologisches ProblemNotfall Alpin (5/9): Kritische Blutung z.B. nach einem SpaltensturzNotfall Alpin (4/9): Erste Hilfe nach einer Lawinenverschüttung – Time is brain!Notfall Alpin (3/9): Einsatz des AEDs durch Notfallzeugen am BergLawinenkunde: Der Mensch ist SchuldNotfall Alpin (2/9): Atmung und KreislaufHauptsache Widerstand? 3 Seilbremsen im PraxistestNotfall Alpin (1/9): die ersten 5 MinutenWeniger Tote, mehr Verletzte: Alpinunfälle in Österreich 2023Hunde in Bergnot: Gibt es einen Anspruch auf Tierrettung?Frauen in den Bergen aus medizinischer Sicht: Tipps für BergsteigerinnenStörquellen bei der LVS-Suche: Wie Smartphones und Co. unsere Sicherheit beeinflussenGescheiter(t)? 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Berge zu uns sprechen könnten, was würden sie sagen?Und Friede auf Bergen: 20 Jahre Tirol DeklarationHitzeschäden am Berg: Was tun?Billi Bierling und die 8.000er-GipfelVideo: Der 1970er-Weltrekord für Skiabfahrten auf 7.492 Meter HöheVerhauer: Vom Einsteigen in eine falsche Route3x Abschlussexpedition: Junge Alpinisten, Exped-Kader & SAC Frauen-ExpeditionsteamNEOX: Neues Sicherungsgerät von PetzlRealistischere Bewertung: Überarbeitung der SAC-WanderskalaKommerzielles Höhenbergsteigen: 4 Fragen an …7h 25min: Neuer Rekord am Mont BlancIst das GriGri-Problem wirklich so groß?Numerische Wetterprognose: Sicherheitsgewinn im Bergsport?30 Jahre Outdoorindustrie: „Unser Modell wird nicht überleben“Klettern mit mobilen Sicherungen: Wie verlässlich sind Friends?8.000er-Alpintourismus, Harila und die fehlende Stil-DiskussionHochtourismus: 30 Jahre kommerzielles Höhenbergsteigen in NepalSchäli, Gietl und Maynadier gelingt Erstbegehung am Meru PeakAlle 8.000er: Kristin Harila im InterviewMenschen – Massen – Mount Everest: 30 Jahre Höhentourismus im HimalayaBergsteigen in Zeiten der Klimakrise: Prof. Georg Kaser im InterviewBergsturz, Steinschlag und Co.: Wie gefährlich sind sie?Verhauer: Schicksalsseilschaft – wann ausbinden?Verhauer: Partnercheck sonst Partner (fast) wegAlarmmeldung „Kreislauf“ – Traubenzucker oder Defi?Drei Tage in Gletscherspalte: Rettungsaktion im HimalayaDie 7 häufigsten KletterverletzungenKarabinerbruch durch ZusatzsystemTag der offenen Tür 2023 am SLFRückruf: Wild Country Superlight RocksSpace Blanket: 6 Einsatzmöglichkeiten der RettungsdeckeHöhenbergsteiger Noel Hanna tödlich verunglücktNeuer Job: Sachbearbeiter*in SicherheitsforschungNachwuchsalpinisten: Balanceakt zwischen Bremsen und FördernProzessionsspinner: Feine Haare, heftige Reaktion Expeditionskader: „Es gibt mehr als Plastikklettern“Verhauer: LängsspaltensturzKolumne: Flugscham bei Alpinisten?Schweizer Bergunfallstatistik 2022: Weniger tödliche Unfällebergundsteigen #122 ist da!Freiwillige Rückrufaktion: 2023 Recon LT LVS-GerätSchön und gefährlich: Wie entstehen Wechten?Posttraumatische Belastungsstörung im alpinen Rettungsdienst„Hall of Fame“ – Die anspruchsvollste alpine Mixed-Route der Welt?#alpinhack: selfmade-Seilhalter für Mehrseillängen4x Alpinklettern: Der Reiz der VielfaltFree and High: Wo liegt die Zukunft des Spitzen-Alpinismus?Simon Gietl: Winter-Soloüberschreitung der GeislerspitzenDer Bergsportkommentar: Hilfe bei rechtlichen Fragestellungen rund um den Bergsportbergundsteigen BergmedienWisdom of Crowds: Senkt eine Gruppe das Lawinenrisiko?Citizen Scientists: Saharastaub & die SchneedeckeSchmelzumwandlung: Was passiert mit den Schneekristallen im Frühjahr?Verhauer Eisklettern: Kollaps einer EissäuleSüdtiroler Stand: Erwin Steiner im InterviewDas Auslösen einer Lawine und seine strafrechtlichen Folgen„Achtung Lawinen!“ – Was ist neu im Faltblatt?Winter 22/23: Was gibt es Neues bei den Lawinenlageberichten?Was wir von Albert Wenk über die Entwicklung der Bergsport-Ausrüstung lernen könnenAngewandte Rangdynamik: Über die Gruppendynamik am BergTrauerseminar: Wenn ein nahestehender Mensch in den Bergen verunglückt ist Schneebeobachtung: WMO ernennt das SLF zum KompetenzzentrumKältekunde: Über Erfrierungen am BergIch gehʼ mit meiner Laterne: Über Nachtskitourenpro & contra: NachtskitourenLawinenwarner: Fabianos Blick in die Schneedecke von morgen8 Fakten über die KälteHow to Bigwall (2/3): Richtig Haulenbergundsteigen #121 ist da!Schweiz: Neue Unterteilung der Gefahrenstufen im Lawinenbulletin mit + und –Grönland: Abschluss-Expedition DAV ExpedkaderJorg Verhoeven: Über Klettern & psychische ProblemeEinfach-, Zwillings- & Halbseile: Welches Seil wofür?Staatsanwaltschaft warnt vor gebrauchten Lawinenrucksäcken, Mammut kontertSeil verkürzen: 7 Methoden im VergleichPeru: Alpine Erstbegehungen in San Marcos und KreinSail & Climb: Frauen-Erstbegehung „Via Sedna“ auf GrönlandExpeditionsbericht: Die Jungen Alpinisten im Inshincatal, 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Oder einfach keine gute Idee?Wieder nichts gelernt!Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? Teil 1Notfall Alpin (11/13): Pandemie – quo vadis? 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Beating the amputation with a smile

Wenn er sich frühmorgens mit seinem Hund Kayha und montierter Prothese zu einer Tour aufmacht, durch die von Tau bedeckten Wiesen läuft und die winzigen, von der Sonne beschienen Tröpfchen wie kleine Diamanten scheinen, dann ist Reto mit sich und der Welt im Reinen. Die Natur im Allgemeinen und der Bergsport sowieso zaubern ihm immer noch ein Lächeln ins Gesicht. Diese Leidenschaft hat den 63-jährigen Bergführer schon in jungen Jahren gepackt. Nicht nur die Gipfel, sondern vielmehr die kleinen unscheinbaren Dinge beim Aufstieg sind das, was er schätzt – oder besser: zu schätzen gelernt hat. Denn die Prothese am linken Bein, vom Oberschenkel abwärts und ein künstliches Kniegelenk mit verkürzter Patellasehne am rechten Bein haben sein Leben verändert.

Seit 16 Jahren trägt Rey, wie ihn seine Freunde nennen, eine Prothese. In den 80er-Jahren verunfallte der Schweiz-Kanadier bei einer Tour im Himalaya und die Amputation ist eine Spätfolge davon: „Man ha mir damals schon gesagt, dass ich mein Bein eines Tages amputieren lassen muss …“.

Eine ungewöhnliche Gewissheit, die ihn lange begleitet hat. Denn nach dem Unfall hatte Rey das Glück, mit seinem verletzten Bein noch 15 Jahre als Bergführer arbeiten zu können, wobei er sich vor allem in Canada verwirklichen konnte. Beim Heliskiing und Skitourengehen konnte er diesen wunderbaren Beruf noch weiter ausüben, auch wenn die Probleme mit dem linken Bein zunehmend größer wurden – doch manchmal vergass Rey fast, was ihm hier noch bevorstand. Die Venen verhinderten die Amputation noch einige Zeit, aber im Winter 2003 war der Fuss so geschwollen, dass er nur mit einer Wollsocke, aber ohne Innenschuh in den Skischuh passte. Rey fragte sich, ob und wie er später mit einer Prothese unterwegs sein kann, doch meist versuchte er diese Gedanken wegzudrängen: „Ich lebe einfach die Zeit aus, die mir bleibt“.

In Canada hatte Rey bald einen Indianer als Freund, der zu seinem Mentor wurde und ihn in die Geheimnisse der schamanischen Denkweise einführte. Oft waren sie mit dem Kanu am Fluss unterwegs und führten lange Gespräche. Er hat Rey gelehrt, sich vom rein irdischen Denken zu lösen und stets mit dem zufrieden zu sein, was man hat. Bill ist immer wieder in der Kunstschreinerei „Log Yeti“, die Rey schon seit den 1990er-Jahren betrieb, aufgetaucht und hat ihn aufgefordert zusammenzupacken, um auf gemeinsame Kanutour zu gehen. Die Antwort von Bill auf den regelmässigen Einwand von Rey „Leider keine Zeit – zuviel zu tun!“, war stets dieselbe: „Die Seele ist wichtiger als die Arbeit.“ So landeten sie im Sommer immer wieder auf dem Fluss …

Mai 2003, ein Tag vor der Amputation. Rey hatte die Operation so lange wie möglich hinausgezögert, war noch bis im April auf den Skiern gestanden und hatte jeden Schwung ausgekostet. Doch in den Venen hatten sich Blutgerinnsel gebildet und das Bein war ohne mögliche kritische Konsequenzen nicht mehr länger erhaltbar. „Du verlierst nicht, du gewinnst etwas“, meinte Bill während einer Kanutour und sprach von Erfahrung, Stärke und Erkenntnis – die Rey damals noch nicht hatte. Aber auf diesem Trip wurde aus Angst Akzeptanz.

Nach der OP bekam Rey die erste Prothese und das Lernen ging los. Im Kopf war er schon wieder am Berg, im Körper war er wie ein Kleinkind ohne Geduld. Es folgten Stürze, blaue Flecken und Momente der Verzweiflung: wenn die Phantomschmerzen den Körper durchzuckten oder der Gleichgewichtssinn auf einmal ausblieb. Doch Rey liess sich nicht entmutigen. Er bastelte sich eine Kletterprothese und bestieg damit gemeinsam mit Freunden den Ha-Ling Peak in Canmore/Alberta/Canada. Diese „Bergführer-Freunde“ liessen ihn nicht sitzen, sondern holten ihn für Touren ab und halfen ihm ebenso wie Bill, mit den neuen Situation fertigzuwerden und die alte Passion weiterzuleben.

Das Klettern am Ha-Ling Peak ging erstaunlich gut und war Balsam für Reys Seele. Der folgende Abstieg wurde aber zu einer harten Lektion: Erstmals mit der Prothese und nur einem Stock hinunter über gerölliges Gelände– normalerweise dauert der Abstieg vom Gipfel, den sie zu Mittag erreicht hatten, zwei Stunden; Rey erreichte das Auto erst im Dunkeln. Doch aus solchen Erfahrungen lernt man.

Klettern am Hau Ling Peak Canada 2004. Ein Jahr nach der Amputation mit der Kletter- Prothese 2004 am Ha-Ling Peak/Canadien Rockies. Foto: Kirsten Knechtl

Während eines Urlaubs in der Schweiz riss sich Rey 2007 das Kreuzband und wurde „am guten Bein“ im Spital operiert. Alles verlief problemlos, bis einige Wochen später eine Infektion auftrat und erneut Durchhaltewillen und innere Ruhe gefordert waren – denn dieser Infekt hätte ihn fast aus der Bahn geworfen. Da Rey inzwischen geschieden war und seine zwei Töchter, die ebenso für die Berge leben, bereits ihre Berufsausbildungen machten, hatte er keine Eile, nach Canada zurückzukehren und konnte sich ganz auf die Heilung konzentrieren. Doch durch den Infekt kam es zur Arthrose und vier Jahre später folgte schliesslich ein künstliches Kniegelenk ohne Kniescheibe und mit verkürzter Patellasehne. Erneut folgten Reha und Aufbauarbeit und nur durch den Einsatz der Ärzte und Reys Willens- stärke kann er sein Bein heute wieder ein- setzen. Damals musste Rey hart kämpfen, um seine Zufriedenheit nicht zu verlieren.

Ein Bein amputiert zu bekommen ist das eine, dann aber das andere nicht mehr benützen zu können, das andere. „Sei nicht enttäuscht darüber, was du nicht erreichst, erfreue dich daran, was möglich ist“, waren dazu die Worte von Bill. Seine Lebenspartnerin Rea, die Tochter der Schweizer Bergsteigerinnenpionierin Ruth Steinmann, hat einen riesigen Anteil an Reys Wiederein- oder besser -aufstieg in der Bergwelt. Oft hat sie sein Bein – wenn auch nur aus Metall- aus dem Schnee gezogen, ihn unermüdlich motiviert und unterstützt.

Wenn man mit einer mechanischen Oberschenkelprothese einen Berg hinaufsteigt, ist man langsam und oft unsicher unterwegs; beim Abwärtsgehen, wenn die Schritte bzw. „Stufen“ zu gross werden, fühlt man sich wie auf einem Zahnstocher mit einem Türscharnier. Deshalb haben die meisten Prothesen auch eine Dämpfung, die das Knie bis zu einem gewissen Grad zurückhält. Ab einer Kniebeugung von über 30 Grad klappt es aber ein und ist mit einer Feder, die etwas nachgibt, auf 90 Grad fixiert. Deswegen kann man beim Aufstieg je nach Steilheit den „Prothesenfuss“ nur etwa 20 bis 30 Zentimeter vor das Standbein bringen. Es geht also nur langsam, jedoch mit etwas Technik und viel Übung alles in allem erstaunlich gut den Berg hinauf. Rey hat gelernt, mit normalen Skistöcken den Berg hinauf- und mit Unterarm-Krücken wieder herunterzukommen. Mit viel Training und entsprechender Konzentration kommen Stolperer nur noch selten vor. Später hat er dann eine Computer-Prothese bekommen, mit der das Bergsteigen wesentlich leichter geworden ist. Im Gegensatz zum Rucksack: weil diese Prothese nach maximal drei Tagen wieder aufgeladen werden muss, ist seitdem ein Powerpack mit dabei und dazu Reparatur-/Reservematerial wie Schraubenschlüssel, Tape, Ersatzschrauben und als Backup die mechanische Prothese, was alles in allem viereinhalb Kilogramm Mehrgewicht bedeutet. Zusammen mit den Unterarmkrücken für den Abstieg wird dann schnell die Fünf-Kilo-Marke überschritten, sodass am Ende meist ein Zehn-Kilo-Ruck- sack herauskommt.

Als körperbeeinträchtigter Sportler sind der Aufbau und das Training der mentalen Stärke ebenso wichtig wie jene der Grundkondition. Nein, eigentlich wichtiger. Denn ohne Zielfokusierung, Frustrationstoleranz, Willensstärke und vor allem der Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten geht gar nichts. Zusätzlich muss die Freude an der geplanten Tour so gross sein, dass alleine der Gedanke daran einen die Bewegungen im Körper spüren lässt. Seine Erwartungen sind Reys wichtigster Sparringspartner: oft zu hoch oder zu niedrig und oft so realistisch, dass umgeplant werden muss. Freude und mentale Stärke sind die besten Freunde, denn die mentale Stärke ist die Fähigkeit, sich ungeachtet der Bedingungen an seine oberen Leistungsgrenzen zu bewegen, was eben Freude auslöst und der Antrieb für „Gutes“ ist. Ohne diese mentale Stärke, die sich Rey aneignen musste – oder vielmehr durfte – wäre vieles nicht möglich gewesen. Misserfolge und Emotionen haben in seinem (Bergsteiger-)Leben heute eben-so viel Platz, wie das Annehmen von Veränderungen.

Probleme mit der Elektronik der Prothese 2016 an der Kleinen Zinne. Foto: Daniel Rogger

Nach Touren in der näheren Umgebung rücken bald höhere Berge und andere Gebirge in den Fokus. So geht es auch in die Dolomiten, wo nicht nur wunderschöne Wanderungen gemacht werden, sondern auch die Kleine Zinne versucht wird. Dort, mitten in der Kletterei dann plötzlich ein „Biep-Biep- Biep“ und der Computer der Prothese ist im Error-Modus. Ups, wow – und was jetzt? Nach einer Weile ist klar, dass Rey auf seine Ersatz-Prothese wechseln und mit ihr weiter muss. Das geht nicht mehr mit so flüssigen Bewegungen, da das Knie immer wieder zu schnell biegt, wenn das Bein hochgezogen wird. Etwas Frustration und Enttäuschung schleichen sich im Kopf ein, doch: „Mit einem Wimpernschlag kann sich alles ändern – so liebe das Jetzt mit deinem Herzen, vielleicht kommt dieselbe Chance nie wieder.“ Mit diesen Gedanken kommt auch Reys Motivation zurück und er ist dankbar, dort sein zu können, wo er gerade ist – im Anstieg zur Zinne. Sein Lächeln beim Abseilen zeigt auch den anderen Kletterern, wie überglücklich er ist, hier unterwegs zu sein und wieder etwas geschafft zu haben. Für Rey wäre es nur noch schöner, wenn er diese Momente und Erfahrungen mit „Gleichgesinnten“ teilen könnte, wobei er damit körperbehinderte Menschen meint, welche von derselben Leidenschaft für die Berge infiziert sind.

„Meine Passion fürs Bergsteigen habe ich mir nicht ausgesucht“, sagt Rey, „sie hat mich ohne Grund gefunden, ohne dass ich Einfluss darauf hatte. Passion ist, wo deine Seele ein Zuhause gefunden hat.“

Im Abstieg vom Pazolastock/Graubünden (2015). Foto: Rea Steinmann

Abseilen an den Zinnen 2016. Foto: D. Rogger

Mit Ski-Strap als Patellasehen-Ersatz beim Langlauftraining für die Ost-Grön- land Expedition (2017). Foto: Rea Steinmann

Wenn nach den Sommermonaten der Schnee vor der Haustüre liegt, dann kommt der Drang nach dem Skitourengehen wie- der. Mit seiner Prothese ist das für Rey wie- der eine neue Herausforderung. Je nach verwendetem Material ist der Ski zu schwer, um das Bein beim Aufsteigen nach dem Abstossen zurückzuholen und dann noch mit gebeugtem Knie weiter nach vorne zu schieben. Nach dem Studieren dieses Bewegungsablaufes ist dann die Idee geboren, mit einem G3-Skistrap (stabiles, elastisches Polyurethan-Band) eine Patellasehne „nachzubauen“. Diese Idee hat Reys Leben revolutioniert. Nicht nur beim Skitourengehen, sondern auch beim Klettern taten sich auf einmal neue Möglichkeiten auf, um an sein früheres Leben anschliessen zu können. Mit diesem Band kann er länger in gebeugter Stellung auf dem Ski stehen und bei Entlastung schnellt das Bein mit dem Ski – je nach Einstellung und Stärke – wieder zurück; auch bei der Abfahrt hilft dieses Band, einen entsprechenden Wiederstand in den Schwüngen aufbauen zu können. Aber erst nach vielen Stürzen und noch mehr frustrieren- den Momenten konnte Rey die ersten Ski- touren auch wirklich geniessen. Nachdem sie funktionierte, ging es nun darum, das Gewicht dieser „Sehnen-Konstruktion“ zu reduzieren, denn eine Prothese, deren Schaft mittels Vakuums am Oberschenkel hält, ist nur bedingt zusätzlich belastbar. Rey hat fast eineinhalb Kilo gewonnen, indem er den Skischuh aufgeschnitten hat und eine notwendige Fussfeder dort direkt mit Bolzen und Schlauch- klemmen befestigt hat – Angst vor kalten Füssen musste er ja keine haben. Der Nach- teil war, dass man nun während des ganzen Aufstieges von einem „Click-Clack“-Geräusch begleitet wird. Mit diesem System wurden auch Langlauftouren bis 30 km möglich, was für Rey ein ideales Aufbautraining für weitere Skitouren war.

Der Wunsch einmal in Grönland eine Expedition zu machen, war bei Rey schon lange da. So begann er mit seiner Kollegin Katharina Duciaova, mit der er in Kanada schon oft am Berg war, eine erste „Beinprothesen-Expedition“ in Ost-Grönland zu organisieren. Die Vorbereitungen waren intensiv, denn Rey hatte nach der Amputation noch nie einen Pulka gezogen. Auch wie sich die Prothese verhält, wenn sie knapp drei Wochen in Schnee und Eis unterwegs ist, wie sie auf- geladen wird, uvm. musste herausgefunden werden. Nach diversen Trockenübungen machte er sich am Lukmanierpass in Graubünden an das erste Grönland-Training in der Praxis. Das Ziehen des Schlittens war strenger als erwartet, aber machbar, und alles verlief zunächst nach Plan. Nachdem er das Zelt bei Sturm und Kälte problemlos aufbauen konnte, verbrachte er eine gute Nacht und auch der nächste Morgen begrüsste Rey mit Windböen und Schneefall. Raus aus Schlafsack und Zelt und erst ein- mal die Prothese montieren, d.h. Hose runter in den Schnee und den kalten Stumpen einziehen und ups – schon fällt ein Verschluss in den Schnee, der blöderweise eine weisse Farbe hat. Also suchen, nach fünf Minuten finden, aber solange mit her- untergelassener Hose im Wind und dann passt endlich alles und hoch mit der Hose. In dieser hat sich inzwischen natürlich Schnee angesammelt und der muss aus- geschüttelt werden und am Schluss bleibt ein saukaltes Hinterteil übrig. „Lache bedingungslos und bedauere nie etwas, das dich zum Lächeln gebracht hat!“, so wurde Reys Allerwertester wieder warm. Nach dieser Trainingstour wurden nicht nur die Hosen geändert (einfach ein Seitenreissverschluss rein), sondern zahlreiche Details optimiert und angepasst. Im März 2017 wurde der langgehegte Traum wahr und sechs Teamkollegen und Rey starteten zu ihrer Expedition in Ost-Grönland. Auf breiten Langlaufskiern glitten sie 16 Tage durch die zauber- hafte Schnee- und Eislandschaft, jeder zog einen 45 Kilogramm schweren Schlitten, sie überquerten Fjorde und Gletscher, über- nachteten bei zweistelligen Minustemperaturen und seine Prothese hinderte auch Rey nicht daran, diese 150 Kilometer zurückzulegen. Von seinen Teamkollegen wollte und bekam er keine Sonderbehandlung. Auch wenn er bei den bis zu acht Stunden langen Tagesetappen ca. 60 % mehr Energie benötigte, schaufelte er wie alle anderen auch Schneewände als Windschutz für die Zelte, bevor es ans Ausruhen ging. Dafür hatte er ja auch monatelang trainiert und obwohl der Aufwand und die Vorbereitungen gross waren, haben sie sich für Rey gelohnt: „Diese Expedition war eines der wichtigsten Erlebnisse in meiner Karriere. Ich fühle mich eins mit der Natur und mit mir im Reinen.“

Anderen Menschen Mut zu machen, die sich in derselben oder einer ähnlichen Situation befinden, wurde zu Reys Lebensaufgabe. Weil es aber gar nicht so einfach ist, diese Menschen zu erreichen, um Erlebnisse und Emotionen zu teilen oder noch besser, sie für – idealerweise gemeinsame – Aktivitäten am Berg zu motivieren, entstand die Idee, alle von Reys Outdoor-Aktivitäten in einer Traverse zu kombinieren. Dank einer neuen Prothese und dem Freund und Techniker Simon-David war es Rey wie- der möglich Fahrrad zu fahren: bei einem Grillnachmittag begannen sie herumzubasteln und experimentierten mit einem verkürzten Pedal. Das System funktionierte und seitdem ist Rey mit seiner Prothese auch auf dem Velo unterwegs; nach dem entsprechenden Training ging es damit auch wieder den Berg hinauf. 

Der Plan war nun, mit der normalen Alltagsprothese zehn Tage lang die Schweiz zu Fuss, mit dem Fahrrad und dem Kanu zu durchqueren und dabei von anderen körper- behinderten Menschen an einigen Tagesetappen begleitet zu werden: 368 Kilometer und 13.000 Höhenmeter durch die Alpen. Wiederum hieß es trainieren, herumbasteln und modifizieren und bald wurde klar, dass er für dieses Projekt die Unterstützung von Partnern benötigte. Dabei war der Wechsel auf ein E-Mountainbike der grösste Schritt zur Machbarkeit dieser Idee (an dieser Stelle Dank an alle beteiligten Freunde sowie an Thömus, Plussport, Össur, Pro Cap und Exped). Im Juli 2018 startete Rey in Brissago/Tessin diese noch nie gemachte Traverse, die ihn über die Tessiner-, Bündner- und-Glarner Alpen bis zum Bodensee führt. Wie geplant begleiten ihn Freunde und Gleichgesinnte auf seinen Tagesetappen, die voll von Erlebnissen und Zwischen fällen aller Art sind, die zu erzählen aber den Rahmen dieses Beitrages sprengen würden. Der Moment, als er nach einem langen Tag die Cadlimohütte/ Tessin erreichte, ist ihm eindrücklich in Erinnerung geblieben: „Am Abend in der Hütte, kommt ein Gefühl wie früher auf. Ich bin kein Behinderter mehr, sondern auf gleicher Augenhöhe mit den anderen Menschen hier am Berg.“

Prothesen break down im Val Viola/ Graubünden 2018. Foto: Rea Steinmann

Rey auf Kulusuk Island/Sermersooq in Grönland (2017). Foto: Kat Duciavia

Ein „normales“ Leben führen mit den ganzen angenehmen Kleinigkeiten wie, sich am Morgen nicht mit dem Sockenanziehen ab- plagen, weil man zu einem Fuss kaum hin- unterkommt, am Abend keinen Prothesenschaft reinigen müssen, der – naja – richtig stinkt usw. hat natürlich seinen Reiz. „Durch meine Behinderung habe ich bis jetzt viele Erlebnisse und Erfahrungen gesammelt, von denen ich sicher bin, dass ich sie ohne Prothese nie machen hätte können,“ sagt Rey heute, nicht ohne klar zu stellen: „Natürlich ist es damit im Alltagsleben oft schwierig, da man sozial auf einer anderen Ebene steht. Auch bin ich nicht nur am Berg, sondern überall langsamer und vieles ist komplizierter.“ Rey erzählt weiter, dass er immer wieder gefragt wird, ob er seine Beine wie- der zurückhaben möchte, so wie früher. Seine Antwort darauf lautet: „Nein, denn ich bin als Mensch gereift und meine Karriere wurde in den letzten Jahren positiv von dem Wiedererlangen meiner Selbstständigkeit und der damit verbundenen extremen Freude geprägt und geschult. Ich kann heute noch mehr weitergeben und schulen, als in meiner besten Zeit als Bergführer. Das habe ich dieser, nicht immer einfachen, aber grossen Lebenserfahrung zu verdanken.“

Diesen Sommer stehen Piz Palü und Piz Badile ganz oben auf der Wunschliste und im Frühling 2020 ist geplant, mit einer Gruppe Körperbehinderter Spitzbergen von Ost nach West zu durchqueren. Doch der größ- te Wunsch von Rey ist es, Gleichgesinnte zu finden, die Freude haben, sich am Berg zu versuchen. Bis heute hatte er leider noch keinen Erfolg, Menschen kennenzulernen, die sich tatsächlich öfter bzw. regelmäßig mal am Berg bewegen. Sein Wissen, wie man mit Körperhinderung bergsteigen kann, würde der Bergführer Rey „Reto“ Keller jederzeit gerne weitergeben.


Der Schweizer Rey „Reto“ Keller ist 1988 nach Canada ausgewandert und hat sich dort als Bergführer, Schnee-/Lawinenexperte, Safety-Manager, Mentor und Kunstschreiner einen Namen gemacht. Aufgrund einer Knieverletzung 1986 wurde ihm 2003 ein Oberschenkel amputiert. www.reykeller.ch

Rey’s Markenzeichen. Foto: Rey Keller

Amputation und dann …

von Simon-David König, Orthopädietechniker

Hauptursache für eine Bein-Amputation (lat. „ringsherum abschneiden“/ambi= herum; putare=beschneiden, reinigen, puten) ist die periphere arterielle Verschlusserkrankung (pAVK) mit über 95 % (davon ca. 70 % mit Diabetes Mellitus); lediglich 4 % der Amputationen sind auf ein Trauma (Unfall) zurückzuführen. Nach jeder Amputation muss sich der Organismus grundsätzlich neu organisieren und strukturieren. Dies fängt bei der Psyche an und hört bei den neuen physischen Herausforderungen auf. Je nach Amputationshöhen hat dies grundlegende Auswirkungen auf die neue Lebenssituation und die anschließende prothetische Versorgung. Je weiter oben eine Beinamputation erfolgt, umso intensiver wird die Rehabilitation. Das heißt, dass in der Regel Unterschenkelamputierte einfacher zu rehabilitieren sind und bessere Aussichten auf eine höhere Mobilitätsklasse haben als Hüftexartikulierte. Auch der notwendige Energieaufwand steigt mit zunehmender Amputationshöhe. So hat ein Oberschenkelamputierter im Vergleich 60 % mehr zu leisten, als jemand mit der gleichen Konstitution, aber ohne eine Amputation. Grund dafür ist die nicht mehr vorhandene gelenksübergreifend agierende Muskulatur (z.B. Ober- zu Unterschenkel). Je mehr Gelenksebenen nach einer Amputation prothetisch wiederhergestellt wer- den sollen, desto komplexer wird die Versorgung. Heute ermöglichen Materialien wie Carbonfasern und die verfügbare Elektronik, dass sich Menschen mit Amputationen im Alltag wieder in einem gewissen Maß bewegen können.

Aus wissenschaftlicher Sicht kann zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht eindeutig bewertet werden, ob z.B. die Prothese eines Spitzenathleten auf Weltklasseniveau beim Weitsprung einen Gesamtvorteil bringt oder nicht. So entspricht laut einer Untersuchung z.B. die Energierückgabe eines erhaltenen Fusses (mit Band-, Sehnen-, Muskelstrukturen und Knochen) über 240 % im Vergleich zu einem Fuss aus Carbonfaser (max. 95 %). Dieser Wert variiert jedoch stark in Abhängigkeit vom Fussmodel bzw. dessen Konstruktionsweise. Mit einem mikroprozessorgesteuerten Kniegelenk werden durch die Elektronik und die entsprechenden Algorithmen zumindest die Aufgaben von „Wahrnehmen, Denken und Handeln“ künstlich wiederhergestellt. Die meisten elektronischen Kniegelenke reagieren jedoch nur auf die „Wahrnehmung“, d.h. auf durch Sensoren ermittelte Daten und agieren dann. Ein mechanisches Kniegelenk kann dies nicht und adaptiert sich somit auch nicht an die jeweilige Situation. Bei einem mechanischen Kniegelenk muss man somit noch achtsamer sein und sich somit mental noch stärker anstrengen.

Weitere Infos zum Thema Amputation und Prothese findest du auf www.stolperstein.com